Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

BUCHS/UNTERWASSER: Das Leben ist mehr als nur «Lisme»

Die Pro Senectute schult Senioren im Umgang mit Computer, E-Mail und Internet. Zu den neugierigen und lernwilligen Kursteilnehmern gehört auch die 95-Jährige Claire Speck.
Armando Bianco
Mit Geduld und Neugier ans Ziel: Kursleiter Heinz Liebi steht der 95-jährigen Claire Speck mit Rat und Tat zur Seite. (Bild: Armando Bianco)

Mit Geduld und Neugier ans Ziel: Kursleiter Heinz Liebi steht der 95-jährigen Claire Speck mit Rat und Tat zur Seite. (Bild: Armando Bianco)

Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

«Man kann ja nicht einfach nur ‹Lisme› und so tun, als wäre das Leben vorbei. Das Leben geht auch in meinem Alter noch weiter», sagt Claire Speck mit freundlicher Vehemenz, als ob jemand soeben das Gegenteil behauptet hätte. Die kecke Seniorin aus Unterwasser ist 95 Jahre alt und eine von sechs Personen im Aufbaukurs Internet & E-Mail bei der Pro Senectute. Claire Speck wohnt seit zwölf Jahren in Unterwasser, zuvor hat sie viel von der Welt gesehen, 50 Jahre ihres Lebens hat sie mit ihrer Familie in Australien verbracht. Ihr Mann ist mittlerweile verstorben, ihre Kinder leben aber noch heute in Down Under.

Eine dankbare und wissbegierige «Klasse»

Kursleiter ist Heinz Liebi, er steht mit seiner Art bei den Teilnehmern hoch im Kurs. «Er hat ja so viel Geduld. Das braucht er auch, bei all dem Blödsinn, den ich mache», scherzt Claire Speck. Der Buchser ist ständig auf den Beinen, eilt von Bildschirm zu Bildschirm, hilft hier mit einem Klick und da mit einem Tipp. An seinem eigenen Arbeitsplatz sitzt er wohl keine 60 Sekunden am Stück. Heinz Liebi ist pensionierter Informatiklehrer, er hat am Berufsbildungszentrum Buchs den Puls der rasanten technologischen Entwicklung gespürt. Sein Wissen gibt er nun dankbaren Seniorinnen und Senioren weiter, wie er im Unterricht feststellt. Die Anwesenden strahlen Neugierde aus, sind interessiert, haben Fragen und Wünsche parat. Man spürt ihnen die Lust und den Willen an, sich einen Teil des Lebens zu erschliessen, den sie bis anhin noch nicht wirklich kannten - und der sich nun als grosse, bunte, globale, reizvolle Spielwiese präsentiert.

Die Palette verschiedenster Informationen, Angebote und Dienstleistungen im Internet wächst rasant, auch für Senioren. Die Organisation Pro Senectute erleichtert mit verschiedenen Kursen den Zugang dazu. Darin geht es um Email, Internet, Fahrplan, Social Media, Skype, Recherche, Down- und Uploads, aber auch um Tablets, Smartphone, Windows, Excel oder Steuern. Eine wichtige Rolle spielt auch das Thema Sicherheit. Betrugsversuche finden heute nicht nur mehr an der Haustüre oder auf offener Strasse statt, Senioren sind auch eine Zielscheibe für Internet-Betrüger geworden.

«Jetzt habe ich Mühe mit der Konzentration»

Claire Speck hat ihren eigenen Laptop an den Kurs in Buchs mitgebracht. Je fortgeschrittener der Morgen, umso anstrengender wird es für sie: «Jetzt habe ich Mühe mit der Konzentration», gesteht sie während dem Unterricht. Etwas Mühe bereitet ihr auch das Gehör, darum hat sie einen Platz in der Nähe des Kursleiters gewählt. Sie hat eine klare Vorstellung davon, was der Kurs ihr bringen soll. Den Computer soll einerseits Hilfe in Lebenslagen sein, anderseits als Speicher dienen, denn Claire Speck hat ihr Leben mit vielen Fotos und schriftlichen Erinnerungen dokumentiert. Dass man mit einem Computer viel mehr als nur Solitarie spielen oder einen digitalen Jass klopfen kann, hat Kursleiter Heinz Liebi schon am ersten Kurstag aufgezeigt.

Gefragt ist nicht nur das grosse Fachwissen des Kursleiters. Hier arbeitet Heinz Liebi auf einer Ebene, die auch andere Qualitäten abverlangt, nämlich Rücksicht und Einfühlungsvermögen, ein Gespür für die Bedeutung von Banalitäten. Den Unterricht gestaltet er mit Charme, Humor und bildhafter Sprache. Er verliert sich nie in unnötigen Fachbegriffen und richtet sich auch nach individuellen Bedürfnissen der Teilnehmer. Er pflegt den freundschaftlichen Umgang mit den Teilnehmern und legte eine wohltuende Lockerheit an den Tag. So heisst es bei Heinz Liebi gerne einmal «cool» statt «gut» und die Downloads lässt er «tschädera». Die Kunst dabei ist, trotz allem die kommunizierten Kursziele zu erreichen, denn darum sind die Seniorinnen und Senioren schliesslich da.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.