Der «gelbe Riese» in Finanznöten

Das Land Liechtenstein als Hauptaktionär der Post Liechtenstein AG muss dem Unternehmen erneut finanziell unter die Arme greifen. Wirtschaftsminister Thomas Zwiefelhofer begründete den notwendig gewordenen Kredit in Höhe von 12 Mio. Fr. für die Post.

Günther Meier
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VADUZ. Liechtensteins Post AG kämpft seit Jahren mit Veränderungen im Kerngeschäft, die sich in der Abnahme der Brief- und Paketbeförderung zeigen. Die Finanzbasis des Unternehmens galt schon seit einigen Jahren als schmal, doch nach Problemen mit der Pensionskasse und dem Zukauf von ausländischen Unternehmen im eBusiness ist das Eigenkapital unter 1 Million Franken gesunken. Im Rahmen einer Rettungsaktion will die Regierung nun eine Aufstockung des Eigenkapitals um 12 Millionen Franken vornehmen. Wirtschaftsminister Thomas Zwiefelhofer hatte die ernste Problematik des zu tiefen Eigenkapitals schon im Mai bei der Debatte im Parlament über den Geschäftsbericht 2014 der Post AG angekündigt. Der Vorschlag der Regierung, der vom Parlament noch abgesegnet werden muss, lautet auf die Erhöhung des Aktienkapitals um 5 Millionen Franken und auf die Einbringung von Reserven in Höhe von 7 Millionen Franken.

Grosse finanzielle Belastung

Von der Gründung 1999 bis 2012 habe sich die Post AG positiv entwickelt, blickte Zwiefelhofer zurück, was sich an der Ausschüttung von Dividenden von rund 5,6 Millionen Franken und dem Aufbau von Eigenkapital von 20 Millionen Franken erkennen lasse. Die Talfahrt setzte 2009 ein, als eine Kooperation mit einem liechtensteinischen Unternehmen im eBusiness scheiterte und in den folgenden Jahren ähnlich ausgerichtete Betriebe in Deutschland und Österreich zugekauft wurden. Diese Tochtergesellschaften, sagte Zwiefelhofer, hätten sich zu einer grossen finanziellen Belastung entwickelt. Die Integration der Unternehmen habe sich als ausserordentlich schwierig herausgestellt und das eigentliche Geschäft der Tochterunternehmen beinahe zum Erliegen gebracht.

Bürgschaft verlangt

Die ernsten Finanzprobleme der Liechtensteinischen Post AG, an der die Schweizer Post mit einem Anteil von 25 Prozent beteiligt ist, offenbarten sich der Öffentlichkeit im vergangenen Jahr. Der Post war es nicht möglich, die für die Ausfinanzierung der Pensionskasse notwendigen Mittel in Höhe von knapp 14 Millionen Franken aufzubringen. Der schweizerische Minderheitspartner erklärte sich daraufhin bereit, diese Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, verlangte aber eine Bürgschaft des Landes Liechtenstein. Als im Parlament dieser Antrag der Regierung zur Debatte stand, verbanden einige Abgeordnete ihre Zustimmung oder Ablehnung mit kritischen Worten an die Geschäftsleitung der Post. Kritisiert wurde nicht zuletzt die offene Eignerstrategie für das Unternehmen, die «ein Freibrief für abenteuerliche neue Geschäftsstrategien» sei.

Strategie überdenken

Als abenteuerlich wurden die Firmenakquisitionen im Ausland bezeichnet und die Regierung für die «Auslandabenteuer» mitverantwortlich gemacht. Wirtschaftsminister Zwiefelhofer erachtete es damals als positiv, dass die Post nach neuen Geschäftsfeldern suche, musste aber doch eingestehen, die Investitionen hätten noch nicht die geplanten Rückflüsse oder Erträge eingebracht. Dem in diesem Frühjahr neu bestellten Verwaltungsrat hat die Regierung den Auftrag erteilt, betonte Wirtschaftsminister Zwiefelhofer am Dienstag, die bisherige Strategie der Post zu überdenken. Unter der Leitung des neuen CEO, Peter Beck, sei inzwischen eine grundsätzliche Neubeurteilung des Unternehmens vorgenommen worden.

Wie Zwiefelhofer sagte, sei das Kerngeschäft noch rentabel, so dass sich die neue Strategie auf die Weiterentwicklung dieser Kernkompetenzen konzentriere. Diese Aussage deutet darauf hin, dass das teure Auslandabenteuer beendet wird.