Das Gesicht der Stiftung Folsäure

Stiftungspräsidentin und Botschafterin Maria Walliser baut ein Netz mit regionalen Bäckereien auf. Auch im Toggenburg wird die Mosligerin ihre Fühler ausstrecken und einen Brot-Botschafter suchen.

Urs Huwyler
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Die ehemaligen Konkurrentinnen sind heute Freundinnen: Maria Walliser und Marlise Stump-Wittenwiler. (Bild: Urs Huwyler)

Die ehemaligen Konkurrentinnen sind heute Freundinnen: Maria Walliser und Marlise Stump-Wittenwiler. (Bild: Urs Huwyler)

TOGGENBURG. Anlässlich der Medieninformation durch die «Stiftung Folsäure Offensive Schweiz» bei der Willi Grüniger AG in Flums kam es zu Toggenburger Nostalgie-Begegnungen. Präsidentin und Gastgeberin Maria Walliser traf den noch immer in Mosnang wohnhaften August Stillhard, der bei Grüninger die Backmehle GmbH betreut. «Früher», erinnert sich «Miss Ski», sei sie speziell nach Auslandreisen oft in die Bäckerei Stillhard gefahren und habe sich ein frisches dunkles Brot gekauft. «Güst» Stillhard hatte das Geschäft von seinem gleichnamigen Vater übernommen und zog später nach Flums weiter.

Unter den Besuchern sass auch die Wildhauser Ex-Skirennfahrerin Marlise Stump-Wittenwiler, die einst gegen (und mit) Maria Walliser Anesini Weltcuprennen gefahren war. Die Freundinnen sind auch sonst schon mal gemeinsam wandernd unterwegs, lassen alte Zeiten aufleben und sprechen über die Folsäure-Offensive. Seit 1999 engagiert sich Maria Walliser für das Projekt und ist im Laufe der letzten 15 Jahre zur Botschafterin und zum Gesicht der Bewegung geworden.

An Kampfkraft und Ehrgeiz, ein gestecktes Ziel zu erreichen, hat die im März 1990 zurückgetretene 52jährige einstige Speed- und Riesenslalom-Spezialistin seit ihrem Karrierenende nichts eingebüsst. Einzig die Themen haben sich verschoben.

Kostengünstige Prävention

Bekannt ist der verstärkte Folsäurebedarf – wegen der Zellteilung und den Wachstumsprozessen – während der Schwangerschaft. Dieser sollte nicht erst nach Beginn der neun Monate, sondern schon vorher erhöht werden. «Sechs von zehn Frauen nehmen Folsäure zu spät», weiss die Präsidentin. Mit Folsäure (Vitamin B9) angereichertes Brot wäre nicht nur für die Brüder (Qualität und Quantität der Spermien; vermindertes Risiko für Herz- und Gefässkrankheiten) ein wichtiger Begleiter bis ins hohe Alter, sondern auch für Schwestern eine kostengünstige, effiziente Prävention. «Im Durchschnitt könnten 47 Prozent der Spina-bifida-Fälle verhindert werden», weiss die dreifache Olympia-Medaillengewinnerin, deren Tochter Siri mit «offenem Rücken» zur Welt kam. Da lag es für Maria Walliser nahe, sich zu engagieren und die Aufklärungsarbeit zu unterstützen. In 86 Ländern wird Folsäure dem Mehl beigegeben.

Die Anreicherung im Grundnahrungsmittel Brot wäre problemlos und diente nach Ansicht von Maria Walliser der Volksgesundheit. Aber was nützt es, mit Folsäure angereichertes Brot zu fordern, wenn die produzierenden Bäcker fehlen? Das soll sich ändern. Inzwischen durften Maria Walliser und Geschäftsführer Erich P. Meyer Pioniere für ihre Vorreiterrolle als «Brot-Botschafter» ehren. Ob in Sedrun, Chur, Davos, Zürich, Zizers, Ennenda oder Schindellegi, es gibt Bäckereien, die mit Folsäure-Mehl hergestellte Produkte herstellen.

Neue Botschafter

Das Interesse, freut sich Maria Walliser, am Kulturgut Brot steige, und dies auch in andern Kantonen. «Wir werden auch im Toggenburg und andern Regionen Bäckereien als Partner suchen. Wir haben nicht den Anspruch, dass nun überall umgestellt wird. Aber es wäre schön, wenn sich auch in meiner Heimat ein Botschafter finden liesse.» Derzeit sind rund 300 Produkte auf dem Markt, die mit dem speziellen Folsäure-Kleber gekennzeichnet sind.

Die Gäste konnten sich indirekt einem geschmacklichen Selbsttest unterziehen.

«Mit welchem Mehl wurden die verschiedenen Brotsorten hergestellt?», lautete die Frage. Der Geschmack liess keine brotsicheren Tips zu. Es schmecke alles wie sonst, war zu hören. Dabei wurde in allen Produkten «Mehl plus» verwendet. Auch bei den kleinen Bündner Nusstörtchen.

«Das Lebensvitamin Folsäure kann Leben retten», betonte Maria Walliser nochmals. Niemand widersprach.