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BUCHS/REGION: «Integration benötigt immer zwei»

Der Diakonieverein Werdenberg setzt sich für die Integration von Migranten ein. Deshalb hat er das Projekt «Tandem» gegründet. Dabei begleitet ein Einheimischer einen Migranten eine vereinbarte Zeit lang.
Alexandra Gächter
Tandempartner helfen Migranten sich im Alltag zurechtzufinden, wie beispielsweise bei der Benutzung des ÖV. (Bild: Robert Kucera)

Tandempartner helfen Migranten sich im Alltag zurechtzufinden, wie beispielsweise bei der Benutzung des ÖV. (Bild: Robert Kucera)

Alexandra Gächter

alexandra.gaechter

@wundo.ch

Was tun, wenn ein afrikanisches Kind Lernschwierigkeiten hat und seine Eltern ihm nicht helfen können? Mit dieser Frage wurde der Diakonieverein Werdenberg vor drei Jahren konfrontiert. Der Verein fand eine Person aus der Region, welche einmal in der Woche das Kind für ein paar Stunden bei sich aufnahm und mit ihm Deutsch sprach. Dies war die Geburtsstunde des Projekts «Tandem».

Die Aufgabe des Tandempartners ist, einen Migranten beim Lernen der deutschen Sprache zu unterstützen. «Es geht aber nicht darum, ein Ersatz für den Deutschlehrer zu sein, sondern eine Beziehung zur Person aufzubauen, sodass diese die deutsche Sprache anwenden kann», sagt die Diakonische Mitarbeiterin Elke Pereyra. Hilfe ist ebenfalls gefragt bei Arzt- und Behördengängen, der Wohnungs- und Arbeitssuche, bei Korrespondenz oder der Benutzung von Öffentlichen Verkehrsmitteln. «Ideal ist, wenn der Tandempartner ein bis zwei Stunden in der Woche mit dem Migranten verbringen kann», so Pereyra. Die Tandems sind ehrenamtlich und dauern in der Regel drei Monate, wobei die Möglichkeit besteht, die Tandems zu verlängern.

In Kontakt mit der hiesigen Bevölkerung kommen

«Integration benötigt immer zwei. Beide Seiten müssen sich bemühen, die Migranten und die Einheimischen», so Pereyra. Damit Integration gelinge, braucht es Beziehungen zu Einheimischen. In einer solchen Beziehung können Kulturunterschiede und Ängste abgebaut werden. Mit dem Tandempartner hat der Migrant nicht nur eine Ansprechperson, sondern kann durch ihn in Kontakt mit anderen Personen aus der hiesigen Bevölkerung kommen. «Es gibt viele Migranten, die bereits einige Jahre in der Schweiz leben und noch nie bei einer einheimischen Familie zu Hause waren», sagt Pereyra.

Zehn Personen aus der Region Werdenberg stellen sich derzeit als Tandempartner zur Verfügung. Eine davon ist die Buchserin Marianne Wieland. Bereits vor zwei Jahren begleitete sie eine junge Tibeterin für zehn Monate. Im Sommer 2017 erhielt Wieland eine neue Tandempartnerin. Dabei handelt es sich ebenfalls um eine junge Frau. Sie stammt aus Afghanistan und kam als Familiennachzug in die Schweiz. Ihr Mann lebt seit elf Jahren hier. Vor wenigen Monaten gebar die in Buchs wohnende Afghanin ein Kind. Dadurch musste sie den Deutschunterricht unterbrechen. Da ihre Familie in Afghanistan wohnt und ihr Mann den ganzen Tag arbeitet, ist die Frau mit ihrem Kleinkind isoliert. Sie kennt niemanden in Buchs, an den sie sich bei Problemen wenden kann. Deshalb beschloss der Diakonieverein Werdenberg, ihr eine Tandempartnerin anzubieten. «Wir wurden auf die afghanische Mutter aufmerksam, weil sie eines Tages in den ‹Treffpunkt Kafihalle› kam», so Pereyra.

Grosse Fortschritte dank Tandem

Gegenüber dem W&O sagte die Migrantin, dass es schwierig sei, Schweizer kennenzulernen. Deshalb spreche sie nicht oft Deutsch. Seit Marianne Wieland ihre Tandempartnerin ist, hat sich das geändert. «Ich habe bereits grosse Fortschritte beim Sprechen gemacht.» Nicht nur die Migrantin, auch Marianne Wieland kann von diesem Tandem profitieren. «Es ist wunderschön, mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenzuarbeiten. Ich habe viel gelernt. Für uns in der Schweiz ist es sehr wichtig, dass wir den Horizont etwas erweitern», sagt Wieland. Für das Tandemprojekt angemeldet habe sie sich, weil sie die Flüchtlingsbilder in den Medien zutiefst erschüttert haben. «Ich fragte mich, wie es sich anfühlt, wenn man aus der Heimat vertrieben wird und alleine in einer anderen Kultur den Weg finden muss. Die Männer lernen allenfalls bei der Arbeit Deutsch und können dort Kontakte zu der einheimischen Bevölkerung schliessen. Frauen mit kleinen Kindern haben diese Möglichkeit nicht. Deshalb sind sie abhängig von ihren Männern», so Wieland weiter.

«Ich habe bereits sehr viel schöne Tandems beobachten können. Um noch mehr Migranten zu helfen, suchen wir weitere Freiwillige für unser Projekt. Es werden nicht nur Personen, die beim Praktizieren der deutschen Sprache helfen, gesucht, sondern auch solche mit guten Computerkenntnissen oder solche, welche bei der Arbeits- oder Wohnungssuche helfen können», sagt Pereyra.

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