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BUCHS/MELS: Schwerer Gang für einen reuigen Raser

Das Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland verurteilt einen 58-jährigen Automobilisten, der einen schweren Alkoholunfall gebaut hatte. Zu Schaden kam dabei vor allem er selbst. Und zwar ziemlich schwer.

Die Anklage warf dem Beschuldigten vor, während einer rund sechsstündigen Kneipentour reichlich Bier getrunken zu haben. Als er gegen Mitternacht schliesslich in sein Auto stieg, betrug sein Alkoholspiegel knapp 2.3 Promille. Dennoch gelangte er auf die Autobahn A 13 und begann eine Fahrt, die die Polizei später als unsicher, riskant, gefährlich und erheblich verkehrswidrig bezeichnete.

Die Tour begann zunächst ganz langsam, mit Tempo 60 auf der A 13 in Richtung Sargans, wobei der Lenker in Schlangenlinien fahrend die gesamte Strassenbreite in Anspruch nahm. Kurz nachdem er die Autobahn verlassen hatte, forderte ihn die Besatzung eines zivilen Polizeiwagens zum Anhalten auf, mit Lichthupe und per Leuchtanzeige. Keine Reaktion. Als man das Blaulicht einschaltete, gab der Mann Gas.

Heftiger Aufprall setzt Auto in Brand

Mit massiv überhöhtem Tempo raste er davon. In der 50er-Zone erreichte er alsbald 110 Stundenkilometer, in 60er-Zone gar rund 127. Mehrfach geriet er auf die Gegenfahrbahn. Ein entgegenkommender Lenker konnte nur dank guter Reaktion eine Frontalkollision vermeiden. In einer langen Rechtskurve verlor er schliesslich die Kontrolle über seinen Wagen, raste über die Gegenspur und einen Grünstreifen in eine Infotafel und zuletzt frontal in eine Steinmauer. Durch den heftigen Aufprall fing sein Auto Feuer.

Die herbeieilenden Polizisten konnten ihn schwer verletzt aus dem brennenden Auto bergen, die Feuerwehr rückte zum Löschen an. Die Anklage forderte 20 Monate Haft, bedingt auf zwei Jahre, sowie eine Busse von 550 Franken. Der Mann habe andere Menschen konkret und erheblich gefährdet, insbesondere, indem er sie zu Ausweichmanövern gezwungen habe. Aber auch die Tempoüberschreitung von bis zu 67 Stundenkilometern falle ins Gewicht, weil er in Kauf genommen habe, Unschuldige schwer zu verletzen oder gar zu töten.

Hinzu komme der hohe Alkoholstand zum Tatzeitpunkt sowie die Absicht, mit der Flucht eine Blutprobe vereiteln zu wollen. Sein Verschulden wiege schwer, hiess es weiter. Dies, ebenso wie der Umstand, dass er bereits schon einmal einschlägig straffällig geworden war. Entlastend sei jedoch, dass er von Beginn weg vollumfänglich geständig, reuig und einsichtig gewesen sei. Diesen Eindruck bestätigte er glaubhaft auch vor Gericht. Er wirkte bewegt und sprach von einem «schweren Gang». Er sei durch das Geschehen hart bestraft, habe er sich doch 15 Rippen gebrochen und einen offenen Bruch am Knie erlitten, der derweil mehrfach operiert werden musste. Dazu kommen immense Kosten. Neben grossem Sachschaden für den er verantwortlich ist und für den die Versicherung naturgemäss nicht aufkommt, laufe auch noch ein grosses Administrativverfahren mit so hohen Kosten, dass eine Rückgabe des Führerausweises in weiter Ferne steht. Immerhin konnte er, trotz aller Umstände, seinen Job behalten und somit wieder zur Normalität zurückkehren.

Spürbare Einsicht und Schaden für sich selbst

Das Gericht erhob schliesslich den gemeinsamen Vorschlag von Staatanwaltschaft und Verteidigung zum Urteil und verhängte die besagte, bedingte Haftstrafe. Die Strafe wäre in vergleichbaren Fällen wahrscheinlich höher ausgefallen, in diesem Fall jedoch für angemessen befunden, namentlich wegen der spürbaren Einsicht und dem bereits sehr schmerzhaften Schaden für den Betroffenen selbst.

Die Untersuchungskosten von über 10 000 Franken muss er ebenfalls noch zahlen. Als Damoklesschwert und mahnender Zeigefinger bleibt gleichwohl die zweijährige Probezeit, die im Wiederholungsfall umstandslos ins Gefängnis führt. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Reinhold Meier

redaktion@wundo.ch

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