Das Wahlkarussell nimmt Fahrt auf

Finanzchef Martin Gehrer kehrt der Politik den Rücken. Damit verändert sich die Ausgangslage für die nächsten St. Galler Regierungswahlen – für die anderen Parteien, aber auch für mögliche Aspiranten in der CVP.

Regula Weik
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KANTON ST. GALLEN/RÜTHI. Das Kandidatenkarussell der St. Galler CVP dürfte sich in den nächsten Wochen und Monaten wacker drehen. Im Herbst muss die Partei den Nationalratssitz von Lucrezia Meier-Schatz verteidigen, gleichzeitig will sie den vor vier Jahren an die SP verlorenen Ständeratssitz zurückerobern. Wenige Monate später stehen die St. Galler Regierungswahlen ins Haus – seit gestern ebenfalls kein bequemer Wiederwahl-Spaziergang mehr.

Auch wenn sich die andern Parteien heute noch bedeckt geben: Ihre Gelüste auf den freien Sitz werden aufflammen – früher oder später. Und auch in den Köpfen einiger Parteimitglieder dürfte seit gestern ein neuer Gedanke kreisen.

Die möglichen Interessenten

Bereits auf einen Mehrfach-Wahlkampf eingestellt hat sich Thomas Ammann. Die CVP schickt den Rüthner Gemeindepräsidenten ins National- und Ständeratsrennen. Sollte Ammann der Sprung nach Bern nicht gelingen, dürfte er nicht abgeneigt sein, zum Sprung in die Pfalz anzusetzen.

Die CVP hat – mit Blick auf den Wahlherbst – Frauenförderung als ihr besonderes Anliegen postuliert. Auf dem Kandidaten-Ticket für Bern steht denn auch der Name einer jungen Frau, die vermehrt als Sprecherin im Kantonsparlament auftritt und auch in der Finanzkommission sitzt: jener der Rapperswilerin Yvonne Suter. Ob parteiintern zwei Regierungsmitglieder aus dem Linthgebiet genehm wären? Dasselbe Handicap hat Erich Zoller – und dies, obwohl sich das Stadtpräsidium von Rapperswil-Jona bislang als gutes Sprungbrett in die Regierung erwiesen hat.

Apropos Sprungbrett: Martin Gehrer wechselte vom Job als Staatssekretär in die Regierung; sein Nachfolger Canisius Braun trägt das «richtige» Parteiblatt. Und von wegen Frauenförderung: In der CVP finden sich auch Frauen mit Exekutiverfahrung, so die Wiler Stadtpräsidentin Susanne Hartmann oder die Degersheimer Gemeindepräsidentin Monika Scherrer. Zwei Stadtsanktgaller, die beide darüber hinaus bekannt sind, sind Olma-Direktor Nicolo Paganini, aktuell CVP-Nationalratskandidat, und Stadtrat Nino Cozzio, ein Jahrgänger von Gehrer.

Parteien: Zu früh für Aussagen

Auf den freiwerdenden Sitz dürfte allen voran die SVP spienzeln. Parteipräsident Herbert Huser sagt nur so viel: «Als wählerstärkste Partei wird die SVP ihren Beitrag leisten, um die bürgerliche Präsenz in der Regierung zu stärken.» SP-Präsidentin Monika Simmler glaubt nicht, dass sich die parteipolitische Zusammensetzung der Regierung verändern wird. Und weiter: «Wir gehen davon aus, dass mit den bisherigen Heidi Hanselmann und Fredy Fässler die zwei SP-Sitze sicher sind und nicht attackiert werden.»

Überrascht von Gehrers Rücktrittsankündigung ist FDP-Präsident Marc Mächler. Auch vom «sehr frühen» Zeitpunkt. Schon länger spekuliert wird über den Abgang von Bauchef Willi Haag. «Er ist bis Ende der Amtsdauer gewählt», sagt Mächler lediglich. Die Freisinnigen dürften kaum einen dritten Sitz anstreben; ihr Ziel wird die Verteidigung ihres freien Sitzes sein – so es denn so weit kommt. Kein Thema ist ein Regierungssitz derzeit für die BDP. Die Grünliberalen wollen dann Anspruch erheben, wenn sie «einen guten Kandidaten» ins Rennen schicken können.

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