Dem Fachkräftemangel begegnen

Der Bericht der Regierung «Stärkung der MINT-Kompetenzen» befasst sich mit dem Mangel an Fachkräften im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT).

Hans Jakob Reich
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Diego Forrer Kantonsrat (CVP, Grabs)

Diego Forrer Kantonsrat (CVP, Grabs)

ST. GALLEN. Der Kantonsrat hat gestern vom Bericht «Stärkung der MINT-Kompetenzen» Kenntnis genommen. Die Regierung kommt darin zum Schluss, St. Gallen sei mit den getroffenen und angestrebten Massnahmen «gut auf Kurs». Im Kanton St. Gallen würden seit 2008 konkrete Massnahmen zur Förderung der Kompetenzen und zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) ergriffen und ausgebaut. Werdenberger und Obertoggenburger Kantonsräte haben wir gefragt, welchen primären Handlungsbedarf sie aus dem Bericht ableiten und was ihrer Meinung nach zu tun ist.

Tolle Angebote geschaffen

Diego Forrer: Die CVP-Fraktion hat unter meiner Federführung im Jahr 2012 das Postulat «Stärkung der MINT-Kompetenzen» eingereicht. Der nun vorliegende Bericht zeigt verschiedene Massnahmen auf, wie dem Mangel von Fachpersonen in technischen Berufen entgegengetreten werden soll. Als Beispiel dazu steht die Einführung des Lehrplanes 21 in der Volksschule. Hier sollen die technischen Fächer wie Physik, Chemie und Informatik usw. kompetenzorientiert und anwendungsbezogen unterrichtet werden. Auch gibt es viele Schulen und Institutionen, welche bereits tolle Angebote geschaffen haben und die Kinder zum Tüfteln und Probieren anregen. Den Kindern wird so auf spielerische Art eine Affinität zur Technik vermittelt. Auch werden an den Kantonsschulen eigene Programme gefahren und die künftigen Lehrpersonen werden an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) speziell in den MINT-Fächern geschult.

Wichtige Rolle der Lehrkräfte

Daniel Gut: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind gerade für die starke Industrie bei uns im Alpenrheintal zentral. Die Frage, wie diese Kompetenzen konkret gefördert werden können, ist wichtig – wir brauchen viel mehr gut ausgebildete Fachkräfte für die Industrie. Für mich spielen dabei die Lehrkräfte auf allen Stufen eine bedeutende Rolle. Sie prägen den Unterricht und können die Kinder begeistern. Darum begrüsse ich die Initiativen an der PHSG im Rahmen der Lehrerausbildung. Wichtig ist der Beitrag des Lehrplans 21, der diesen Fächern in der Schule mehr Raum geben wird. Initiativen, um Freude an Technik und Naturwissenschaften zu wecken, finde ich gut.

Einige Beispiele: Der Direktor des EW Buchs begeistert jährlich alle Fünftklässler in Buchs mit seinen Übungen zum praktischen Zugang zur Elektrizität, wo alle Sinne der Kinder angesprochen werden. Im Brütwerk der Scuola Vivante können Kinder technisch basteln und so ihre Interessen entdecken. «Lehre statt Leere» des AGV Sarganserland-Werdenberg oder die FITNA-Techniktage unterstützen die vielen guten Ansätze in Schule und Berufsbildung ebenfalls. Die Attraktivität der Berufsbildung gerade im technischen Bereich wird sicher durch die Möglichkeiten des HF-Abschlusses und dessen internationale Anerkennung oder durch die Verbesserung des Angebots an den Fachhochschulen in der Ostschweiz gefördert.

Förderung noch verstärken

Kilian Looser: Qualifizierte Arbeitskräfte sind der Motor für Innovationen, Wettbewerb und Wachstum der Schweizer Volkswirtschaft. Für den Kanton St. Gallen, den nach Basel am meisten industrialisierten Kanton der Schweiz, ist dies sehr entscheidend. Mit ihrer Kreativität bei der Suche nach immer neuen oder verbesserten technischen Lösungen tragen insbesondere Ingenieure/-innen und Naturwissenschafter/-innen massgeblich zur Innovationskraft des Werkplatzes Schweiz bei. Die MINT-Förderung beginnt aus meiner Sicht bereits im Vorschul- und Primarschulalter. Im Kanton St. Gallen haben die MINT-Schwerpunkte den Ruf, strenger zu sein als die andern Schwerpunkte, allenfalls mit Ausnahme von Latein. Diesen Ruf zu ändern, ist eine grosse Aufgabe.

An mehreren Stellen im Bericht wird darauf hingewiesen, dass an den Mittelschulen eine Aufstockung der MINT-Lektionen stattgefunden hat. Dies trifft wohl zu. Die Bestrebungen laufen aus meiner Sicht immer noch zu stark auf eine Versprachlichung hin. Ob dies der richtige Weg ist, bleibt offen. Aus meiner Sicht müssen die Anstrengungen zur MINT-Förderung noch verstärkt werden. Wie eingangs erwähnt, zeichnet sich die Schweizer Volkswirtschaft vor allem durch qualifizierte Arbeitskräfte aus.

Immer noch zu wenig weit

Mirco Rossi: Im Jahr 2012 forderte der Kantonsrat die Regierung auf, dass sie in einem Bericht aufzeigt, wie dem Mangel an Ingenieurinnen und Ingenieuren und allgemein an Fachpersonen im Bereich der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) entgegengewirkt werden kann. Der Bericht der Regierung zeigt auf, dass bereits sehr viel im Bereich der MINT-Fächer unternommen wird. So werden an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen verschiedene Programme in den Bereichen der Forschung, Dienstleistung und Lehrerbildung angeboten. Weiter werden zusätzliche Studiengänge an den Fachhochschulen eingeführt.

Als technikliebendem Menschen gehen mir die Massnahmen leider immer noch zu wenig weit. Aus meiner persönlichen Sicht könnten im Bereich der Volksschule mehr Lektionen im Unterricht für MINT-Fächer eingesetzt werden. So könnten zugunsten der MINT-Fächer zum Beispiel Fremdsprach- oder Religionslektionen genutzt werden.

Mirco Rossi Kantonsrat (SVP, Sevelen)

Mirco Rossi Kantonsrat (SVP, Sevelen)

Kilian Looser Kantonsrat (FDP, Stein)

Kilian Looser Kantonsrat (FDP, Stein)

Daniel Gut Kantonsrat (SP, Buchs)

Daniel Gut Kantonsrat (SP, Buchs)