Den Humor und die Tradition vereint

Mit dem aktuellen Programm «Narregmend» treffen Langenegger, Alder und Stieger einmal mehr ins Schwarze. Der Auftritt im Obertoggenburg wurde durch eine Einlage des Churfirstenchörli bereichert.

Adi Lippuner
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Begeisterten das Publikum in höchstem Mass: Philipp Langenegger, Werner Alder und Maya Stieger (von links) mit ihrer Hommage an Alfred Tobler, ihrem aktuellen Stück «Narregmend». (Bild: Adi Lippuner)

Begeisterten das Publikum in höchstem Mass: Philipp Langenegger, Werner Alder und Maya Stieger (von links) mit ihrer Hommage an Alfred Tobler, ihrem aktuellen Stück «Narregmend». (Bild: Adi Lippuner)

ALT ST. JOHANN. «Es bitzli zöösle und breesele» gehören bei Philipp Langenegger, Werner Alder und Maya Stieger immer dazu. Im aktuellen Stück «Narregmend», einer Hommage an den «Appenzeller Sängervater» Alfred Tobler, wird dies, gepaart mit Wortwitz und ausdrucksstarker Mimik und Gestik, gepflegt.

Vom Bär zum Landammann

So kamen am Samstagabend in der Propstei Alt St. Johann. Freunde des Appenzeller Humors und als kleine Überraschung auch der Toggenburger Kultur voll auf ihre Rechnung. Die Mitglieder des Churfirstenchörli sorgten mit einer Kurzdarbietung für «Hühnerhautfeeling». Bereits der Auftritt der Truppe ist eine Überraschung: Werner Alder, für diesmal in der Rolle des «Chälbli Franz» und des Kirchenpflegers, führt einen Bär in den Saal. Dass dies, ganz à la «Narregmend» nicht ohne Spektakel vor sich geht, liegt auf der Hand. Trotz Seil und Kette, der Bär wirkt bedrohlich. Untermalt wird die Szene durch Musik, gespielt von Maya Stieger. Im aktuellen Stück in der Rolle der «Schloodere Seephee».

Dann der theatralische Auftritt von Philipp Langenegger als Landammann und Zungenakrobat. Wenn er Wortkombinationen bildet bleibt, kaum Zeit, um diese zu speichern. Kommt dazu, dass jeder Satz von unverwechselbarer Gesichtsausdrücken und eindringlichen Blicken aus tiefblauen Augen begleitet wird. Der Begriff «Narregmend» geht auf die Aufzeichnungen von Alfred Tobler (1845–1923), auch bekannt als «Appenzeller Sängervater», zurück. Dank seines reichen Schaffens als Sänger, Sammler, Forscher, Kunsthistoriker, bodenständiger Heimatmensch, Witze- und Liedersammler wurde ihm 1914 von der Universität Zürich der Ehrendoktortitel verliehen.

Reiche Sprache

Doch der Reihe nach: Was ist eigentlich eine «Narregmend»? Dabei handelt es sich um den Begriff Narrengemeinde. Diese fanden jeweils am Tag nach der ordentlichen Landsgemeinde statt. Doch zurück zur Narrengemeinde: Die sarkastisch-grotesken Aufzeichnungen eines nachgeäfften Rathes gehen bis ins Jahr 1750 zurück. Festgehalten ist auch, dass bereits am 1. April 1680 ein erstes Verbot für die Durchführung von Narrengemeinden ausgesprochen wurde.

Die Texte von Alfred Tobler werden von der Truppe neu belebt. Garant für den Erfolg ist der leidenschaftliche Erzähler und Schauspieler Philipp Langenegger aus Urnäsch – übrigens Appenzeller des Jahres 2013. Ihm zur Seite steht der passionierte Hackbrettbauer, Musiker und Tüftler Werner Alder. Mit Maya Stieger ist eine Frau auf der Bühne, welche die Appenzeller Musik und Kultur lebt.

Auch beim vierten Streich – nach «Vo Ärbet, Gsang ond Liebi», «E Hammpfle Originaal», «Sonnesitis ond schattehalb» – nun eben mit «Narregmend» das aktuelle Stück. Die drei begnadeten Schauspieler und Musiker pflegen den Reichtum der Appenzeller Sprache. Was immer sich Philipp Langenegger, Werner Alder und Maya Stieger für ihren Auftritt einfallen lassen, das Publikum kann den Alltag für ein paar Stunden vergessen.