Der Plan der Wucherer geht nicht auf

Nachdem das OpenAir St. Gallen nach nur einem Tag bereits ausverkauft war, bleiben kurz vor Festivalbeginn viele Personen auf ihren Tickets sitzen. Im Internet bieten sie ihre Pässe an – zum Originalpreis oder gar für weniger.

Janique Weder
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Sie hören dieselben Konzerte und feiern an denselben Orten. Doch haben sie auch gleich viel für ihr OpenAir-Ticket bezahlt? (Bild: Benjamin Manser)

Sie hören dieselben Konzerte und feiern an denselben Orten. Doch haben sie auch gleich viel für ihr OpenAir-Ticket bezahlt? (Bild: Benjamin Manser)

ST. GALLEN. Der Aufschrei war gross, als im Dezember das OpenAir St. Gallen nach gerade mal 14 Stunden ausverkauft war. Die Organisatoren freute es, die Fans waren verärgert. Kurze Zeit später haben Schwarzhändler die Tickets auf Auktionsplattformen wie Ricardo und eBay zu horrenden Preisen angeboten. Nicht wenige verlangten das Dreifache des Originalpreises.

Schadenfreudige Reaktionen

Wenige Tage vor Festivalbeginn zeichnet sich ein anderes Bild. Viele Leute versuchen auf der Facebook-Seite des OpenAir St. Gallen ihre überzähligen Tickets zu verkaufen. Sie bieten Viertagespässe zum Originalpreis von 200 Franken an. Manche verlangen – wohl aus Angst, das Ticket nicht wegzubringen – auch weniger. Das schürt die Schadenfreude: «Ich hoffe, ihr schafft es nicht, die Tickets zu verkaufen!! Geschieht euch recht!!!», lautet beispielsweise ein Kommentar. Auch auf Ricardo kosten die Tickets mittlerweile wieder etwa so viel wie ein Originalticket. Ersteigert werden kann etwa ein Nachtschwärmer-Pass für 170 Franken. Das Gebot gilt bis morgen mittag.

Unbekannte Gründe

Die Gründe für diesen Sinneswandel lassen sich nur erahnen. Sabine Bianchi, Mediensprecherin des OpenAir St. Gallen, sagt: «Im vergangenen Jahr war vermutlich das schlechte Wetter der Grund, weshalb viele ihr Ticket wieder verkauften.» Was es heuer sei, das wisse sie nicht. Dass Ticket-«Hamsterer» auf ihren Festivalpässen sitzenbleiben, stört sie wenig. «Wichtig ist uns, dass jene Leute kommen können, die wirklich wollen.»

Nichtsdestotrotz gibt es noch immer wenige Händler, die sich einen Profit erhoffen und Viertagespässe für weit über 200 Franken anbieten. Bianchi bedauert das. Sie warnt ausserdem vor Käufen auf dem Schwarzmarkt: «Es könnten gefälschte Tickets sein.» Wer ein solches vorweist, bleibt draussen.

Machtlos gegen Ricardo & Co.

Nationalrat Sebastian Frehner will Schwarzhändlern den Garaus machen. In einer Motion fordert er den Bundesrat und das Parlament auf, das Bundesgesetz über den unlauteren Wettbewerb zu ändern. Frehner will, dass Tickets nicht teurer weiterverkauft werden dürfen als zum ursprünglichen Preis (Tagblatt von gestern).

Auch laut den Allgemeinen Geschäftsbedingungen des OpenAir St. Gallen ist «der Erwerb von Eintrittskarten und Freikarten zwecks Weiterverkauf generell untersagt». Mediensprecherin Bianchi gibt aber zu, dass das kaum durchsetzbar sei. Aus diesem Grund unterstützt sie Frehners Motion. «Gegen den Schwarzmarkt im Internet sind wir aus rechtlicher Sicht machtlos.»

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