Der Bund wagt für 2016 keine Prognose bei der Flüchtlingszahl

BERN. 2015 sei für ihn das bisher schwierigste Jahr gewesen, sagte Mario Gattiker, Direktor des Staatssekretariats für Migration (SEM), bei der Präsentation der Asylstatistik gestern in Bern.

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BERN. 2015 sei für ihn das bisher schwierigste Jahr gewesen, sagte Mario Gattiker, Direktor des Staatssekretariats für Migration (SEM), bei der Präsentation der Asylstatistik gestern in Bern. Denn nach einem ruhigen Jahresbeginn waren die Zahlen im Sommer hochgeschnellt: Insgesamt wurden 39 500 Asylgesuche gestellt. Verglichen mit anderen europäischen Ländern ist dies jedoch eine moderate Zahl. Eine Prognose für 2016 wagte Gattiker nicht; es gebe zu viele Unsicherheitsfaktoren, etwa, ob die Mittelmeerroute wieder stärker genutzt wird. Die Behörden gehen aber nicht davon aus, dass 2016 weniger Asylgesuche gestellt werden.

Im Fokus der Schweiz steht neben Deutschland auch der Nachbar Österreich, wo die Regierung die Einführung eines «Richtwerts» für Flüchtlinge angekündigt hat. Bundespräsident Johann Schneider-Ammann traf gestern in Wien seinen Amtskollegen Heinz Fischer zu einem Arbeitstreffen, an dem auch die Flüchtlingskrise ein Thema war. Schneider-Ammann sagte, die Schweiz sei bei der Aufnahme von Asylsuchenden an ihrer «Kapazitätsgrenze» angekommen. Unser Land sei aber eher mit einer Zuwanderungsfrage konfrontiert, die auf den «stabilen und innovativen Wirtschaftsstandort Schweiz» zurückzuführen sei. Die Nettozuwanderung betrage jährlich rund 80 000 Personen. «Das entspricht einer Stadt wie St. Gallen und macht den Menschen Angst.»

Gemäss der neuen Ausländerstatistik, die ebenfalls gestern publiziert wurde, ging die Nettozuwanderung auf knapp 71 500 Personen zurück. Doch: Als Arbeitgeberin bleibt die Schweiz attraktiv, die Zahl der Erwerbstätigen aus der EU und der Efta hat erneut zugenommen. (dla/dow/sda/apa) ? THEMA 19+20

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