Der erste Kontakt mit dem Land

Für über 1500 Flüchtlinge war in den letzten zwei Monaten die alte Post in Buchs der erste Übernachtungsort in der Schweiz. Engagierte Freiwillige sorgen dafür, dass der kurze Aufenthalt im Werdenberg «unspektakulär» verläuft.

Hanspeter Thurnherr
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Die improvisierte kleine Arztpraxis und Apotheke in der Sammelstelle. (Bilder: ky/Eddy Risch)

Die improvisierte kleine Arztpraxis und Apotheke in der Sammelstelle. (Bilder: ky/Eddy Risch)

BUCHS. In der ehemaligen Kundenhalle in der alten Post hängen frischgewaschene Duvets zum Trocknen auf. Hinter der Glasscheibe, wo einst die Post-Mitarbeitenden die Kunden am Schalter bedienten, stehen Gestelle und Schachteln mit gespendeten Kleidern, Schuhen und weiteren Materialien des täglichen Bedarfs. Wo einst die Pöstler die Briefe sortierten und sich für ihre Tour vorbereiteten, liegen Männer auf Matratzen, eingehüllt in Duvets, erholen sie sich von den Reisestrapazen oder spielen miteinander Karten.

Post als Wohnraum

Der Raum dahinter ist mit Gittern in mehrere «Boxen» unterteilt, welche mit Plastik-Blachen «verschönert» sind. Die Boxen sind Familien mit Kindern zugeteilt. Ein weiterer Raum der ehemaligen Post der Stadt Buchs dient als Empfangs-, Aufenthalts- und Essraum sowie als «Arztpraxis mit Apotheke» – und zudem am gestrigen Tag auch als Pressesaal für die Medienkonferenz des Schweizerischen Roten Kreuzes.

Dabei drückt Präsidentin Annemarie Huber-Hotz ihre Dankbarkeit aus «für die grosszügige Unterstützung speziell aus der Buchser Bevölkerung» – und nennt Beispiele: Sach- und Geldspenden, die kostenlose Dienstleistung eines Coiffeurs, Zimmer für die Freiwilligen, ein Auto und Parkplätze, welche zur Verfügung gestellt wurden. Auf rund 70 000 Freiwillige weltweit können die Rotkreuz-Organisationen im Bereich Flüchtlingshilfe zählen.

Jugendlicher Einsatz

Seit November sind jeden Tag Teams mit bis zu fünf SRK-Freiwilligen während 17 Stunden an sieben Tagen in der Woche in der Sammelstelle präsent. Ein bis zwei Personen übernachten vor Ort, um im Notfall einsatzbereit zu sein. Diese Freiwilligen werden grösstenteils aus dem Pool des Kantonalverbandes St. Gallen rekrutiert. Dessen Präsident, Luzius Schmid, zeigt sich besonders beeindruckt von der Mitarbeit der Jugendlichen vom Jugendrotkreuz: «Sie waren im November nicht nur die ersten vor Ort. Sie arbeiteten auch sehr konstruktiv und brachten viele Ideen ein, auch unkonventionelle, die sich nicht selten als tauglich erwiesen.»

Ehrlicherweise müsse man aber auch zugeben, dass es beim Einsatz der Freiwilligen langfristig Limiten gebe. Denn diese müssten auch arbeiten und hätten Familien.

Andere Regionen helfen aus

Deshalb wurde und wird auf Freiwillige aus anderen Regionen zurückgegriffen, bis hinauf zu höchsten Stellen. So haben vor wenigen Tagen selbst Präsidentin Annemarie Huber-Hotz und Direktor Markus Mader einen Einsatz in Buchs geleistet und dabei vor Ort wichtige Erkenntnisse gewonnen.

Die Teamleitung ist ebenfalls 17 Stunden präsent sowie die übrigen Stunden auf Pikett. Präsenz und Pikett werden in der Regel von drei vom SRK angestellten Personen wahrgenommen.

Der Sammelplatz des Bundes versteht sich als Erstaufnahmestruktur, in die Flüchtlinge unmittelbar nach ihrem Grenzübertritt und der Registrierung durch das Grenzwachtkorps – dabei werden auch die Fingerabdrücke genommen – überwiesen werden. Die Asylsuchenden werden verpflegt, bekommen eine Schlafgelegenheit und die Möglichkeit zur Körperpflege, wobei sich die Duschwagen und Toi-Tois ausserhalb des Postgebäudes befinden.

Für die medizinische Erstversorgung stehen zusätzlich Samariter im Einsatz. Die Verpflegung wird durch einen Catering-Service geliefert.

Flüchtlinge arbeiten mit

Wie Hugo Köppel beim Rundgang erklärte, werden die Flüchtlinge in die täglichen Putz- und Räumungsarbeiten mit einbezogen. Die Erfahrung zeige, dass sie dies gerne machen, auch vielfach von selbst. So haben sich auch gewisse «Beschäftigungs-Strukturen» entwickelt wie zum Beispiel Zeichnen für die Kinder oder Deutschstunden, an denen die Flüchtlinge sehr interessiert seien. Gut klappe auch die Zusammenarbeit mit dem Personal der Sicherheitsfirma.

Zeichnerisch geht die Verständigung besser: Dieser Asylsuchende zeigt, was er von der Schweiz hält. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Zeichnerisch geht die Verständigung besser: Dieser Asylsuchende zeigt, was er von der Schweiz hält. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Annemarie Huber-Hotz, Mitte, Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes, bei ihren Ausführungen, zusammen mit Luzius Schmid (links), Präsident SRK Kanton St. Gallen, und Markus Mader, Direktor SRK. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Annemarie Huber-Hotz, Mitte, Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes, bei ihren Ausführungen, zusammen mit Luzius Schmid (links), Präsident SRK Kanton St. Gallen, und Markus Mader, Direktor SRK. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Fasziniert vom Fotografen: Flüchtlingskind in seiner «Familienbox» in der ehemaligen Post. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

Fasziniert vom Fotografen: Flüchtlingskind in seiner «Familienbox» in der ehemaligen Post. (Bild: EDDY RISCH (KEYSTONE))

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