Das Joghurt nur noch aus dem Glas

Plastik ist allgegenwärtig. Als Mikroplastik gelangt es in Lebensmittel und belastet die Menschen sowie die Umwelt. Welche Langzeitfolgen dies hat, zeigt der Wattwiler Andreas Tanner in einem Animationsfilm.

Alexandra Pavlovic
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Szene aus dem Film: Im Magen eines gestrandeten Pottwals fanden Forscher 2012 30 Quadratmeter Plastikplane, viereinhalb Meter Schlauch, neun Meter Kunststoffleine und zwei Blumentöpfe. (Bild: Illustration: Andreas Tanner)

Szene aus dem Film: Im Magen eines gestrandeten Pottwals fanden Forscher 2012 30 Quadratmeter Plastikplane, viereinhalb Meter Schlauch, neun Meter Kunststoffleine und zwei Blumentöpfe. (Bild: Illustration: Andreas Tanner)

WATTWIL. Mit Plastik erstmals intensiver auseinandergesetzt hat sich Andreas Tanner vor vier Jahren nach seinen Sommerferien. «Mir ist am Strand der viele Plastikabfall aufgefallen.» Zu Hause angekommen, fing der gelernte Mediamatiker an zu recherchieren. Er sei erschrocken über die gefundenen Informationen. «Der umweltschädigende Kunststoff ist als Mikroplastik in Lebensmitteln enthalten. Wegen diesem steigt die Krebsrate seit zehn Jahren massiv.» Dass diese Tatsache in der Gesellschaft einfach unter den Teppich gekehrt werde, schockiere ihn. Als er sein Studium an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur vor drei Jahren begann, wusste er: «Meine Abschlussarbeit wird ein Film über Plastik.»

Welche Probleme und Langzeitfolgen durch Plastik und vor allem durch Plastikabfall entstehen, hat der 24jährige Multimedia-Production-Student auf kreative Weise in einem fünfminütigen Animationsfilm verarbeitet. Ab April zeichnete und berechnete Andreas Tanner an seinem Rechner Woche für Woche, neun Stunden täglich, jedes Detail seines Werks «It's a plastic World». «Mir blieben für das Projekt nur 25 Wochen», sagt er. Das sei sehr wenig. Denn: Für eine Filmminute wird ein Monat Produktionszeit benötigt. «Zeit, die ich nicht hatte.» Nachdem er zunächst das Mind-Map erstellt habe, sei das Ganze «wie von selbst» gelaufen. Skribbles, sogenannte schnelle Skizzen, setzte er zum Storyboard zusammen. «Das Storyboard ist sozusagen der Film auf Papier», sagt Tanner.

7000 Einzelbilder

Mit dem Storyboard wagte sich der zeichnerisch Begabte nun an die einzelnen Sequenzen. Nicht mehr auf Papier, sondern grafisch am PC. Für eine Filmsekunde konstruierte er 25 bewegte Bilder in einem speziellen Grafikprogramm. «Für fünf Minuten sind das 7000 Einzelbilder.» Um diese grosse Datenmenge zu verarbeiten, war nicht nur die Leistung seines eigenen Computers, sondern auch die von 200 Hochleistungscomputern nötig. Diese stehen nicht etwa zu Hause in seiner kleinen Wohnung, er durfte sie beim ehemaligen Stuttgarter Arbeitgeber unexpected in Anspruch nehmen. Der schwierigste Teil seines Films war damit vollendet. Es galt nur noch, die Szenen zu vertonen. Der Perfektionist überliess auch hier nichts dem Zufall, er engagierte je einen deutschen und einen englischen Synchronsprecher. «Damit ich den Film auf Deutsch sowie Englisch zeigen kann.»

70 000 Klicks innert 24 Stunden

Seit seinem Film hat sich Andreas Tanners Einstellung gegenüber Plastik stark verändert. «Ich lebe heute umweltbewusster.» Den Joghurt kaufe er nur noch im Glas, statt Plastikbeutel verwende er Stoffbeutel. «Ich hoffe, beim Konsumenten sowie Lieferanten ein ähnliches Umdenken auszulösen, denn ich will die Leute sensibilisieren.» Damit er möglichst viele erreicht, streut der Wattwiler sein Video über mediale Kanäle, arbeitet eng mit Umweltorganisationen wie Greenpeace oder OceanCare zusammen.

Seine Idee hat Erfolg: Auf der Video-Plattform Vimeo hat sein Animationsfilm innerhalb eines Tages über 70 000 Klicks generiert. Andreas Tanner freut sich: «Das Plastik und seine Folgen sind doch ein Thema.»

www.itsaplasticworld.com

Der 24jährige Wattwiler Andreas Tanner hat 1000 Arbeitsstunden in seinen Animationsfilm «It's a plastic world» investiert. (Bild: Urs Jaudas)

Der 24jährige Wattwiler Andreas Tanner hat 1000 Arbeitsstunden in seinen Animationsfilm «It's a plastic world» investiert. (Bild: Urs Jaudas)

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