Der Hai auf dem Berg

Ein Weisser Hai im Toggenburg, Gewinn trotz gescheitertem Geothermieprojekt. Die Erfolge der Forschung in der Ostschweiz sind in einem neuen Buch zusammengeführt worden.

Bruno Knellwolf
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Im neuen Band der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft sind verschiedene Bildstrecken zu finden. In dieser zeigt der Taucher und Fotograf Tino Dietsche, welche Überraschungen ein Schwimmer am Goldacher Ufer des Bodensees erleben könnte. Dieser Europäische Wels ist 1,2 Meter lang. (Bild: NWG/Tino Dietsche)

Im neuen Band der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft sind verschiedene Bildstrecken zu finden. In dieser zeigt der Taucher und Fotograf Tino Dietsche, welche Überraschungen ein Schwimmer am Goldacher Ufer des Bodensees erleben könnte. Dieser Europäische Wels ist 1,2 Meter lang. (Bild: NWG/Tino Dietsche)

Haiwirbel auf den Churfirsten – diese markante Gebirgskette der Voralpen. Auf dem Chäserrugg erwartet niemand Haie, deshalb waren die Funde der fossilen Wirbel und Haizähne eine wissenschaftliche Sensation. Über diese wird nun im Buch «Von den Höhen der Churfirsten bis in die Tiefen des St. Galler Untergrunds» berichtet. Der 92. Band der St. Gallischen Naturwissenschaftlichen Gesellschaft NWG «dokumentiert, was an regionaler Forschung in der Ostschweiz läuft», sagt Toni Bürgin, Direktor des Naturmuseums St. Gallen und NWG-Präsident.

Thurauen bis Alter Rhein

Sieben Jahre nach dem letzten Band präsentiert der neuste eine Fülle an regionaler Naturforschung, aber auch an konkreten Projekten zur Erhaltung der Natur – etwa durch die Renaturierung der Thurauen, der Förderung des Auerhahns im Waldreservat Amden oder der Endgestaltung des Alten Rheins. «Diese Arbeiten stellen breit abgestütztes Wissen zur Verfügung, wie man bei solchen Vorhaben vorgehen muss», schreibt Henry Naef, Redaktor des Berichtebands.

Für eine Besonderheit hält Bürgin die Arbeit von Vera Leib. Sie hat die kleinen Fliessgewässer, also die Bäche im Kanton St. Gallen, biologisch untersucht – was selten getan wird. Denn meist werden giftige Spuren von Pestiziden und Herbiziden nur in grossen Bächen und Flüssen unter die Lupe genommen. Doch die kleinen Bäche, die 75 Prozent des Schweizer Gewässernetzes ausmachen, seien Hauptlebensraum einer einzigartigen Fauna.

Zurück zum Hai, dessen Wirbel und ein Zahn im Jahr 2002 am nördlichen Rand der Rosenböden unterhalb des Chäserruggs gefunden worden ist. Mit einem Superpuma der Schweizer Luftwaffe wurde 2009 die 400 Kilogramm schwere Felsplatte mit Haiwirbeln geborgen und weggeflogen. Insgesamt wurden Reste von 41 Haiwirbeln gefunden, der grösste Wirbel hat einen Durchmesser von sieben Zentimetern. Die meisten Wirbel dürften aus dem Rumpfbereich des Hais stammen, der nach der Präparierung durch Urs Oberli der Art der Ordnung Lamniformes zugewiesen wird. Zu der gehören auch die heutigen Makohaie und der Weisse Hai.

Platz im neuen Naturmuseum

2011 hat Franz Niederberger einen weiteren Haiwirbel entdeckt mit vierzig Zähnen. Noch fehlt die detaillierte Beschreibung dieses Hais. Doch auch dessen Überreste werden im neuen Naturmuseum in St. Gallen ihren Platz finden.

NWG: Von den Höhen der Churfirsten bis in die Tiefen des St. Galler Untergrunds, Band 92, Fr. 60.–

Haiwirbel vom Chäserrugg. (Bild: NWG)

Haiwirbel vom Chäserrugg. (Bild: NWG)