Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Der Kanton verschafft sich Luft

Der Not gehorchend öffnet der Kanton St. Gallen Ende August die Zivilschutzanlage im Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum Riethüsli in St. Gallen. Bis zu 100 Asylsuchende werden hier befristet untergebracht.
Christoph Zweili

ST. GALLEN. Die St. Galler Regierung greift nicht zum erstenmal auf eine Notunterkunft unter Tag zurück. «Mit der Zivilschutzanlage Weier in Alt St. Johann haben wir im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht», sagt Jürg Eberle, Leiter des kantonalen Migrationsamts.

Die Unterbringung in der Anlage des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums St. Gallen im Riethüsli wird etwas weniger komfortabel: In Alt St. Johann stand das nahe Mehrzweckgebäude mit einem grossen oberirdischen Aufenthaltssaal und einer Küche zur Verfügung. Im Riethüsli werden die Asylsuchenden in einem grossen Container erste Brocken Deutsch lernen müssen oder wie man ein Bahnbillett löst.

Wie er rund 100 alleinstehende Männer und Frauen verpflegen will, weiss Jürg Eberle jetzt noch nicht. «Wir werden sicher nicht selber kochen, dafür ist die Küche nicht geeignet.» In der Zivilschutzanlage Alt St. Johann hatte das ein Hotelier übernommen.

Nur schlafen unterm Boden

Dass es oberirdische Aufenthaltsräume braucht, ist für Eberle schon aus humanitären Gründen klar: Nicht nur, dass jeder mal an die frische Luft müsse, «wer selber schon einmal Militärdienst geleistet hat, der weiss, wie sehr einem das Kunstlicht und das ständige Rauschen der Lüftung oder der Heizung in einer solchen Anlage zusetzen könne».

Aus dem gleichen Grund würden auch die Kajütenbetten nur zweistöckig genutzt: «Die Leute sind unter Umständen monatelang in der Anlage.»

Plätze in Zentren dauerbelegt

Bis zu 50 Asylsuchende wöchentlich weist der Bund dem Kanton St. Gallen derzeit zu. Zu viele, um sie in den sechs kantonalen Asylzentren in Oberbüren, Necker, Eggersriet, Mols, Weesen und Wil unterzubringen. Zwei von drei dürfen bleiben, weil sie bereits als Flüchtlinge anerkannt sind oder vorläufig aufgenommen werden, weil sie aus einem Kriegsgebiet stammen. Die 500 Plätze in den Zentren sind daher dauerbelegt. Die Folge: Für neu ankommende Asylsuchende sind keine Plätze mehr frei.

Die Stadt und der Zivilschutz St. Gallen verschaffen dem Kanton nun wieder etwas Luft, bis die Zahl der Asylsuchenden wieder abnimmt. «Gemäss Staatssekretariat für Migration hält der grosse Zustrom noch mindestens bis November an», sagt Eberle. Die Lösung mit dem Zivilschutz-Keller sei auf sechs Monate befristet.

Sicherheitsfirma wacht nachts

Über den gleichen Zeitraum verpflichtet werden auch die Angehörigen der Regionalen Zivilschutzorganisation St. Gallen, die unter der fachlichen Leitung des Migrationsamts die Betreuung der Einzelpersonen – Männer und Frauen – übernehmen, unterstützt von weiteren Zivilschutzorganisationen. Nachts und an den Wochenenden ist seit einem Jahr eine private Sicherheitsfirma zuständig, die den Zuschlag für alle kantonalen Zentren erhalten hat.

Der Kanton St. Gallen bringt Asylsuchende normalerweise in den ersten vier bis sechs Monaten in den sechs Asylzentren unter, um sie auf den Integrationsprozess in den Gemeinden vorzubereiten. Nicht zum erstenmal muss er die Gesuchsteller nun unter dem hohen Zuweisungsdruck aus Bern früher auf die St. Galler Gemeinden verteilen. Das bringt die Kommunen arg in Bedrängnis, weil sie die Asylsuchenden privat unterbringen wollen – billige Wohnungen sind rar.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.