«Der Friede sei mit dir»

Ein neues Vereinslokal der albanisch-islamischen Gemeinschaft in Räfis sorgt für Beunruhigung in der heimischen Bevölkerung. Ein Augenschein bei der Vereinigung gibt Einblick in die regelmässigen Treffen der moslemischen Männer.

Heidy Beyeler
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Ein Imam aus Serbien war zu Besuch bei der albanisch-islamischen Gemeinschaft im neuen Vereinslokal und Gebetsraum bei Niki's. (Bild: Heidy Beyeler)

Ein Imam aus Serbien war zu Besuch bei der albanisch-islamischen Gemeinschaft im neuen Vereinslokal und Gebetsraum bei Niki's. (Bild: Heidy Beyeler)

RÄFIS/SEVELEN. Die albanisch-islamische Gemeinschaft in Buchs existiert bereits seit über 20 Jahren, hiess es auf Anfrage. Bis Mitte dieses Jahres befand sich ihr Gebetsraum und das Gemeinschaftslokal in einer Liegenschaft der Kehrichtverbrennungsanlage an der Langäulistrasse in Buchs. Diese Räumlichkeiten nutzte sie gemeinsam mit dem bosnisch-islamischen Verein Dr. Irfan Ljublijankic. Nun trennten sich ihre Wege – nachdem der Mietvertrag für die Räumlichkeiten aufgekündigt wurde. Auf Anfrage des W&O betonte der Verein für Abfallentsorgung (VfA) als Vermieterin, dass es während Jahren keine Probleme gegeben habe. Gekündigt wurde den beiden Gemeinschaften wegen Eigenbedarfs des VfA.

Optimale Alternative

Seit Juni 2015 hat nun die albanisch-islamische Gemeinschaft ein eigenes Lokal mit angeschlossenem Gebetsraum – in der Liegenschaft von Niki's Möbel. Die Räumlichkeiten im 1. Stock sind durch einen Seiteneingang erreichbar. Den Weg weisen kleine Plakate. Sie heissen die Gäste in albanischer Sprache willkommen mit den Worten «Mirsevini Xhamia Bashkimi – Es-Selamu Alejkum». Zu Deutsch: «Herzlich willkommen in der gewerkschaftlichen Moschee – der Friede sei mit dir.» Und sie führen direkt zum Lokal beziehungsweise zum Gebetsraum.

Vor dem Umzug wandelten Mitglieder der Gemeinschaft in Fronarbeit eine Lagerhalle in einen eindrucksvollen Gebetsraum mit plüschweichem Teppich um und bemalten die Wände des Aufenthaltsraums mit einem weichen Gelb. Das Lokal gleicht einem Kaffeehaus. Hier treffen sich die Männer zu Gesprächen und Diskussionen oder spielen Schach.

«Wir möchten auch einen <Töggelikasten> und eventuell ein Dartspiel installieren», erklärt Enez Murat im Gespräch mit dem W&O. Er ist Sekretär des Vereins und lebt seit zwölf Jahren in der Schweiz. «Es ist besser, wenn unsere Mitglieder ihre Freizeit hier bei uns verbringen statt beispielsweise am Bahnhof oder im Zentrum von Buchs gelangweilt herumzuhängen.»

Fünfmal wird gebetet

Die gläubigen Moslems beten fünfmal am Tag: Bei Sonnenaufgang das Morgengebet, das Mittagsgebet, das Mid-Nachmittagsgebet, das Abendgebet und das Nachtgebet. Die Zeit dafür richtet sich nach der Sonne und ändert sich im Laufe der Monate. So ändert sich jeweils auch der Beginn des Fastenmonats Ramadan jährlich. Der Ramadan – Monat der Barmherzigkeit, der Vergebung, reumütigen Rückkehrer zu Allah, Bitte um Vergebung – dauert jeweils 30 Tage.

Der Freitag ist für Moslems der Ruhetag, wie für Juden der Samstag (Sabbat) und für Christen der Sonntag. Am Freitag wird das Mittagsgebet besonders hochgehalten. Und so finden sich denn auch im Gebetsraum bei Niki's jeweils am Freitagmittag besonders viele Leute ein. Für Männer ist das gemeinschaftliche Gebet am Freitag verpflichtend. Im Islam werden, wie bei den Christen auch, zwei hohe Feiertage begangen. Es sind dies das drei Tage dauernde Fest des Fastenbrechens – auch Zuckerfest genannt – und das Opferfest, das höchste Fest der Moslems. Es folgt etwa 70 Tage nach dem Fastenbrechen. Diese beiden Feiertage sind die bedeutendsten Festlichkeiten im islamischen Jahreskreis.

Hoher Besuch

Der Zufall wollte es, dass beim Treffen am Freitag in Räfis ein Imam aus Serbien. Lulzim MIftari, zu Besuch war. Das war für die albanisch-islamische Gemeinschaft eine besondere Ehre. Als kleine Gemeinschaft können sie sich weder eine Moschee noch einen Imam leisten, erklärt der Präsident des Vereins, Ismet Kamberi aus Sevelen. Deshalb geniesse man den Besuch eines Imams in besonderem Masse. Nebst dem Gebetsruf durch den Vorbeter, im vorliegenden Fall meist der Präsident Ismet Kamberi, gibt es jeweils am Freitag vom Imam eine Predigt (Chutba), so lange er zu Besuch ist.