«Das sind alles Hampelmänner»

OBERRIET. Im Wahlkreis Rheintal sind die Bergmassive nicht mehr derart eindrucksvoll, aber nicht weniger schön. Der Schnee ist farbenfrohen Wäldern und saftgrünen Wiesen gewichen. Auf dem Papier ist Oberriet mit seinen über 8500 Einwohnern die SVP-Hochburg im Kanton St. Gallen.

Samuel Koch
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Blick über Oberriet und den Rhein nach Österreich. (Bild: Max Tinner)

Blick über Oberriet und den Rhein nach Österreich. (Bild: Max Tinner)

OBERRIET. Im Wahlkreis Rheintal sind die Bergmassive nicht mehr derart eindrucksvoll, aber nicht weniger schön. Der Schnee ist farbenfrohen Wäldern und saftgrünen Wiesen gewichen. Auf dem Papier ist Oberriet mit seinen über 8500 Einwohnern die SVP-Hochburg im Kanton St. Gallen. Mehr als die Hälfte der Stimmbürger legten bei den nationalen Wahlen für die Schweizerische Volkspartei ein.

«Für meinen Neffen gestimmt»

Eine Zufallsbegegnung auf der Strasse mit dem Onkel von SVP-Nationalrat Roland Rino Büchel. «Oberriet war früher eine CVP-Hochburg», sagt Ernst Büchel, alt Kantonsrat. Dass er seinen Neffen gewählt hat, ist für ihn «eine Selbstverständlichkeit. Das hat überhaupt nichts mit der SVP zu tun», sagt er. Für Büchel dürfte die Politik in Oberriet «ruhig ausgeglichener und etwas liberaler sein».

Auch der Oberrieter Kurt Gächter hat für die SVP gestimmt. Nicht wegen Büchel, «sondern weil die Schweizerische Volkspartei die einzige Partei ist, die etwas gegen die Ausländerproblematik macht».

Die Angst vor Konsequenzen

Oberrieter haben harte Köpfe. So viel Offenheit begegnet man nicht überall – viele wollen nicht reden, geben sich zugeknöpft. «Wen ich wähle, geht niemanden etwas an», sagt einer. Ein anderer: «Zum Glück ist die Stimmabgabe anonym.» Diese Geheimniskrämerei hat einen Grund. «Das schadet meinem Betrieb», sagen gleich mehrere. Heutzutage könne man seine Meinung nicht mehr ohne Angst kundtun. Das sei bedenklich.

Die Wahl versäumt

30 Meter weiter – eine Mutter und ihre drei Kinder eilen über einen Fussgängerstreifen. Die Frau gibt zu, dass sie die Wahl versäumt hat. «Die im Parlament sind doch sowieso alles Hampelmänner!», sagt sie. Ihre Kinder kichern und eines, ein blondes Mädchen mit «Chruseli», plappert lachend nach: «Hampelmänner».