Declutting – Entrümpeln – «Usmischta»

Wie bitte, was sind Sie von Beruf?» Ich meinte, mich auf ihre Vorstellung hin verhört zu haben, aber sie wiederholt: «Ich arbeite als Declutterin; ich überlege mit meinen Kunden und Kundinnen zusammen, was sie wirklich für ihr Leben brauchen und was nicht, und wir entscheiden dann zusammen, wie

Marlies Schmidt-Aebi, Pfarrerin, Haag
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Wie bitte, was sind Sie von Beruf?» Ich meinte, mich auf ihre Vorstellung hin verhört zu haben, aber sie wiederholt: «Ich arbeite als Declutterin; ich überlege mit meinen Kunden und Kundinnen zusammen, was sie wirklich für ihr Leben brauchen und was nicht, und wir entscheiden dann zusammen, wie er oder sie sein oder ihr Haus oder die Wohnung neu einrichten könnte. Ich helfe den Menschen bei der Wahl, von welchen Dingen sie sich lösen können, was als Ballast über Bord, sprich in den Abfall geworfen werden kann.»

Im neuen Fastenkalender 2014 steht, dass Herr und Frau Schweizer durchschnittlich 10 000 Dinge besitzen von der Stecknadel bis zum Auto, und darüber steht die Frage: Was brauchen wir zum Leben? Eine Declutterin, eine professionelle Ausmisterin, hilft nur in materieller Hinsicht: Zum Beispiel entsorgt sie auch Kleider, die das Haltbarkeitsdatum schon längst überschritten haben! Das ist ohne Frage eine wichtige Aufgabe, aber die Fastenzeit, in der wir uns gerade laut kirchlichem Kalender befinden, setzt da noch eins oben drauf: Ihr geht es darum, dass jeder und jede bei sich selber schaut, was er oder sie an unnötigem Ballast mit sich herumschleppt; es ist Zeit für die Frage: Was brauche ich eigentlich zum Glücklichsein?

Es ist Zeit, über die Bücher zu gehen, Bilanz zu ziehen und sich vielleicht sogar neu einzuspuren. Es ist Zeit, mich selber in die Mitte zu nehmen! Nicht als egoistische Selbstdarstellung, sondern als dringend notwendige Lebensaufgabe! Das Auto gibt man regelmässig in den Service. Und sich selbst? So geht es in der Fastenzeit nicht nur um den halbleeren Magen, sondern um wesentlich mehr:

Fasten ist anders:

Sich lösen aus eingefahrenen Wegen,

aus der Eintönigkeit des Immergleichen,

Abstand nehmen von eingeschliffenen Fehlern.

Fasten heisst auch:

Nicht alles an den eigenen Bedürfnissen messen,

mit Herz und Verstand des anderen denken und fühlen,

die Diktatur des Habens durchbrechen,

frei werden vom Ballast des Konsums…

Herr, lass mich in diesen Wochen mehr zu mir selbst und näher zu dir finden…

(gekürzt: Meditation nach

P. Franz Vaith)