Das Herz und die Tür stehen offen

Der in Buchs aufgewachsene und mittlerweile in Sevelen wohnhafte Jakob Gähwiler leitet seit Anfang Jahr die Fachstelle Integration Werdenberg-Sarganserland. Die Aktualität verleiht seiner Arbeit mehr Bedeutung denn je.

Armando Bianco
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Jakob Gähwiler, seit einem Jahr Leiter der Regionalen Fachstelle Integration Werdenberg-Sarganserland. (Bild: Armando Bianco)

Jakob Gähwiler, seit einem Jahr Leiter der Regionalen Fachstelle Integration Werdenberg-Sarganserland. (Bild: Armando Bianco)

BUCHS. Europa ist in diesen Tagen mehr denn je Zufluchtsort für Flüchtlinge aus dem Nahen Osten, Afrika und Osteuropa. Der Strom an Hilfesuchenden reisst nicht ab, in der Schweiz werden Erinnerungen wach an die Krise auf dem Balkan oder in Sri Lanka, als die Asylgesuche hierzulande in die Höhe schnellten. Doch die Schweiz ist seit jeher ein Land, das mit Ausländern umzugehen weiss. Früher hat man viele bewusst «geholt», heute kommen viele «ungebeten».

Ein hohes Mass an Akzeptanz

Auf die dauerhafte Präsenz der ausländischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse hat die Region Werdenberg mit der Gründung der Stiftung Mintegra (Migration-Integration) vor bald 15 Jahren reagiert. Die Kompetenzstelle gilt heute kantonsweit als mustergültig. Darauf basiert auch die Arbeit von Jakob Gähwiler, Leiter der Fachstelle Integration Werdenberg-Sarganserland.

«In unserer Region besteht die Fachstelle wegen des Know-how der Stiftung Mintegra länger als anderswo, weshalb ich auf viele bestehende Ressourcen zurückgreifen kann und in der täglichen Arbeit grosses Entgegenkommen erfahre. Wir alle von der Mintegra sind stolz auf die jahrelange, teils aufwendige Grundlagen- und Überzeugungsarbeit. Alle involvierten Ebenen sind heute sensibilisiert für das Thema Integration und erkennen den Wert, welchen unsere Organisation mittlerweile für Behörden und Gesellschaft hat. Den Willen zum Weiterkommen spüre ich auch bei den Migrantinnen und Migranten sehr stark. Es ist ein wichtiges Mass an gegenseitiger Akzeptanz entstanden.»

Von einem selbstgefälligen Schulterklopfen schwingt im Ton von Jakob Gähwiler nichts mit, denn Integration ist ein Dauerbrenner, eine stete, sich wandelnde Herausforderung, wie in diesen Tagen jeder in den Nachrichten lesen, sehen und hören kann.

Ein konstruktiver Charakter

Jakob Gähwiler, 32 Jahre alt, Familienmensch mit zwei Kindern, ist in Buchs aufgewachsen und seit nicht allzu langer Zeit in Sevelen wohnhaft. In Zürich hat er Volkskunde und Kulturwissenschaft studiert, des Berufs und der Liebe wegen ist er in die Weltstadt Hamburg weitergezogen, und mittlerweile wieder dort angekommen, wo seine Wurzeln sind, wie er im Gespräch mit dem W&O zufrieden sagt. Dass er nun bei der Mintegra gelandet ist, nennt er einen glücklichen Zufall, denn die Jobs in seiner «Branche» sind auf dem Lande rar gesät. Dass er schon früher bei Projekten der Mintegra mitgewirkt hat, war eine Art Türöffner. Seine gewinnende Art, sein konstruktiver Charakter, der Tatendrang und die fachlichen Qualitäten das Eintrittsticket.

Emotionen gibt es an der Front

«Das gute Zusammenleben aller Bevölkerungsteile in der Schweiz empfinde ich als Privileg. Integration bedeutet für mich Zusammenarbeit. Begegnungen bauen Vorurteile ab, und dafür braucht es alle. Wir arbeiten nach dem Leitsatz: Information plus Partizipation gleich Integration.»

Die Emotionen, welche die Arbeit mit anderen Menschen an Anlässen oder Beratungen in der Region mit sich bringt, sind der Kontrast zu den eher nüchternen Dingen seiner Büroarbeit – und als das kann man wohl Zahlen und Geschriebenes bezeichnen, wenn es im Kern eigentlich um Menschen geht.

Jakob Gähwiler ist regelmässig «an der Front», tritt an Anlässen auf, entwickelt Projekte und streut Informationen. Von zentraler Bedeutung ist, Wünschbares und Machbares nicht zu trennen, sondern auf einem verträglichen Weg zu vereinen. Migration gibt es seit Menschengedenken, der Mensch ist immer gewandert, erzwungen oder gewollt. Die Migrationsarbeit an und für sich ist hingegen ein noch eher junger Bereich.

Ein fachliches Herzstück

Das Angebot der Mintegra in den Werdenberger und Sarganserländer Gemeinden ist vielseitig und nach den Bedürfnissen ausgerichtet. Es gibt Treffs, Kurse, Beratungen und vieles mehr. Den Migrationsführer der Stiftung gibt es in 13 Sprachen, er ist das Informations-Herzstück. Von Bedeutung ist auch die alljährliche öffentliche Tagung im November im bzb, welche heuer unter dem Titel «Chancengleichheit und Diskriminierungsschutz» steht.