Der RCOG übt den Spagat

Der Ringerclub Oberriet-Grabs hat ein ambitiöses Projekt in Angriff genommen: Mit der «Vision 2020» möchte der Verein innert fünf Jahren in die Premium League zurückkehren, und seine besten Ringer sollen die Möglichkeit erhalten, an internationalen Titelkämpfen teilzunehmen.

Yves Solenthaler
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RINGEN. Die erste Mannschaft des RC Oberriet-Grabs ist in der letzten Saison fast aus der zweithöchsten Liga, der Hutter Challenge League, abgestiegen. Bei den bis 16-Jährigen ist der RCOG allerdings so erfolgreich wie kein anderer Club.

Die schlechte letzte Saison hat im Verein für Unruhe gesorgt. Viele forderten, erfahrene Ringer zu reaktivieren – was allerdings erst im Entscheidungskampf gegen den Abstieg in die 1. Liga praktiziert wurde.

Mittlere Generation fehlt

Daniel Steiger ist seit letztem Jahr zum zweiten Mal Präsident des Vereins. Er hält nichts davon, die Alten zu forcieren: «Dass wir sportlich erfolglos sind, ist biologisch zwangsläufig: Die Generation um die 25 Jahre fehlt uns fast vollständig.» In den sportlich erfolgreichen 90er-Jahren ist die Nachwuchsförderung vernachlässigt worden.

Das Problem ist längst erkannt, bereits 2003 hatte der RCOG die Nachwuchsförderung intensiviert – schon damals war Daniel Steiger Vereinspräsident. Auch dank etwas Zufall ist das Kinderringen (KiRi) entstanden: Die Brüder Daniel und Silvan Steiger gingen mit ihren Kindern in den Ringerkeller zum «Rammeln». So entstand die Idee zum Kinderringen. Bei den Jüngsten geht es nicht ums Ringen, im Vordergrund steht spielerisches Kämpfen. Erst später wechseln die Kinder ins Schülerringen und unter die Fittiche des Nachwuchs-Verantwortlichen Beat Motzer. Inzwischen bieten fast alle Schweizer Vereine diese Vorstufe an.

Auch weil sie im Kinderringen Pioniere sind, sind die Rheintal-Werdenberger derzeit im Nachwuchs so erfolgreich – die Kämpfer sind allerdings noch zu jung, um auf höchster Ebene mitzukämpfen. Aber mit drei Ringern, die in diesem Jahr an Nachwuchs-Titelkämpfen starten konnten oder können, ist das nur noch eine Frage der Zeit. Daniel Steiger sagt jedenfalls: «Die schlechte letzte Saison der ersten Mannschaft hat mich weniger beunruhigt als die Situation, die wir vor zwölf Jahren hatten. Die Zeit arbeitet für uns.»

Zusammenarbeit mit Verband

Aber der Präsident sagt auch: «Die erste Mannschaft ist das Aushängeschild des Vereins.» Deshalb hat er gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen – von denen drei ebenfalls schon als Präsident gearbeitet hatten – die «Vision 2020» entwickelt (Vision wird dabei auf englisch ausgesprochen: «Wischn»). Das Papier, das an der HV im Frühling vorgestellt worden ist, kann als Bekenntnis zum Spitzensport verstanden werden. «Dabei ist es allerdings wichtig, dass wir es schaffen, den Spagat zwischen Spitzensport und einem intakten Vereinsleben zu schaffen.» Denn das ambitionierte Projekt ist mit einem Aufwand verbunden, der die Mitarbeit der Vereinsmitglieder nötig macht. «Meine Rolle als Präsident ändert sich», sagt Steiger, «der Aufwand wird zu gross, um alles selbst zu erledigen.» Der Geschäftsführer der Hutter Baumaschinen AG in Altstätten hat nicht unbegrenzt Zeit zur Verfügung. «Zudem ist die Zusammenarbeit mit dem Schweizer Ringerverband und Swiss Olympic so komplex, dass eine gewisse Spezialisierung erforderlich ist.»

Auch die Kosten werden steigen, ein internationaler Ringer kostet den RCOG rund 10 000 Franken. Drei Oberriet-Grabser Ringer haben internationale Ambitionen, das Fernziel lautet aber fünf (erwachsene) Athleten mit solchen Ambitionen. Das wären dann 50 000 Franken, die zusätzlich beschafft werden müssten: «Deshalb sind wir dabei, eine aus fünf Personen bestehende Marketinggruppe zu installieren.»

Im Bereich Spitzensport laufen die Fäden bei der ausgebildeten Sozialpädagogin Conny Freuler zusammen. Die Mutter von Flavio Freuler, der sich als erster RCOG-Ringer zum internationalen Weg bekannt hat, wird auch die übrigen RCOG-Ringer mit internationalen Ambitionen gegenüber den Verbänden vertreten.

«Ich spüre im Verein Aufbruchstimmung, ja Begeisterung», sagt Steiger zum Echo auf die «Vision 2020». Aber nun gehe es darum, dass diese positive Haltung in Produktivität umgesetzt wird. «Die <Vision 2020> ist nur zu realisieren, wenn die Vereinsmitglieder viel Arbeit reinstecken», sagt Daniel Steiger.

Die wichtigste Personalie betrifft die sportliche Leitung, der das Projekt anvertraut wird. Beat Motzer ist als Nachwuchschef selbstverständlich stark in die «Vision 2020» eingebunden. Er erhält aber stärkere Unterstützung, weil sich mehr Leute aus den Reihen des RCOG zum Trainer ausbilden lassen, auch das ist Teil der «Vision 2020».

Aber als «Vater des Projekts» bezeichnet Steiger den Portugiesen David Maia. Der frühere Greco-Ringer, der zu Aktivzeiten gegen Motzer gekämpft hatte, war zuletzt Trainer beim Österreicher Nachbarn Götzis; nun hat ihn der RC Oberriet-Grabs abgeworben. Maia hat beim RCOG einen Vertrag bis 2020 unterschrieben. Er ist im sportlichen Bereich Hauptverantwortlicher der «Vision 2020» und auch Haupttrainer der ersten Mannschaft.

«Mutig dem Misserfolg trotzen»

Daniel Steiger weiss, dass es auf dem Weg der «Vision 2020» auch Rückschläge geben wird. Mit seinem Motto stellt er aber klar, dass sich der Verein deswegen nicht von seinen Zielen abbringen lässt: «Nicht wer nie fällt, ist im Alltag ein Held, sondern wer mutig dem Misserfolg trotzt.»