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Das Klatschen beigebracht wie den Sumiswaldern

Im Fabriggli bot Mayvie einen grossartigen Auftritt. Mit dabei waren zwei «grosse» Musiker: Raimund Tschol am Bass, David Jutzi am Schlagzeug.
Pius Bamert
Ein eindrückliches und doch intensives Konzert der ruhigen Art bot die Liederschreiberin Mayvie mit ihren Musikern Raimund Tscholl und David Jutzi. (Bild: Pius Bamert)

Ein eindrückliches und doch intensives Konzert der ruhigen Art bot die Liederschreiberin Mayvie mit ihren Musikern Raimund Tscholl und David Jutzi. (Bild: Pius Bamert)

«Fünf Musiker plus einem Schlagzeuger» stand einmal in einem Musikervertrag aus den 30er-Jahren. Kein Mensch weiss, wer diesen Begriff «Schlagzeug» verbrochen hat.

Dass dieses Instrument nicht «geschlagen» sondern gespielt wird, zeigte Jutzi, der das Konzert solo eröffnete. Mit feinen «Streicheleinheiten», Filzkugeln und auch einmal härter klingenden Holzknöpfen zaubert er Rhythmen, die zum Mitwippen verführen. Raimund Tschol gesellt sich zu ihm. Mit klaren Bassriffs steigt er ins «Geschehen» ein, vor sich am Boden eine Menge Effektpedalen und Knöpfe, die er aber sparsam einsetzt. Effekthascherei ist für ihn ein Fremdwort. Scholl tanzt sich, dauernd in Bewegung, durch die Musik.

«Step by Step» – Schritt für Schritt

Vor über einem Jahrzehnt ist Mayvie – Nadine Nigg, wie sie mit bürgerlichem Namen heisst – aus Liechtenstein ausgezogen. «Ich habe oft meine Wohnungen gewechselt», und das scheint ihr gut getan zu haben. «Step by Step» heisst die erste CD, welche sie aufgenommen hat. «Die Hälfte der Songs gehen bei einer Produktion daneben, dann schreibt man halt einen neuen», sagt sie. Das scheint fast ein Lebensmotto von ihr zu sein. Irgendwann zog es sie nach Bern, sie nahm Gitarren- und Gesangsunterricht, arbeitete an sich an der Swiss Jazz School. In verschiedenen Formation schliff sie an ihrem Spiel, an ihrer Stimme. Im Mai 2009 folgte dann die eigene Formation Mayvie, Eigenkompositionen gewannen nun immer mehr an Wichtigkeit. «Strange – Fremd», heisst ein Song auf ihrer ersten Platte. «Er hat bis heute nicht von seiner Bedeutung verloren», sagt sie.

Eindrücklich ist auch der Song «Treveling Sisters». «Ich habe sehr viele Freundinnen, ein gutes Umfeld. Eine von ihnen «hockt heute dort oben» – ein kurzer Blick ins Publikum. Mayvie singt einen Song von Mada Marshall. Der Mann an der «Küche» schuffelt mit seinen Metallbesen, alles klingt fein, durchsichtig. Alle Songs sind fein gestrickt. Alle irgendwie zwischen Folk und Pop. Es sind Geschichten, Lebensgeschichten, die sie erzählt. Sehr persönlich und nahe, manchmal fast traurig. Dann wieder Geschichten von kleinem Glück.

Ein richtiger Plausch und sympathisch

Nein, der Abend war nicht melancholisch. Viel Witz brachte Jutzi ins Spiel. Er erklärte mit einigen Anmerkungen die etwas speziellen «Eigenartigkeiten» der Menschen im Emmental. «Wir haben den Sumiswaldern das Klatschen beigebracht, versuchen es jetzt hier im Fabriggli», sagt er – steht auf, lässt das Schlagwerk links liegen, klatscht vor. Es funktioniert. Das «Folk» steht auf, schlägt die Hände zusammen, immer korrekt eins auf zwei. Ein richtiger Plausch.

Fazit: Es war ein zu Herzen gehendes Konzert, ein wertvoller Abend. Schlichtes Outfit, null Firlefanz, keine schmuckbehangene Sängerin. Und: Die meisten Musikgruppen ziehen sich in der Pause in die Garderobe zurück. Nicht so Mayvie. Sie und ihre zwei Musiker mischten sich unter die Zuhörer, sprachen und diskutierten mit ihnen und beantworteten Fragen. Ein sympathischer Zug. Der Kommentar von Elsbeth, selbst Musikerin, die aus dem entlegenen Schiers nach Buchs gekommen ist: «Isch mega schö gsi, so geil.»

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