Casino Bad Ragaz erhält im «Ländle» weitere Konkurrenz

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Region Noch wuseln die Handwerker durch das Gebäude, das mit «Casino Schaanwald» angeschrieben ist. In rund 14 Tagen soll die offizielle Eröffnung stattfinden, wie das «Liechtensteiner Vaterland» berichtete. Um die Abläufe 1:1 zu testen und die Angestellten einzuarbeiten, soll mit einem «Soft Opening» gestartet werden. Erste Besucher werden in Schaanwald also bereits vor dem 25. Oktober willkommen geheissen. Mit Schaanwald nimmt im Fürstentum Liechtenstein binnen weniger Wochen ein zweites Casino seinen Spielbetrieb auf. Das erste ist Anfang August in Ruggell ohne grosses Brimborium gestartet. Pläne für ein drittes Casino in Vaduz wurden inzwischen ad acta gelegt. Weshalb plötzlich diese Betriebsamkeit im «Ländle» in Sachen Casinos? Das Ganze hat einen längeren politischen Hintergrund.

Es gilt ein Polizei­bewilligungssystem

Nachdem das Fürstentum seit 1846 casinofreie Zone war, wurde vor acht Jahren das seit 1949 bestehende Glücksspielverbot aufgehoben. Darauf bewarben sich zwei Unternehmen um eine Konzession – das eine erhielt den Zuschlag, das andere focht die Vergabe an. Der Streit führte bis vor den Efta-Gerichtshof in Luxemburg, mit dem Fazit, dass die Ausschreibung wiederholt werden müsse.

Dazu kam es nicht. Dafür zu neuen gesetzlichen Bedingungen. Statt des Konzessionssystems galt nun ein Polizeibewilligungssystem. Das bedeutet: Jedermann kann sich um eine Spielbankenbewilligung bemühen. Hinter dem Betrieb in Ruggell steht zu zwei Dritteln die Schweizer ACE Casino Holding und zu einem Drittel das Casino Bad Ragaz ­beziehungsweise dessen Mutter­gesellschaft, das Grand Resort Bad Ragaz. Betrieben wird Ruggell von der Casino Admiral AG, einer Tochterfirma des öster­reichischen Glücksspielriesen Novomatic. Hinter dem Casino in Schaanwald wiederum steckt die Casinos Austria AG.

Selber Teil des neuen ­Marktes sein

Weshalb das Casino Bad Ragaz in Liechtenstein mitmischt, ist klar. Statt der neuen Wettbewerbs­situation einfach zuzusehen, will man die Situation als Chance ­nutzen und selber Teil des neuen Marktes sein – eines Marktes nota­bene, der kontinuierlich schrumpft. In der Region durch starke Konkurrenz auf engstem Raum, wozu auch Casinos im grenznahen Ausland zählen, etwa in Bregenz, Konstanz, Lindau. Dazu graben die Online-Spiel­angebote aus dem Ausland, ­inklusive der illegalen, dem Schweizer Casino-Geschäft kräftig Wasser ab. Man geht von dreistelligen Millionenbeträgen pro Jahr aus.

Hoffnung verspricht sich die Casino-Branche von einem neuen Geldspielgesetz, das Schweizer Betrieben ebenfalls erlauben soll, Geldspiele im Internet anzubieten. Statt die Spiesse gleich lang zu machen, werden sie mit dem Gesetz allerdings andersherum verkürzt. Denn der Zugang zu ausländischen Online-Geldspielen soll verboten werden. Was nichts anderes bedeutet als eine Internet-Zensur. Dagegen wehren sich nun drei Komitees, die das Re­ferendum gegen das Geldspiel­gesetz ergreifen, wie vorgestern bekannt wurde. Unterstützung erhalten die Komitees von der ­digitalen Wirtschaft. Dies aus der Befürchtung heraus, dass es nebst den Online-Spielen in weiteren Bereichen zur Zensur kommen kann. (hb)