Der mühsame Weg zur Deponie

Von der Standortsuche bis zur Realisierung einer Deponie vergehen Jahre. Viele Gespräche mit den Interessengruppen sind nötig, um letztlich zielführende Kompromisse zu finden. In den letzten vier Jahren ist dies sechsmal gelungen.

Hanspeter Thurnherr
Drucken
Teilen
Das Gebiet Fuchsbühel zwischen Autobahn und Rheindamm in Buchs ist einer von elf Standorten im Kanton, die sich in der Planungsphase befinden. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Das Gebiet Fuchsbühel zwischen Autobahn und Rheindamm in Buchs ist einer von elf Standorten im Kanton, die sich in der Planungsphase befinden. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

REGION/ST. GALLEN. Weil das Fassungsvermögen der bestehenden Deponien für unverschmutzten Aushub im Kanton stetig abnimmt, hat der Kanton über 200 neue Standorte geprüft und in Vorabklärungen ihr Ausmass sowie privatrechtliche Aspekte geklärt. Von der Standortsuche bis zur Realisierung einer Deponie sei es ein langer, steiniger Weg, sagte Willi Haag, Vorsteher des kantonalen Baudepartementes, anlässlich der gestrigen Medienorientierung im Regierungsgebäude.

Viele Gespräche nötig

Es brauche sehr viele Gespräche mit den Grundeigentümern, den Gemeinden und den vielen Interessengruppen. «Denn sicher ist immer jemand dagegen», ergänzt der kantonale Bauchef. Es gelte, unter Berücksichtigung der Gesetzgebung die Interessenkonflikte zu lösen. «Das ist personal- und zeitintensiv», verdeutlichte Haag. Dank riesigen Anstrengungen konnten aber Standorte gefunden werden.

«Wenn die Grundeigentümer einverstanden sind und die Gemeinden nichts dagegen einzuwenden haben, wird der Standort in den kantonalen Richtplan eingetragen. Es folgen Planungsarbeiten und Vorprüfungen unter Einbezug betroffener Fachstellen. Dann werden das Deponieprojekt öffentlich aufgelegt und allfällige Einsprachen bereinigt. Es braucht weiters kantonale Bewilligungen wie Errichtungs-, Betriebs- oder Rodungsbewilligung», beschrieb er den Ablauf.

Sechs Neue in Betrieb

Ein Viertel der 200 möglichen Standorte im Kanton wurde auf ihre Erschliessungs-Tauglichkeit geprüft. «Nur wenige der gesichteten Standorte haben ein grösseres Volumen von 1 bis 2 Millionen Kubikmeter», sagte Christoph Heuberger, Deponieplaner im Amt für Umwelt und Energie. Der grösste Teil der möglichen Standorte habe nur ein Potenzial von 100 000 bis 600 000 Kubikmetern und damit auch nur eine kurze Betriebsdauer.

In den letzten vier Jahren wurden sechs Deponien neu in Betrieb genommen oder erweitert. In der näheren Region sind es Schollberg in Wartau, Starkenbach in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann und Unterkobel in Oberriet. Weiters sind es Flumserberg, Tüfentobel in St. Gallen und Bovel in Pfäfers.

Acht weitere Standorte sind vorgeprüft und in den Gemeinden zum Teil bereits aufgelegt worden. Nebst Felbenmaadbüchel in Oberriet und Feld in Rüthi aus der näheren Region sind es auch Standorte in Amden, Benken, Gommiswald/Kaltbrunn, Walenstadt Mörschwil und Waldkirch.

Elf weitere Standorte befinden sich in der Planungsphase und sind teilweise bereits im Richtplan eingetragen. Dazu gehört Fuchsbühel in Buchs und Neufeld in Rüthi. «Nach der Erweiterung der Deponie Unterkobel in Oberriet und von Schollberg in Wartau hat sich die Situation im St. Galler Rheintal entschärft», sagte Willi Haag auf Nachfrage. Zudem bestehe beim Standort Feld in Rüthi eine gute Chance auf Realisierung.

Grossdeponie im Steinachtobel?

Weiterhin gross sei der Bedarf in der Abfallplanungs-Region St. Gallen-Rorschach, sagte Willi Haag. Hier verfolge der Kanton zwei Szenarien. So wird eine Grossdeponie im Steinachtobel vorangetrieben. Hier hätten rund 17 Millionen Kubikmeter Aushubmaterial Platz. Damit wäre der Bedarf für viele Jahre gedeckt. Um die Deponie zu betreiben, müsste allerdings die Steinach verlegt werden. Noch in diesem Monat beginnt der Kanton mit der Detailplanung. Sie soll zeigen, ob eine Verlegung der Steinach möglich ist.

Das zweite Szenario sieht mehrere kleine und mittlere Deponien in der Region vor. Falls die Grossdeponie nicht realisiert werden kann, müssten auf längere Sicht 10 bis 20 kleinere Deponien im Grossraum St. Gallen geschaffen werden.

Aktuelle Nachrichten