Das Ziel ist ein Nachlassvertrag

Auch nach dem Verkauf von Teilen der Kelag-Gruppe an vier Investoren läuft die Nachlassstundung weiter. Wie ein solches Verfahren abläuft, erläutert Kreisgerichtspräsidentin Regula Widrig Sax.

Hanspeter Thurnherr
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Wohin geht die Reise im Nachlassverfahren der Kelag-Gruppe? (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Wohin geht die Reise im Nachlassverfahren der Kelag-Gruppe? (Bild: Hanspeter Thurnherr)

SENNWALD. Am 24. Oktober wurde der Kelag-Gruppe die provisorische Nachlassstundung bewilligt. Wie Regula Widrig Sax, Präsidentin des Kreisgerichts Werdenberg-Sarganserland, erklärt, muss innert vier Monaten ab diesem Datum darüber entschieden werden, ob die Stundung definitiv gewährt wird.

Weitere Schulden vermeiden

Falls Aussichten auf eine Sanierung oder auf das Zustandekommen eines Nachlassvertrages bestehen, ist die Nachlassstundung definitiv für 4 bis 6 Monate zu bewilligen. «Diese Frist kann auf Antrag des Sachwalters auf 12 bis maximal 24 Monate verlängert werden. Dies gibt mehr Zeit für nötige Sanierungsmassnahmen oder den Abschluss eines Nachlassvertrags», sagt Regula Widrig. In der ersten Phase der provisorischen Stundung verschafft sich der vom Gericht eingesetzte Sachwalter einen Überblick über die Situation der Firma und er prüft die Aussicht auf Sanierung oder den Abschluss eines Nachlassvertrags. «Während der Nachlassstundung laufen die Betriebskosten der Firma weiter. Also muss geklärt werden, ob die Einnahmen genug hoch sind, um den Betrieb aufrechtzuerhalten, ohne dass sich die finanzielle Lage der Firma massgeblich verschärft», sagt die Gerichtspräsidentin. Auf keinen Fall dürfe die Verschuldung weiter ansteigen, sonst müsse der Sachwalter handeln.

Mehr Einnahmen oder Konkurs

Während der Stundung steht die Geschäftstätigkeit der Nachlassschuldnerin unter der Aufsicht des Sachwalters. «Zeigt sich, dass keine Aussicht auf Sanierung oder den Abschluss eines Nachlassvertrages besteht, oder kann das schuldnerische Vermögen nicht erhalten werden, so muss der Sachwalter den Konkurs beantragen», sagt Widrig.

Die Konkurseröffnung kann unter Umständen mit dem Verkauf des ganzen Unternehmens oder mit Teilen davon verhindert werden. Damit fliessen der Nachlassschuldnerin flüssige Mittel zu, die im späteren Liquidationsverfahren zur Tilgung bestehender Forderungen dienen. Werden dabei Teile des Anlagevermögens verkauft, braucht es die Ermächtigung des Nachlassgerichts. Wenn die Nachlassstundung definitiv bewilligt ist, veranlasst der Sachwalter den Schuldenruf, das heisst die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Forderungen einzureichen.

Dann wird versucht, einen Nachlassvertrag auszuhandeln. Die Bestätigung dieses Vertrages ist an Voraussetzungen geknüpft. Unter anderem müssen diesem entweder die Mehrheit der Gläubiger, die mindestens zwei Drittel der Forderungen vertreten, oder ein Viertel der Gläubiger, die mindestens drei Viertel der Forderungen vertreten, zustimmen.

«Im Interesse der Gläubiger»

«Man hat rasch gesehen, dass die Firma zu viel Geld verbrennt. Je länger man also zugewartet hätte, um so weniger Geld hätte man beim Verkauf bekommen. Eines Tages wäre nur noch der Konkurs geblieben», sagt Martin Fricker, Mediensprecher der Kelag. Ein Konkurs sei aber schlecht für Mitarbeitende, Gläubiger und Lieferanten. Die Investoren hätten gesehen, dass in einigen Teilbereichen der Kelag durchaus Potenzial vorhanden sei. Zudem wäre bei einem Konkurs wohl auch viel Know-how verlorengegangen. «Diese Lösung ist also im Interesse aller Gläubiger», schliesst Fricker.