Depressionen sind heilbar

Das Referentenpaar Ruth und Silvio Spadin erklärte anlässlich des Frauenfrühstücks die Ursachen und Formen von Depressionen und wie schrittweise eine Heilung erfolgen kann.

Esther Wyss
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Moderatorin Margot Walt mit dem Referentenpaar Silvio und Ruth Spadin (von rechts). (Bild: Esther Wyss)

Moderatorin Margot Walt mit dem Referentenpaar Silvio und Ruth Spadin (von rechts). (Bild: Esther Wyss)

MAUREN. Ruth und Silvio Spadin führen in Thayngen eine Praxis für christliche Lebens- und Eheberatung. Beide haben persönliche Erfahrungen mit Depressionen und wissen deshalb, wovon sie sprechen. Laut Statistik erkrankt in der Schweiz jeder dritte Mensch während seines Lebens einmal an einer schweren Depression. Spadin erklärte, dass Melancholie, Traurigkeit oder Gemütsschwankungen keine Depressionen sind.

Keine Freude empfinden

Der Referent unterschied drei Arten von Depression, wobei sich die Symptome überschneiden. Bei einer echten Erkrankung fühlen sich die Betroffenen entscheidungs- und funktionsunfähig. Das Aufstehen am Morgen kann bereits eine Überforderung darstellen. Depressive können keine Freude empfinden, leiden unter Angstzuständen, Müdigkeit, Erschöpfungszuständen, Hoffnungslosigkeit, Grübelzwang und Schlafstörungen. Zuweilen auftretende Suizidgedanken können ebenfalls Symptome einer Depression sein.

Maskierte Depression

Körperlich kann sich eine Depression in Appetitlosigkeit, Unwohlsein, Magen-Darm-Beschwerden, Kopf-, Nacken- und Kreuzschmerzen äussern. Diese Symptome stehen oft im Vordergrund, so dass die dahinterliegende maskierte Depression nicht erkannt wird. Werden nur diese Beschwerden behandelt, kann eine Depression oft jahrelang unentdeckt bleiben. Bei einer psychogenen Depression, (ca. 80 Prozent) sind die Auslöser meist erlebnisbedingt und es bestehen gute Heilungschancen. Eine endogene Depression ist oft vererbt und es liegt eine Stoffwechselstörung vor, die sich medizinisch behandeln lässt. Eine somatogene Depression hängt mit einer körperlichen Störung zusammen, wie beispielsweise nach einer schweren Krankheit oder Hirnverletzung. In christlichen Kreisen spricht man auch von einer vierten Form, der okkulten Depression.

Kunstgriff der Seele

Oft liegt einer Depression ein Fehlverhalten, ein unbewusst trainiertes Verhaltensmuster zugrunde, eine Fehleinschätzung. Statt das Verhaltensmuster zu verändern, schützt sich die Seele mit einem Kunstgriff: Der Betroffene erkrankt und drückt sich unbewusst vor Entscheidungen, vor Verantwortung, entzieht sich Konflikten oder schützt sich vor Liebes- und Prestigeverlust. Damit belügt er sich selber. Bei einer Behandlung muss erst die Psyche des Erkrankten medikamentös stabilisiert werden, bevor man den Ursachen auf den Grund geht. Angehörige sollen Depressive liebevoll begleiten und ermutigen, denn «Mut tut gut». «Die Pillen brechen das Gefängnis auf, die Seelsorge führt zum Licht» sagte Spadin und verwies auf den Psalm 34,18–20, in dem Gott den Verzweifelten Mut zuspricht. Die Frauen des Trachtenvereins Mauren waren für das Frühstück verantwortlich. Monika Hess, Grabs, umrahmte die Veranstaltung auf dem Flügel musikalisch mit rassigen Melodien als Gegengewicht zum ernsten Thema.