Christian Berger-Spitz, Haag

Am Mittwoch ist alt Gemeindammann und alt Kantonsrat Christian Berger-Spitz in Salez im Beisein vieler Trauergäste zu Grabe getragen worden.

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Am Mittwoch ist alt Gemeindammann und alt Kantonsrat Christian Berger-Spitz in Salez im Beisein vieler Trauergäste zu Grabe getragen worden.

In verdienstvoller Erinnerung bleibt der am 2. März im 85. Lebensjahr Verstorbene der breiten Öffentlichkeit unter anderem durch sein 28 Jahre dauerndes positives Wirken für die Gemeinde Sennwald, sein 16jähriges Wirken als Vertreter der Region Werdenberg und der FDP im Kantonsrat und Verwaltungsratsmandate für Unternehmen in «seiner» Gemeinde und in der Region. Kantonsratspräsident Paul Schlegel würdigte den unermüdlichen Einsatz des Verstorbenen für das Gemeinwesen in Sennwald, der Region Werdenberg und im Kanton St. Gallen an der Trauerfeier in der evangelisch-reformierten Kirche Salez mit treffenden Worten.

Christian Berger war eine tragende und wichtige Persönlichkeit für die Gesellschaft. 1964 – er war erst knapp 34jährig – wählte ihn die Bürgerschaft von Sennwald als Nachfolger von Traugott Wohlwend zu ihrem Gemeindammann. Gleichzeitig wirkte er auch als Grundbuchverwalter. 28 Jahre lang führte «Christli», wie ihn seine Freunde nannten, seine Gemeinde mit viel Geschick und Gespür und setzte dabei auf Fortschritt. Diese Aufgabe war eine echte Herausforderung in dieser komplexen Gemeinde mit fünf Dörfern, fünf Ortsgemeinden und damals sechs Schulgemeinden, fünf Dorfkorporationen und vier Kirchgemeinden.

In seiner Amtszeit erlebte Sennwald eine enorm dynamische Entwicklung durch ein Bevölkerungswachstum von rund 2800 auf 4000 Einwohnern bis 1992 und den Wandel von der Textilindustrie zu einer breit diversifizierten Wirtschaft. Mit seinen Beziehungen trug er dazu bei, dass in der Gemeinde wertvolle neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Er holte einige heute noch erfolgreiche Unternehmen in die nördlichste Werdenberger Gemeinde. Mit den Gleis- und Autobahnanschlüssen sowie weiteren wertvollen Investitionen in die Infrastruktur legte Christian Berger als Gemeindammann die Basis dafür, dass sich seine Gemeinde weiter entwickeln konnte.

Zu den zahlreichen grossen Aufgaben, die in den 28 Jahren unter seiner Führung angepackt und erledigt wurden, gehören unter anderem das Meliorationswerk mit gleichzeitiger Ausscheidung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, die Zonenplanung, die Realisierung der Abwasserkanalisation und der Abwasserreinigungsanlage, Industriebauten und die Ansiedlung des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen in Salez. Aber auch Erschliessungen im Berggebiet, umfangreiche Bergbachverbauungen, der Aus- und Neubau von Schulhäusern und der Rathaus-Neubau wurden in seinen sieben Amtszeiten verwirklicht – und vieles mehr.

Der Verstorbene verstand seine Tätigkeit als Gemeindammann immer auch als Funktion eines Ombudsmanns für die Bevölkerung, wie er in einem Interview mit dem W&O anlässlich seines Rücktritts Ende 1992 und damit des Abschieds von dieser fordernden Lebensaufgabe sagte. Und das hat er immer wieder unter Beweis gestellt hat. Er hatte stets und über die Bürozeiten hinaus ein offenes Ohr für irgendwelche grossen und kleinen Probleme, für menschliche Sorgen und Nöte. Gemeindammann sein war für ihn weit mehr als nur ein Verwaltungsjob.

Neben dem Hauptamt mit stark beanspruchenden Herausforderungen präsidierte Christian Berger während 24 Jahren bis 1984 auch den Primarschulrat Haag. Hinzu kamen Präsidiums- und Vorstandsfunktionen in verschiedenen gemeinnützigen und öffentlich-rechtlichen Organisationen. Schliesslich stellte er von 1968 bis 1984 seine Schaffenskraft auf politischer Ebene auch als Kantonsrat unter Beweis. Er war auch hier über die Parteigrenzen hinaus geachtet.

Auch nach seinem Rücktritt als Gemeindammann hat der Verstorbene seine Fähigkeiten auf vielfältige Art der Gesellschaft weiterhin zur Verfügung gestellt. So blieb er vorerst weiterhin auf dem Grundbuchamt tätig und befasste sich auch mit der Gemeindebuchhaltung. Auch hat er einige Verwaltungsratsmandate bis weit über das Pensionsalter hinaus wahrgenommen und dabei seinen Beitrag zur gedeihlichen Weiterentwicklung der Unternehmen geleistet.

Er habe sein Gemeindammann-Amt nie als Belastung empfunden, hielt er 1992 bei seinem Abschieds-Interview fest. Und er betonte dabei seine Dankbarkeit für seine Frau und seine fünf Kinder. Ohne das Verständnis seiner Familie wäre das, was er in den vielen arbeitsreichen Jahren gemacht habe, nicht möglich gewesen. Der Verlust seiner Frau Margrit im November vergangenen Jahres, nach mehr als 58 gemeinsamen Ehejahren, hat ihm, der bis ins hohe Alter sehr am Geschehen vor Ort und in der Welt interessiert blieb, mehr und mehr die Kraft und Energie genommen, so dass das Herz des unermüdlichen Schaffers am 2. März zu schlagen aufhörte.

Viele Vereine und Institutionen, die seit Christian Bergers Jugend und bis weit über seine Pensionierung hinaus auf seine aktive Mitarbeit zählen durften, werden ihm zusammen mit der Bevölkerung der Gemeinde Sennwald und der Region ein ehrendes Andenken bewahren. (ts)