Der Cantichor wird in New York singen

An der Kantonsschule Sargans fand kürzlich eine Versammlung im Hinblick auf den im Januar bevorstehenden Auftritt in New York statt. Was Anfang Jahr als verrückte Idee begonnen hatte, wurde an diesem Abend für alle greifbar gemacht: Der Cantichor wird in der berühmten Carnegie Hall auftreten.

Regula Lehmann
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SARGANS. «New York hatte bereits 1889 3,4 Millionen Einwohner. 1894 übertraf das Manhattan Life Building mit 106 Metern erstmals die 100-Meter-Marke; allerdings war damit die Höhe der Cheopspyramide von 146 Metern noch lange nicht erreicht», gibt die Historikerin Erica Burgauer zu bedenken. Mit ihren Erläuterungen zur Geschichte New Yorks beginnt der Abend. In einem zweiten Teil erklärt Barbara Broder, Lehrerin für bildnerisches Gestalten, das kleine Einmaleins des heutigen Manhattan: Strassennetz, U-Bahn-System, gelbe Taxis, Trinkgeld, was man unbedingt tun und was man besser lassen sollte.

Fünf Tage reichen kaum aus

Einem typischen Städtetrip gleicht die Reise, die Chorleiter Harri Bläsi mit 91 weiteren Passagieren Mitte Januar antreten wird, aber keinesfalls. Am Informationsabend wird klar, dass an drei Tagen ausgiebig mit dem Orchester und dem Dirigenten vor Ort für den grossen Auftritt geprobt wird. Rechnet man Reisezeiten und Jetlag ein und will noch einige Highlights in New York erkunden, so reichen die fünf Tage eigentlich kaum aus. Wer nun von Seiten der Schülerinnen und Schüler Kritik und die Forderung nach mehr Freizeit erwartet, der täuscht sich. Allen ist klar, dass der eigentliche Sinn der Reise im musikalischen Erlebnis und im Verbreiten der Friedensbotschaft liegt.

Gegen die Brutalität des Krieges anzusingen und der Vision von religiöser Toleranz und Versöhnung Raum zu geben, dies hatte sich Chorleiter Bläsi zum Ziel gesetzt, als er im Verlaufe des vergangenen Schuljahres die Friedensmesse des Komponisten Karl Jenkins mit dem Cantichor einstudierte und zur Aufführung im Hagerbachstollen brachte. Der Erfolg gab ihm recht, und dies nicht nur in musikalischer Hinsicht. Die Lernenden waren begeistert von der Botschaft des Stücks und beflügelt, diese weiterzutragen, nun also nach New York.

Singen für den Weltfrieden

Dort findet jeweils anlässlich des Martin Luther King Jr. Day in der berühmten Carnegie Hall ein Konzert statt, bei dem Chöre aus der ganzen Welt gemeinsam im Zeichen des Weltfriedens ein ausgesuchtes Werk singen. Für den 18. Januar 2016 fiel die Wahl auf Jenkins «A Mass for Peace», wodurch der Cantichor auf die Gästeliste der amerikanischen Organisatoren rutschte.

Inzwischen ist ein Projektteam, das auch von Seiten der Eltern engagiert unterstützt wird, tätig geworden. Die Reise und der Aufenthalt wurden organisiert, wozu diverse Verhandlungen mit den amerikanischen Partnern nötig waren. Und natürlich gaben auch die Finanzen zu reden. Mit diversen Jobs und Einsätzen wurde es den Lernenden ermöglicht, sich diesen Aufenthalt wenigstens ein Stück weit selbst zu finanziere. Zudem werden Weihnachtskonzerte mit Kollekte für das Projekt in Mels, Arosa und in der Lenzerheide stattfinden. Dass die Schülerinnen und Schüler von Beginn weg Feuer und Flamme für das Projekt waren, erstaunt Harri Bläsi nicht. «Was uns allerdings überrascht und tief bewegt hat, ist die Offenheit und Freude, welche Eltern, Schule und Externe, die vom Projekt erfuhren, uns entgegenbrachten.»

Nun bleiben nur noch rund zwei Monate, bis es losgeht. Am ersten offiziellen Informationsabend ist die Vorfreude deutlich spürbar. In der Pause am Kuchenbuffet wird rege über Garderobevorschriften, Reisevisa oder Januarklima ausgetauscht.