Das Jahrbuch auf dem Prüfstand

Im Zentrum der Mitgliederversammlung der Historisch-Heimatkundlichen Vereinigung der Region Werdenberg (HHVW) stand das Jahrbuch. Vorstand und Redaktion sind sich über das weitere Vorgehen uneinig. Fest steht: Die Nummern 30 und 31 erscheinen wie gewohnt.

Adi Lippuner
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SAX. Im Rittersaal des Gasthauses Schlössli Sax ging es am Donnerstagabend zeitweise turbulent zu und her. Die Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand und der Redaktion des Werdenberger Jahrbuchs – es geht dabei vor allem um die Kosten, den Umfang, die sinkenden Verkaufszahlen und das daraus resultierende Defizit – wurde mit harten Bandagen geführt. Während sich der Vorstand mit Präsidentin Susanne Keller-Giger an der Spitze auf den Standpunkt stellte, dass es so nicht weitergehen kann, will die Redaktion unter der Leitung von Hans-Jakob Reich so weitermachen wie bisher.

Ein Aushängeschild

Was ist geschehen? Das Werdenberger Jahrbuch erscheint mit der nächsten Ausgabe seit 30 Jahren. Es ist, wie Anwesende, aber auch Fachleute betonen, «ein Aushängeschild der Region». Doch die Finanzen gerieten in Schräglage, wie Susanne Keller-Giger darlegte. Vor allem in den beiden letzten Jahren gingen die Verkaufszahlen massiv zurück und der Verlust des Jahrbuchs stieg auf über 11 000 Franken. «Verluste wurden bis dato aus einem Fonds, geäufnet aus dem Verkauf von Begleitpublikationen, gedeckt, deshalb sind diese den Mitgliedern nicht aufgefallen», betonte Susanne Keller-Giger.

Ganz anders sieht dies die Redaktion. Hansjakob Gabathuler, selbst seit über einem Vierteljahrhundert Mitglied der Redaktion, verlas – stellvertretend für den nicht anwesenden Redaktionsleiter Hans-Jakob Reich – eine dreiseitige Erklärung. «Der Umstand, dass nicht jede Thematik im Hauptteil die gleiche Leserschaft anspricht, ist auch der Redaktion bekannt. Wir verstehen unseren Auftrag jedoch in der Aufarbeitung der regionalen Geschichte, keineswegs aber als Bestsellerjagd im Sinne von Gefälligkeiten und Begehrlichkeiten.»

Zudem wurde betont, dass der bestehende Vertrag zwischen dem HHVW und der BuchsMedien AG noch bis Ende des Jahres 2017 gelte, also auch noch für die Herausgabe eines 31. Bandes.

Vergiftetes Klima

Harsche Vorwürfe gab es an die Adresse des Vorstands: «Die Vereinbarung besagt, dass sich die HHVW um Sponsoring bei Kanton, Gemeinden Korporationen, Stiftungen Unternehmen und Privaten bemüht. Und genau hier liegt doch der Hund für den angeblich stotternden Jahrbuchmotor begraben», so Hansjakob Gabathuler. Er verlangte, dass der Vorstand seinen diesbezüglichen Verpflichtungen endlich nachkomme und Sponsorenbeiträge auch in der Jahrbuch-Jahresrechnung ausgewiesen werden müssen.

Für Susanne Keller-Giger ist das Werdenberger Jahrbuch ein «Vorzeigeobjekt, das von vielen geschätzt wird». Doch in den vergangenen Jahren habe sich einiges geändert. «Die Rahmenbedingungen sind anders als vor zehn Jahren, neue Lesegewohnheiten, neue Medien, ein hart umkämpfter Sponsoren- und Inseratemarkt, Jahrbuch-Leser, die in die Jahre gekommen sind. Die Zukunft ist finanziell nicht mehr gesichert, auch die Verkäufe gehen stark zurück.»

Aus Sicht des Vereinsvorstandes wird die Problematik wie folgt dargelegt: «Das Jahrbuch weist in der Rechnung 2015 ein Defizit von gut 11 000 Franken auf – dieses ist aber nicht identisch mit dem jeweiligen Jahrbuch-Jahrgang, weil die Herstellungskosten und der Verkaufserlös nicht im gleichen Jahr anfallen. Zur Entwicklung der letzten acht Jahre: Gemäss Vorstand gab es wiederkehrende Defizite, ausser im Jahr 2011.

Mediation nötig

Nach vielem Hin und Her standen zwei Anträge im Raum. «Die Redaktion erarbeitet über den gegenwärtig in Arbeit befindlichen 30. Jahrgang hinaus gemäss der bis Ende 2017 geltenden Vereinbarung ungehindert auch den 31. Jahrgang des Werdenberger Jahrbuchs und legt ihn Anfang Dezember 2017 vor. Dazu musste zwei Mal abgestimmt werden, bei der ersten Runde stand es 15 zu 15, bei 5 Enthaltungen, in der zweiten Runde stimmten 17 für diesen Antrag. Otto Ackermann – selbst während 15 Jahren Redaktionsmitglied – verlangte, dass eine Kommission oder Arbeitsgruppe eingesetzt werden müsse. Ihre Aufgabe wird es sein, das Gespräch zwischen Vorstand und Redaktion, mit Unterstützung einer aussenstehenden Fachperson, zu begleiten. Diesem Antrag wurde stattgegeben.

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