Das Fundament für die Medizinausbildung gelegt

Im Kanton St. Gallen soll in Kooperation mit der Universität Zürich ein Medizinstudium auf Master-Stufe angeboten werden. Der Zeitrahmen dafür ist eng.

Drucken
Teilen
In die Offensive: Im Kanton St. Gallen werden schon bald Mediziner auf Master-Stufe ausgebildet. (Bild: Urs Bucher)

In die Offensive: Im Kanton St. Gallen werden schon bald Mediziner auf Master-Stufe ausgebildet. (Bild: Urs Bucher)

Im Kanton St. Gallen soll in Kooperation mit der Universität Zürich ein Medizinstudium auf Master-Stufe angeboten werden. Der Zeitrahmen ist eng: Im Herbst 2017 werden Studierende in Zürich mit dem Bachelorstudium beginnen, das sie dann 2020 in St. Gallen fortsetzen könnten.

Die Konzeptarbeiten für eine Medizinausbildung in St. Gallen werden weiter vorangetrieben. Die Vorstellung davon habe nun ein Fundament bekommen, sie sei kein Luftschloss mehr, betonte Gesundheitschefin Heidi Hanselmann (SP) am Montag an einer Medienorientierung über den Stand des Projekts.

Rückenwind gibt es unter anderem durch eine Umfrage: Sie hat gezeigt, dass 90 Prozent der aktuell rund 60 Medizinstudentinnen und Medizinstudenten aus dem Kanton St. Gallen die Attraktivität eines Masterstudiums in St. Gallen als hoch einschätzen. 55 Prozent davon wären bereit, diesem Angebot den Vorzug zu geben.

Alle Ampeln stehen derzeit auf Grün

Die Kantonsregierung wolle nun das Projekt «zum Fliegen bringen», erklärte Hanselmann. «Alle Ampeln stehen auf Grün», stellte Bildungsdirektor Stefan Kölliker (SVP) fest. Allerdings gibt es noch einige Hürden zu bewältigen.

Voraussetzung für den geplanten «Medical Master St. Gallen» ist ein ganzes Bündel von Kooperationen. Grundlage ist eine Zusammenarbeit mit dem Kanton Zürich. Studierende aus der Ostschweiz sollen dort das Grundstudium absolvieren und danach für ihren Master nach St. Gallen wechseln. Diese Kooperation ist noch nicht unter Dach und Fach. Im Grundsatz habe es aber «bisher ein OK» aus Zürich gegeben, erklärte Hanselmann.

Für das Masterstudium arbeiten danach die Universität St. Gallen und das Kantonsspital zusammen. «Je mehr wir uns damit beschäftigten, desto mehr sehen wir darin auch Chancen», sagte Thomas Bieger, Rektor der Universität St. Gallen. Er spielte damit auf Themen wie Gesundheitsökonomie oder Health Care Management an. Das medizinische Fachwissen stammt vom Kantonsspital: Daniel Germann, CEO des Kantonsspitals, erinnerte daran, dass es am Spital genügend Ärzte gebe, die jetzt schon befähigt seien, auf Universitätsstufe zu unterrichten. Aktuell seien es 76 habilitierte Lehrkräfte.

Die jährlichen Kosten sind derzeit noch unklar

Noch offen ist, wieweit sich der Bund finanziell am Aufbau des Angebots beteiligen wird. Zu den jährlichen Kosten für den Kanton St. Gallen gibt es ebenfalls noch keine konkreten Zahlen. Es dürfte sich um einen einstelligen Millionenbetrag handeln. Der Betrag sei jedenfalls so hoch, dass es dafür eine Volksabstimmung brauche, sagte Kölliker. Der Urnengang ist für 2018 vorgesehen.

Bereits vorher – im Herbst des kommenden Jahres – sollen allerdings die ersten 30 bis 40 Studierenden «der Kohorte St. Gallen» in Zürich mit ihrer Ausbildung beginnen. Klappt alles nach Plan, werden sie im Jahr 2020 ihr Studium in St. Gallen fortsetzen und es im Jahr 2023 mit einem «Joint Master» der Universitäten St. Gallen und Zürich abschliessen können.

Hintergrund der Anstrengungen ist der Ärztemangel, der sich auch regional bemerkbar macht. Jedes Jahr würden 2000 Mediziner aus dem Ausland «importiert», hiess es an der Medienorientierung. Die Schweiz bilde selber rund 1000 Ärztinnen und Ärzte aus. Mit zusätzlichen Angeboten wie in St. Gallen werde diese Zahl auf 1300 steigen. Gefragt seien vor allem Mediziner für die Grundversorgung, wurde weiter betont. (sda)

Aktuelle Nachrichten