«Der Kontakt mit der Bevölkerung ist sehr hilfreich und wichtig»

REGION. Im November vergangenen Jahres flüchteten 5691 Personen in die Schweiz. Das ist ein absoluter Spitzenwert. Seither sanken die Zahlen kontinuierlich. Im Februar waren es noch halb so viele, im April noch 1748 Personen.

Alexandra Gächter
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In Grabs wird derzeit ein Waldprojekt aufgebaut. Geflüchtete Personen, welche in Grabs wohnen, werden sich mit ähnlichen Arbeiten wie auf diesem Bild beschäftigen. (Symbolbild: Urs Bucher)

In Grabs wird derzeit ein Waldprojekt aufgebaut. Geflüchtete Personen, welche in Grabs wohnen, werden sich mit ähnlichen Arbeiten wie auf diesem Bild beschäftigen. (Symbolbild: Urs Bucher)

REGION. Im November vergangenen Jahres flüchteten 5691 Personen in die Schweiz. Das ist ein absoluter Spitzenwert. Seither sanken die Zahlen kontinuierlich. Im Februar waren es noch halb so viele, im April noch 1748 Personen. Dementsprechend verringerte sich die Anzahl Asylsuchender, welche dem Kanton St. Gallen zugewiesen wurden. Doch das Werdenberg und Obertoggenburg muss trotzdem fast 100 Personen mehr aufnehmen als noch zu Beginn dieses Jahres. Das Soll für die Werdenberger Gemeinden und Wildhaus-Alt St. Johann beträgt zurzeit 357. Dieses Soll erfüllt die Region mit 339 aufgenommenen Personen nicht (vgl. Titelseite).

Verzögerte Wirkung

René Hungerbühler, stellvertretender Leiter des Migrationsamtes des Kantons St. Gallen, bestätigt, dass die Zuteilquote der Asylbewerber auf die St. Galler Gemeinden angestiegen ist. «Die Asylsuchenden werden zuerst in den kantonalen Asylzentren untergebracht. Sie bleiben dort vier Monate, bis sie auf die Gemeinden verteilt werden.» Der Rückgang der Asylbewerber wirke sich also verzögert auf die Gemeinden aus. Zudem seien die kantonalen Zentren immer noch überbelegt. Wenn die Anzahl Asylgesuche weiterhin abnehme, dann stabilisiere sich auch die Verteilung auf die Gemeinden.

40 000 Asylsuchende

Doch von einer weiteren Abnahme der Gesuche geht Hungerbühler nicht aus. Im Gegenteil. «Im Winter wurde die Balkanroute geschlossen. Die Flüchtenden kommen nun vermehrt wieder von Libyen über Italien. Wenn das Wetter besser und das Meer ruhiger wird, rechnen wir mit einem Anstieg der Anzahl Asylsuchender. Das Staatssekretariat für Migration geht für dieses Jahr weiterhin von 40 000 Asylsuchenden aus», so Hungerbühler.

Auch Beat Tinner, bisheriger Präsident der Vereinigung St. Galler Gemeindepräsidenten, geht davon aus, dass die Werdenberger Gemeinden mehr geflüchtete Personen aufnehmen müssen. Die Gemeinde Wartau hat ihr Soll bereits jetzt deutlich erfüllt (vgl. Titelseite).

Aus 18 Nationen

Die 339 geflüchteten Personen, die im Werdenberg und Obertoggenburg wohnen, stammen aus 18 verschiedenen Nationen. 130 davon sind aus Syrien (vgl. Grafik unten). Die am zweitstärksten vertretene Gruppe sind Eritreer, gefolgt von Afghanen und Sri Lankern. Vereinzelte Personen stammen aus China, Tibet, Nepal, Somalia, Sierra Leone, Kamerun, Äthiopien, Algerien, Armenien, Irak, Iran, Türkei, Kosovo und Serbien.

Nicht alle hier wohnenden Personen sind Asylbewerber oder anerkannte Flüchtlinge. Es gibt viele Zwischenstufen (siehe Kasten). Auch eine Person, die einen sogenannten Nichteintretensentscheid erhält, darf bis zur Ausreise hier noch wohnen. Sie hat ein Anrecht auf Nothilfe – also Unterkunft und Essen – bis sie ausgeschafft werden kann. «Es gibt nordafrikanische Staaten, welche keine Reisepapiere ausstellen. Deshalb verzögert sich die Ausreise in solche Staaten», sagt Hungerbühler. Für die Nothilfe sind die Gemeinden zuständig.

Werkhof, Pflegeheim, Freibad

Nicht alle geflüchteten Personen haben ein Arbeitsverbot. Je nach Status darf einer Erwerbstätigkeit nachgegangen werden (siehe Kasten). So arbeitet beispielsweise in Wildhaus-Alt St. Johann jemand als Küchenhilfe. In Buchs sind gar zwölf Personen erwerbstätig.

In fast allen Gemeinden der Region werden diejenigen Personen, die aus rechtlichen Gründen keiner Erwerbstätigkeit nachgehen dürfen, beschäftigt. Fast überall gibt es Projekte zur Umweltpflege. In Buchs helfen sie ausserdem im Freibad, im Werkhof oder beim Verein für Abfallentsorgung; in Wartau ebenfalls im Werkhof und im Betagtenheim; in Grabs im Pflegeheim. «Die Beschäftigung gibt den Geflüchteten eine Tagesstruktur. Sie praktizieren Deutsch und lernen unsere Kultur kennen», sagt Rico Risch, Leiter des Grabser Sozialamtes. «Ausserdem ist der Kontakt mit der Bevölkerung sehr hilfreich und wichtig.»

Neben den Gemeinden leistet auch die Regionale Potenzialabklärungs- und Arbeitsintegrationsstelle (Repas) einen Beitrag zur Integration. Die Repas prüft die Eignungen der entsprechenden Personen. Sie fördert den Einstieg in die Arbeitswelt, um einen weiteren Sozialhilfebezug zu verhindern. Selbstverständlich besuchen die geflüchteten Personen Deutschkurse, die Kinder gehen in die Schule. In Sevelen lehren Freiwillige den Neuankömmlingen, wie man den Einkauf erledigt, eine Toilette oder den Herd benutzt.

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