Der Ölpreis dürfte weiter sinken

Der Heizölpreis ist so tief wie seit Jahren nicht mehr und er dürfte auch im Januar noch weiter sinken. Die Nachfrage nach Heizöl ist deshalb gross, die Tanks der Schweiz gut gefüllt. Doch es richten nicht alle ihre Einkäufe nach dem Preis.

Katharina Rutz
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Viele haben bereits letzten Sommer ihren Heizöltank gefüllt. Wer später dran war, konnte von stetig sinkenden Preisen profitieren. (Bild: Urs Jaudas)

Viele haben bereits letzten Sommer ihren Heizöltank gefüllt. Wer später dran war, konnte von stetig sinkenden Preisen profitieren. (Bild: Urs Jaudas)

REGION. Kaufen oder nicht? Diese Frage stellt sich vielleicht der Einfamilienhausbesitzer mit grossem Öltank, der diesen durchaus noch etwas auffüllen könnte. Oder auch der Liegenschaftsverwalter, der grössere Gebäude mit ebenfalls grossen Tanks zu bewirtschaften hat. «Diese Kunden kaufen zurzeit vermehrt Heizöl ein», sagt Rudolf Beusch, Geschäftsführer der Heizöl Metzger in Buchs. Allerdings gebe es auch unter diesen Voraussetzungen noch zurückhaltende Kunden. Der Preis könnte ja noch weiter sinken. «Was heute eingekauft wird, könnte morgen schon zu teuer geworden sein», beschreibt Rudolf Beusch das Dilemma. Er erwartet auch wirklich, dass der Preis im Januar noch weiter sinken wird. Seit dem Sommer ist das Heizöl pro 100 Liter rund 25 Franken günstiger geworden. Ein Einfamilienhausbesitzer, der rund 3000 Liter einkauft, bezahlte Ende Jahr rund 75 Franken pro 100 Liter, bestätigen mehrere Energielieferanten auf Anfrage des W&O. Ebenfalls würden laut Rudolf Beusch Leute nun einkaufen, die kleine Tanks haben und bereits wieder viel verbraucht haben. Ansonsten würden die meisten Kunden ihre Heizöltanks im Sommer füllen – unabhängig vom Preis.

Milder Winter, weniger Heizöl

Das der Tankfüllstand in der Schweiz aktuell aber überdurchschnittlich hoch ist (siehe Front), dafür sieht Beusch noch andere Gründe: «Per 1. Januar 2014 wurde die CO2-Abgabe erhöht. Dies führte dazu, dass viele ihre Öltanks noch vorher gefüllt haben. Der letzte Winter war dann aber sehr mild. Es wurde also davon nicht viel verbraucht.»

Schnee führt zu Nachfrage

Neben dem tiefen Preis dürfte auch der Schneefall seit Weihnachten zu einer erhöhten Nachfrage geführt haben. «Der erste Schneefall und die ersten tiefen Temperaturen eines Winters führen meistens zu einer erhöhten Nachfrage nach Heizöl», sagt Lukas Christen von der Agrola St. Gallen. In dieser Situation komme es auch zu einigen Notfällen, die die Agrola St. Gallen in der Ostschweiz möglichst ohne Lieferengpässe zu beheben versucht, was nicht immer einfach sei. Rolf Lehner, Leiter Marketing und Verkauf von Agrola Schweiz, spricht ganz klar von einer zurzeit hohen Nachfrage nach Heizöl. Im Sommer 2014 war der Ölpreis mit über 100 Dollar pro Barrel hoch. Deshalb sei letzten Sommer etwas weniger eingekauft worden, was die Nachfrage nach Heizöl nun zusätzlich erhöht, so Rolf Lehner. Da man nicht prognostizieren könne, ob der Preis in nächster Zeit nochmals sinkt oder wieder ansteigt, rät er den Besitzern von Einfamilienhäusern jetzt zum Kauf.

Tiefer Preis als Schwierigkeit

Für die Energielieferanten selber ist der tiefe Ölpreis nicht nur ein Segen wegen hoher Nachfrage, sondern auch eine Herausforderung. «Wir kaufen möglichst kleine Mengen ein, damit auch wir von den sinkenden Ölpreisen profitieren können und das Öl nicht plötzlich teurer eingekauft haben, als wir es dann verkaufen können», sagt Rudolf Beusch von der Heizöl Metzger in Buchs.

Gemäss Rolf Lehner von Agrola Schweiz warten aber auch längerfristig Herausforderungen auf die Energielieferanten. «Alte Ölheizungen werden heute häufig durch Alternativen wie beispielsweise Wärmepumpen ersetzt», sagt er. Diesem Veränderungsprozess begegnet die Agrola beispielsweise mit dem Angebot an Holzpellets. Rudolf Beusch hält dem allerdings entgegen, dass bei so tiefen und damit attraktiven Ölpreisen kaum jemand von Alternativen spreche. Steige der Preis allerdings auf über 100 Franken an, sei dies anders.