Das offene Geheimnis der CVP

Die Ständeratswahlen werden für die CVP zur Zitterpartie. Mit einem Erfolg von Thomas Ammann rechnen die wenigsten. Für den zweiten Wahlgang wird über eine Kandidatur von Markus Ritter spekuliert.

Andri Rostetter
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In der Politik ist Angreifen manchmal schwieriger als Verteidigen. Das bekommt die St. Galler CVP im aktuellen Ständeratswahlkampf deutlich zu spüren. Der Rüthner Thomas Ammann soll für die CVP den Sitz zurückholen, den die Partei vor vier Jahren an SP-Urgestein Paul Rechsteiner verloren hatte. An einem Erfolg Ammanns wird aber sogar parteiintern gezweifelt. «Wenn es diesmal nicht gelingt, dann gelingt es spätestens 2019», sagte CVP-Präsident Christophe Darbellay kürzlich in einem Interview mit der Ostschweiz am Sonntag. Darbellay machte damit klar, dass er eine Niederlage von Ammann am 18. Oktober für wahrscheinlich hält.

Von der Partei «bearbeitet»

Mit seinen Aussagen hat der CVP-Präsident die Spekulationen um einen allfälligen Rückzug von Thomas Ammann nach dem ersten Wahlgang zusätzlich befeuert. Die zentrale Frage dieser Debatte: Auf wen setzt die Partei, wenn Ammann das Handtuch werfen sollte? In den vergangenen Wochen ist ein Name immer wieder gefallen: Markus Ritter. Der Rheintaler sitzt seit 2011 für die CVP im Nationalrat, seit 2012 ist er zudem Präsident des Schweizerischen Bauernverbands. Im Bundeshaus wollen mehrere Parlamentarier mitbekommen haben, dass Ritter von seiner Partei für den zweiten Wahlgang «bearbeitet» werde.

Ritter für Ammann: Völlig neu wäre diese Konstellation nicht. Bei den Nationalratswahlen 2011 startete Ammann vom zweitbesten Listenplatz aus in die Nationalratswahlen. Überflügelt wurde er dann ausgerechnet von Markus Ritter. Der Altstätter schaffte das Kunststück, mit dem wenig prestigeträchtigen zehnten Listenplatz über 2000 Stimmen mehr auf sich zu vereinen als Ammann. Eine gute Ausgangslage also für die Ständeratswahlen? Ritter winkt ab. Er fühle sich zwar geehrt, dass er als Ständeratskandidat gehandelt werde, an den Gerüchten sei aber nichts dran, sagt er auf Anfrage. «Ich wurde von der Partei nicht gefragt.»

Auf dem falschen Fuss erwischt

Dass sich Ritter nicht offen zu Partei-Interna äussert und Gerüchte dementiert, ist nicht überraschend. Ein klares Bekenntnis zu einer Strategie für den zweiten Wahlgang würde in erster Linie Thomas Ammann schaden – und Ritter im zweiten Wahlgang kaum nützen. Deshalb gibt sich auch die Parteileitung bedeckt. Es gilt aber als offenes Geheimnis, dass sich die CVP bereits jetzt um den zweiten Wahlgang Gedanken machen muss, will sie nicht erneut ein Debakel wie vor vier Jahren erleben. Damals gab CVP-Kandidat Eugen David nach dem ersten Wahlgang überraschend Forfait und erwischte damit seine Partei auf dem falschen Fuss. Mit Ach und Krach fand die CVP für den zweiten Wahlgang den Anwalt und ehemaligen FCSG-Präsidenten Michael Hüppi, ein chancenloser Kandidat.

3000 Stimmen mehr als Hüppi

Zumindest ein gutes Omen für den CVP-Kandidaten: Bei den Nationalratswahlen vor vier Jahren erzielte Ammann immerhin das viertbeste Resultat aller CVP-Kandidaten und rückte damit auf den ersten Ersatzplatz vor. Ammann holte damals übrigens knapp 3000 Stimmen mehr als der nachmalige CVP-Ständeratskandidat Michael Hüppi.