BUCHS/REGION: Kämpferische Töne der Bähnler

Helmut Hubacher und Paul Rechsteiner waren Gastredner bei der 100-Jahr-Feier des Pensioniertenverbandes Buchs-Chur der Gewerkschaft des Schweizerischen Eisenbahnverbandes (SEV).

Jerry Gadient
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Für langjährige Mitgliedschaft geehrt: Ernst Comba (Berschis, 60 Jahre), Ernst Brunner (Sargans, 70 Jahre, Albert Willi (Mels, 60 Jahre), Sektionspräsident Marco Blaser, Urs Benz (Azmoos, (50 Jahre, von links). Es fehlt Erich Guntli (Vilters, 50 Jahre). (Bilder: Jerry Gadient)

Für langjährige Mitgliedschaft geehrt: Ernst Comba (Berschis, 60 Jahre), Ernst Brunner (Sargans, 70 Jahre, Albert Willi (Mels, 60 Jahre), Sektionspräsident Marco Blaser, Urs Benz (Azmoos, (50 Jahre, von links). Es fehlt Erich Guntli (Vilters, 50 Jahre). (Bilder: Jerry Gadient)

Jerry Gadient

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Vorgestern vor genau 100 Jahren wurde die Sektion Buchs-Chur des Pensioniertenverbandes der Gewerkschaft des Schweizerischen Eisenbahnverbandes (SEV) gegründet. Im Hotel Post in Sargans wurde dieses Jubiläum würdig gefeiert, mit hochkarätigen Gastrednern sowie geselligem Beisammensein. Waren es bei der Gründung am 21. März 1918 16 Sektionsmitglieder, sind es heute rund 400 aus der Region Sarganserland, Werdenberg und Graubünden.

Der St. Galler SP-Ständerat und Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, Paul Rechsteiner, stellte zunächst fest, dass es für die Gründer der Sektion eine schwierige Zeit gewesen sei. 1918 sei aber ein besonderes Jahr für die moderne Schweiz gewesen, es sei die grösste Bewegung des 20. Jahrhunderts entstanden. Beim Generalstreik im November hätten die Eisenbahner eine zentrale Rolle gespielt, auch dank ihnen sei «nichts mehr gegangen». Auch die Sarganser hätten mitgemacht, was im damaligen politischen Umfeld («tief schwarz») besonderen Mut gebraucht habe, einige seien dann auch vor Gericht gelandet.

«Die Bürgerlichen haben uns nichts geschenkt, wir mussten kämpfen», meinte auch Giorgio Tuti, der Präsident der Schweizerischen Gewerkschaft des Verkehrspersonals. Ein Fortschritt sei mit der Einführung des Beamtengesetzes im Jahre 1927 erzielt worden. Hart ins Gericht ging Tuti mit SBB-CEO Andreas Meyer. Es sei unverschämt, wie geringschätzig man sich gegenüber dem Personal verhalte, man verlange von diesem weniger Lohn bei höherer Flexibilität. «Wir als Gewerkschaft haben eigentlich kein Problem mit den SBB, sie aber offensichtlich mit uns. Wenn sie den Konflikt will, werden wir ihn austragen», so Tuti. Es sei vielleicht der richtige Zeitpunkt, dass Meyer nun eine Auszeit nehme, wie er am Dienstag angekündigt hatte.

Helmut Hubacher geisselte die bürgerliche Politik

Höhepunkt der würdigen 100-Jahr-Feier war gestern die Rede von alt Nationalrat und SP-Präsident Helmut Hubacher, der mit seiner Frau Gret nach Sar-gans gereist war. Der 92-Jährige präsentierte sich in absoluter geistiger Frische und geisselte wie eh und je die bürgerliche Politik. Diese verhelfe den Grossaktionären, «die ihr Geld im Schlaf verdienen», zu immer weiteren steuerlichen Privilegien. Als grössten Sünder nannte er den einstigen Appenzeller Bundesrat Hans-Rudolf Merz, der vor der Abstimmung zur Unternehmenssteuerreform II die Bevölkerung brandschwarz angelogen habe. Statt der kleinen und mittleren Unternehmen hätten die Grossaktionäre daraus ihren Profit gezogen, und es sei zu Steuerausfällen nicht in Millionen-, sondern in Milliardenhöhe gekommen.

Aktuell wolle die bürgerliche Mehrheit im Nationalrat nun 700 Millionen Franken bei den Ergänzungsleistungen einsparen, «davon sind die Ärmsten betroffen». Gleichzeitig verlange man für die Armee acht Milliarden Franken für neue Kampfjets und ein Raketenabwehrsystem. Und das alles in einem Land, das gerne von sich sage, es gehöre zu den reichsten Ländern.

Für Hubacher, der einst eine Lehre als SBB-Stationsbeamter gemacht hatte und sich später der Gewerkschaftsarbeit zuwandte, hat sich seit dem Generalstreik von 1918 nicht viel verändert: «Wir müssen das, was wir erreicht haben, verteidigen.»

Mit der Ehrung langjähriger Gewerkschaftsmitglieder wurde die Tagung abgeschlossen.