«Defibrillator allein nützt nichts»

Über 50 Defibrillatoren gibt es im Werdenberg und obersten Toggenburg. In Sevelen gibt es zwei, die 24 Stunden am Tag für alle zugänglich sind. Ohne Herzmassage nützen die Geräte jedoch nichts.

Alexandra Gächter
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Annemarie Ammann, Pflegedienstleiterin des Altersheims Gärbi in Sevelen, ist eine von zwei Mitarbeiterinnen, die den Defibrillator korrekt bedienen kann. (Bild: Alexandra Gächter)

Annemarie Ammann, Pflegedienstleiterin des Altersheims Gärbi in Sevelen, ist eine von zwei Mitarbeiterinnen, die den Defibrillator korrekt bedienen kann. (Bild: Alexandra Gächter)

Das EW in Sevelen soll demnächst mit einem Defibrillator ausgestattet werden. Eine entsprechende Offerte für knapp 3000 Franken ist bei der Gemeinde eingegangen, wie Alex Schwendener, Leiter der Infrastruktur, sagt. Es ist der 14 Defibrillator in Sevelen. In vier Industriebetrieben und zwei Arztpraxen gibt es ein solches Wiederbelebungsgerät. Auch besitzt der örtliche Samariterverein eines. Zusätzlich hat die Gemeinde Sevelen in vergangener Zeit sechs solche Geräte in Absprache mit der Spitex, der Feuerwehr, dem Altersheim und dem Samariterverein angeschafft und bezahlt. Dies schrieb der Seveler Gemeinderat kürzlich in seiner Information.

Vier dieser sechs Defibrillatoren sind nicht immer zugänglich. Sie sind im Gemeindesaal, im Ransertreff sowie in der Schule Gadretsch und Galstramm stationiert. Die Geräte können während der Öffnungszeiten der jeweiligen Räume entnommen werden.

Zwei sind für alle während 24 Stunden am Tag zugänglich. Sie sind im Altersheim Gärbi, beim Haupteingang und beim Toldo-Bürogebäude stationiert. Das Altersheim ist immer offen, und bei der Firma Toldo wurde der Defibrillator aussen am Gebäude angebracht.

52 Geräte im Werdenberg

In der Region Werdenberg gibt es gemäss der Ärztevereinigung Werdenberg/Sargans 52 Defibrillatoren. Am meisten Geräte hat es in Buchs (20), gefolgt von Sevelen (13), Grabs (8), Sennwald (5), Wartau (4) und Gams (2). Fast immer sind die Defibrillatoren in Arztpraxen, bei Samaritervereinen, der Feuerwehr, in grösseren Firmen, Schulen, Frei- und Hallenbädern sowie in Fitnesszentren. Ausserdem sind die Rathäuser Buchs und Sennwald mit je einem Gerät ausgestattet. Ebenso gibt es eines im Haag-Center und in der Migros Buchs. In Wildhaus wurde der Defibrillator am Alten Postgebäude angebracht und ist für alle zu jeder Zeit verfügbar (vgl. Titelseite). Ein weiterer Defibrillator gibt es bei der Tennishalle in Unterwasser.

Herzmassage ist Voraussetzung

Claudia Bachmann ist Präsidentin des Seveler Samaritervereins, der am 3. und 10. November ab 18.30 Uhr einen Reanimationskurs mit Defibrillator anbietet. «Im Notfall hilft der Defibrillator allein nichts. Voraussetzung ist, dass man weiss, wie man eine Herz-Lungen-Massage durchführt. Deshalb werde das im Kurs ebenfalls geübt», sagt Bachmann.

Bei einem Notfall müsse man zuerst beatmen oder allenfalls nur die Herz-Lungenmassage durchführen. Dann soll man den Defibrillator anhängen. «Das Gerät gibt Anweisungen, wie man vorgehen muss. Der Defibrillator entscheidet, ob er Strom abgibt und teilt dem Anwender mit, ob er die Herzmassage weiterführen soll.»

Gemäss Alex Schwendener müssen in Sevelen Lehrpersonen, Mitarbeiter des Werkhofes und Hauswarte der Liegenschaften mit einem Defibrillator einen entsprechenden Kurs besuchen.

Sekunden können entscheidend sein

Kursleiterin Andrea Knaus vom Samariterverein Alt St. Johann weiss: «In der Bevölkerung besteht eine grosse Hemmschwelle, einen Defibrillator zu bedienen. Viele haben Angst, etwas falsch zu machen. Dabei ist nicht helfen falsch.»

Doch was soll ein Ungeübter tun, wenn er eine Person reanimieren muss? «Die Telefonnummer der Rettung auf jeden Fall auswendig kennen», sagt Claudia Bachmann. Da Sekunden über Leben und Tod entscheiden können, genügt es nicht, untätig auf den Rettungsdienst zu warten. Sofortige Nothilfe ist zusätzlich erforderlich. «Wer dies nicht kann, soll umliegende Personen zu Hilfe rufen. Und dann ist zu hoffen, dass eine dieser Personen reanimieren kann», sagt Bachmann.