Das Windrad kommt angeflogen

Am Dienstag und Mittwoch wurden die Bestandteile der Windturbine auf Gamplüt mit Helikoptern eingeflogen. Die Turbine konnte wie vorgesehen montiert werden. Die Flügel der Windturbine drehten in die falsche Richtung.

Martin Knoepfel
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In einem weiteren Flug bringt der Kamow-Helikopter das Drehteil mit der Elektronik. (Bilder: Martin Knoepfel)

In einem weiteren Flug bringt der Kamow-Helikopter das Drehteil mit der Elektronik. (Bilder: Martin Knoepfel)

WILDHAUS. Der Wind peitscht den Zuschauern Eiskristalle auf die Wangen. Glücklich, wer den Fotoapparat vors Gesicht halten kann. Um nicht rücklings im Schnee zu landen, muss man wie ein Skifahrer in die Hocke gehen oder den Ausfallschritt machen, wie das Skispringer tun sollten. Der Kamow-Helikopter der Heliswiss erzeugt mit seinen beiden 2190-PS-Turbinen einen gewaltigen Abwind. Etwa drei Dutzend Wanderer und Schneeschuhgänger auf der Anhöhe beim Restaurant lassen sich das Spektakel auf Gamplüt nicht entgehen.

Am Dienstag und gestern waren der leistungsstärkste Helikopter Europas im Obertoggenburg zu sehen. Der Grund ist der Bau einer Windturbine auf Gamplüt. Der «Kamow» und ein kleinerer Bruder fliegen die Bestandteile der Anlage von Wildhaus hinauf zur Bergstation der Gamplüt-Bahn. Der Mast für die Turbine steht angelehnt an die Bergstation der Bahn. Aus dem Betondach hat man zuvor ein Segment ausgeschnitten.

Hersteller der Windturbine ist die Wepfer Technics in Andelfingen ZH. Inhaber ist Hans Wepfer. Bei der Windturbine auf Gamplüt handelt es sich gemäss Wepfer um eine Pilotanlage in der Schweiz und um eine völlig neue Konstruktion. Sie soll bei schwachem Luftzug – aber auch bei Böen oder Stürmen – Strom erzeugen können.

Präzisionsarbeit des Piloten

Mit Verspätung geht es am Dienstag kurz nach 15 Uhr los. Der kleinere Helikopter bringt Werkzeuge. Um 15.25 Uhr tritt der «Kamow» erstmals in Aktion, am Lasthaken ein Holzgestell mit den sechs Rotorblättern. Sachte setzt sie der Pilot ab und fliegt ohne zu landen wieder ins Tal.

Zehn Minuten später kehrt der «Kamow» zurück. Diesmal ist die Last der rund 3,5 Tonnen schwere Turmsockel, ein gut mannshohes stählernes Rohr. Der Helikopter schwebt über der Bergstation und die Mitarbeiter der Heliswiss plazieren den Sockel mit vereinten Kräften auf dem Fundament. Kurz vor 16 Uhr sieht man den «Kamow» wieder, mit dem Drehteil und einem Schaltschrank mit der Elektronik am Haken. Der Drehteil erlaubt es der Turbine, sich nach dem Wind auszurichten. Der Pilot lässt die Ladung sorgfältig in den Turmsockel gleiten, während der «Kamow» im Schwebeflug verharrt. Es klappt reibungslos.

Drehrichtung stimmt nicht

Eigentlich sollten alle Teile der Windturbine am Dienstag nach Gamplüt gebracht werden, doch der Transport des Drehrings ist der letzte Flug des Tages. Aus Gewichtsgründen und da Helikopter bei tiefen Temperaturen mehr Last tragen können als bei hohen, geht es am Mittwochmorgen weiter. Nach Auskunft von Hans Wepfer klappen die Transporte und die Bestandteile der Windturbine werden montiert.

Montiert wird der erste Flügel – und dann folgt die Ernüchterung. Das Rotorblatt dreht sich in der falschen Richtung. «Die Turbine würde wunderbar laufen, wenn sie sich nach rechts drehte. Ein Riesenbock des Lieferanten», ärgert sich Hans Wepfer. Das Rotorblatt wird abmontiert. Nun probiert Hans Wepfer, ob man den Mangel mit der Steuerung kompensieren kann. Wenn nicht, müssen neue Rotorblätter gefertigt werden, was einige Woche dauern könnte.

Nachdem das Material vorgestern und gestern morgen auf Gamplüt geflogen wurde, konnte die Windturbine gestern bereits teilweise aufgebaut werden. (Bild: Heinz Schluep)

Nachdem das Material vorgestern und gestern morgen auf Gamplüt geflogen wurde, konnte die Windturbine gestern bereits teilweise aufgebaut werden. (Bild: Heinz Schluep)

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