Der bessere von zwei Auswegen

Durch den Verkauf an Dritte konnte bei der Kelag-Gruppe der Verlust von Arbeitsplätzen eingegrenzt werden. Für die bisherige Eigentümerfamilie Kendlbacher ist es aber «traurig, dass wir es nicht geschafft haben, die Firma zu sanieren».

Hanspeter Thurnherr
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Keine «königlichen» Gefühle am Dreikönigstag: Franz und Thomas Kendlbacher sowie Mediensprecher Martin Fricker kommunizieren die herben Arbeitsplatzverluste durch die Neustrukturierung der Kelag-Gruppe. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Keine «königlichen» Gefühle am Dreikönigstag: Franz und Thomas Kendlbacher sowie Mediensprecher Martin Fricker kommunizieren die herben Arbeitsplatzverluste durch die Neustrukturierung der Kelag-Gruppe. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

SENNWALD. Die Kelag-Gruppe war bisher ein Familienunternehmen. Gegründet von Vater Helmut Kendlbacher, leiteten in den letzten Jahren die drei Söhne Thomas, Franz und Christian die Firma. «Es ist traurig, dass wir es selber nicht geschafft haben, über die Nachlassstundung die Firma zu sanieren. Es tut uns sehr leid für die entlassenen Mitarbeitenden», sagte Thomas Kendlbacher bei der gestrigen Medienkonferenz (siehe Front).

Andererseits sei er glücklich, dass neue Partner gefunden werden konnten, welche die Weiterführung des Betriebes und den Erhalt von 86 Arbeitsplätzen gewährleisteten. «Für uns ist es ein Lichtblick und eine Hoffnung, dass die Partner wissen, wie man sich im Wirtschaftsumfeld bewegen muss. Und sie sprechen die gleiche Sprache.» Thomas und Franz Kendlbacher werden – zumindest vorläufig – in der Geschäftsleitung verbleiben.

Für Sozialplan fehlt das Geld

Die vier Investoren verfügten über eine langjährige Erfahrung in der Führung von Industrie- und Dienstleistungsgesellschaften sowie in der Restrukturierung von Unternehmen. So hätten sie unter anderem die Egro Industrial Systems AG im aargauischen Niederrohrdorf erfolgreich saniert.

Wie Martin Fricker, Mediensprecher der neuen Kelag Systems AG, erklärte, sei die Liquidität so knapp geworden, dass eine Sanierung nicht mehr möglich war. So hätten nur noch zwei Auswege bestanden: Entweder der Konkurs und damit der Verlust von fast 150 Arbeitsplätzen – oder der Verkauf an Dritte, um Teile der Firma zu retten. «Letzteres ist uns gelungen.» Allerdings werde es keinen Sozialplan für die entlassenen Mitarbeiter geben, weil dafür kein Geld vorhanden sei.

Rückzug und Rechtsstreit

Finanziell das Genick gebrochen hat der Kelag-Gruppe vor allem das Engagement im Ausland. In Deutschland hat sie sich aus der Cowa Remscheid GmbH zurückgezogen, beim Projekt in Cambridge, England, ist sie in einen Rechtsstreit mit dem Kunden verwickelt. «Wir gehen davon aus, dass es bald zu einer Einigung kommt», sagt Martin Fricker. Der Rückzug wie auch der Rechtsstreit verursachten aber hohe Kosten. Dazu kommen Kosten durch die mehrjährige Vorfinanzierung von Projekten im Euro-Raum. Martin Fricker: «Hier führte der fallende Eurokurs zu dramatischen Verlusten.»