BUCHS/ZUG: Weiterer Entscheid gegen Lyoness

Die Rabattfirma mit Holdingsitz im Werdenberg ist mit ihrer Beschwerde vor dem Obergericht Zug abgeblitzt. Damit bestätigt das Gericht, dass die Firma ein unlauteres Schneeballsystem betreibe.

Hanspeter Thurnherr
Drucken
Teilen
Website von Lyoness. Die Rabattfirma hat ihren Holdingsitz an der Bahnhofstrasse in Buchs. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Website von Lyoness. Die Rabattfirma hat ihren Holdingsitz an der Bahnhofstrasse in Buchs. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Hanspeter Thurnherr

hanspeter.thurnherr@wundo.ch

Am 9. November 2016 berichtete der W&O vom Urteil des Kantonsgerichts Zug, welches das Geschäftsmodell von Lyoness als Pyramiden- oder Schneeballsystem bezeichnete und alle Premiumverträge, die Lyoness in der Schweiz geschlossen hat, ungültig erklärte. Die Holdinggesellschaft Lyoness Europe AG (inzwischen in Europe International AG umbenannt) hat ihren Sitz an der Bahnhofstrasse 22 in Buchs. Im konkreten Fall wurde Lyoness zur Rückzahlung des nachweislich einbezahlten Geldes samt Zinsen verpflichtet. Das Urteil hat grundsätzliche Folgen, denn andere Geschädigte, welche Anzahlungen geleistet hatten und von den versprochenen Gewinnen nichts zu sehen bekamen, könnten ebenfalls auf Rückzahlung klagen.

Lyoness zieht das Urteil weiter

Darum legte Lyoness gegen das Urteil Berufung beim Zuger Obergericht ein. Das Gericht lehnte diese nun mit Urteil vom 23. Februar ab mit der Begründung: «Zusammenfassend ist festzuhalten, dass das System der Beschwerdeführerin als unlauteres Schneeballsystem (...) zu qualifizieren ist.» Adolf Weisskopf, Direktor der Ländergesellschaft Lyoness Suisse GmbH, ­erklärt auf W&O-Anfrage: «Das – ausschliesslich die Lyoness Suisse GmbH – betreffende Ur­teil ist nicht rechtskräftig. Lyoness wird gegen die vorliegende Entscheidung Rechtsmittel erheben.» Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, wolle man den Entscheid nicht weiter kommentieren. Weisskopf verweist aber auf «die rechtskräftigen Entscheidung» des Oberlandesgerichts Wien vom 12. April 2016, das unmissverständlich festgestellt habe, dass Lyoness kein Ketten- oder Pyramidenspiel betreibe.

Das Urteil des Zuger Obergerichts steht in einer Reihe ähnlicher Urteile Österreichischer Gerichte, bei denen es um Klagen von Geschädigten gegen Lyoness ging, welche die Rückzahlung verlangten. Die Kläger hatten jeweils Einzahlungen getätigt, ohne die versprochenen Gegenleistungen zu erhalten. So hat das Landesgericht für Zivilrechtssachen Graz am 18. Januar eine weitere Beschwerde der Lyoness Europe AG in Buchs abgelehnt.

Brisant für die Lyoness-Verantwortlichen ist der Strafantrag, welchen die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) in Wien beim Straflandesgericht in Graz eingereicht hat. Sie wirft Unternehmensgründer Hubert Freidl vor, die Prospektpflicht verletzt und gegen das österreichische Ka­pitalmarktgesetz verstossen zu ­haben, als es die verschiedenen «Werbekampagnen» startete. Mit den Kampagnen sammelte Lyoness Geld, um damit in verschiedenen Ländern neue Lyoness-Firmen aufzubauen.

Karl-Heinz Feddermann beschuldigt Erwin Hüsler

Lyoness verteidigte sich zuletzt mit dem Argument, nicht Freidl, sondern der inzwischen verstorbene Verwaltungsrat der Holdinggesellschaft Lyoness Europe in Buchs, Erwin Hüsler, habe sich alleine und ohne Wissen von Freidl und der weiteren Lyoness-Führung um die Durchführung der Werbekampagnen gekümmert. Der in Frümsen lebende Karl-Heinz Feddermann, langjähriges Kadermitglied von Lyoness und in mehreren Lyoness-Firmen aktiv, hat dies sogar eidesstattlich bestätigt. Doch die Ermittler der Staatsanwalt glauben ihm nicht. Freidl habe nämlich die Werbekampagnen bereits im Vorfeld «federführend und öffentlich» beworben, zum Beispiel in einer Powerpoint-Präsentation bei einer Veranstaltung im April 2008 in Lienz.

Feddermann könnte damit im schlimmsten Fall eine Anklage wegen Meineids drohen. Allerdings hat er in der Erklärung die Formulierung «nach meiner Wahrnehmung» verwendet. Könnte er sich somit herausreden, dass seine Wahrnehmung halt einfach falsch oder unvollständig war? Der Ermittler hält jedenfalls fest: «Dass Hubert Freidl als Entwickler, wirtschaftlich Berechtigter und CEO des Lyoness-Konzerns mit allumfassenden Organfunktionen (...) mit der Entwicklung und Vermarktung der Werbekampagnen sowie der Option mit einem Veranlagungspotenzial von 33,5 Millionen Euro nicht vertraut gewesen sein soll, ist nicht überzeugend und lebensfremd.»

Der W&O bat Karl-Heinz Feddermann über die Medienstelle von Lyoness um eine Stellungnahme. Mediensprecherin Sabrina Naseradsky liess ausrichten: «Da es sich bei der von Ihnen angesprochenen Causa um ein laufendes Verfahren handelt, werden Sie sicher verstehen, dass unser erster Ansprechpartner die Behörde ist und wir medial-öffentlich keine Stellungnahmen abgeben. Nachdem Herr Feddermann gegebenenfalls bei Gericht Zeuge sein wird, kann und wird er als Gesprächspartner ebenfalls nicht zur Verfügung stehen.»