BUCHS/GRABS: Beruhigen und touristisch aufwerten

Zu wenig besucht, weil schwer erreichbar, das Schloss – «missbräuchlich» genutzt durch Anlässe, die diese einzigartige ­Kulisse gar nicht brauchen, der Marktplatz: Der Buchser Architekt Paul Haltinner erarbeitete eine Vision, um Abhilfe zu schaffen.

Heini Schwendener
Drucken
Teilen
Paul Haltinner auf dem Buchser Marktplatz mit seiner einzigartigen Kulisse von See, Städtli und Schloss. (Bild: Heini Schwendener)

Paul Haltinner auf dem Buchser Marktplatz mit seiner einzigartigen Kulisse von See, Städtli und Schloss. (Bild: Heini Schwendener)

Heini Schwendener

heini.schwendener@wundo.ch

Das Architekturbüro von Paul Haltinner ist in der ehemaligen Locher-Brauerei in Buchs. Er ist somit Direktbetroffener vom Treiben rund um den Werdenbergersee. Dieses hat ihn motiviert – ohne Auftrag – «eine Vision zur längerfristigen Beruhigung mit gleichzeitiger Aufwertung des Tourismusgedankens für dieses Gebiet zu entwickeln», wie er gegenüber dem W&O erklärt.

Seine Ideen sind in der Tat visionär. Allen voran die kleine Gondelbahn vom Markplatz hinauf zum Schloss. Im südlichen Teil des Marktplatzes soll zudem in einem Halbkreis eine Überbauung mit 14 Häusern in 7 Zweiergruppen entstehen, im Baustil und mit Materialien wie das Städtli auf der gegenüberliegenden Seeseite. Daher kommt auch der Name «Pendant» für Haltinners Vision. Auf dem Begegnungsplatz vor dieser Häuserreihe mit Arkaden gibt es eine Bühne für kleinere Anlässe, aber keine Parkplätze mehr. 200 bis 250 davon sollen nämlich unterirdisch gebaut werden.

Haltinner sieht grossen Handlungsbedarf

«Pendant» wird bestimmt Kon­troversen auslösen. Wenn daraus fruchtbare Diskussionen über Sinn und Zweck des Marktplatzes am Werdenbergersee entstehen, hat Haltinner ein grosses Ziel erreicht. Für ihn ist längst klar, dass Handlungsbedarf um das idyllische Seelein besteht. Die Verkehrssituation sei «katastrophal», und der Markplatz «wird meines Erachtens vermehrt missbraucht». Haltinner macht deutlich: Für den Zirkus, den Jahrmarkt, die Viehschau und die Wiga müsse die Stadt längerfristig ohnehin anderswo eine geeignete Infrastruktur mit nahen Parkierungsmöglichkeiten anbieten. Und kleinere Märkte gehörten doch eigentlich ins Zentrum. «Alle diese Anlässe auf dem Marktplatz brauchen nicht zwingend diese Kulisse mit See, Städtli und Schloss», so Paul Haltinner. Seine Vision würde den Platz «beruhigen» und gleichzeitig touristisch aufwerten.

In der Überbauung, dem Pendant zum Städtli, sieht der Architekt ein grosses Potenzial: «Die einladenden Häuserreihen mit ihren sympathischen Arkaden sollen Geborgenheit und zusammen mit dem Blick auf den See und das Städtli Ruhe ausstrahlen.» Rund 2000 Quadratmeter Gewerbeflächen in den Erdgeschossen mit den Arkaden können (kunst-)gewerblich genutzt werden. In den Obergeschossen mit etwa 7000 Quadratmetern gibt es Raum für alters- und familiengerechtes Wohnen und vielleicht sogar einen Hotelbetrieb.

Die Erschliessung erfolgt ausschliesslich über die St.-Galler--Strasse, der Moosweg dient nur noch den Anwohnern. Auf dem leicht erhöhten Begegnungsplatz können dank einer kleinen Konzertbühne in einer Muschel diverse Veranstaltungen durchgeführt werden.

Paul Haltinner kommt ins Schwärmen. Er glaubt, dass Wohn- und Gewerberäumlichkeiten in einem solchen Umfeld begehrt seien. «Ich bin sogar überzeugt, dafür liesse sich ein Investor finden», sagt er und fügt an: «Wenn ich das Geld hätte, würde ich so was gleich selber umsetzen.»

Haltinners Vision tangiert den Campingplatz nicht, sehr wohl aber den Spielplatz, den Minigolfplatz und das Judoclub-Gebäude. Sie finden aber innerhalb seines Projekts eine neue «Bleibe». Auch an Busparkplätze für die Touristen wurde gedacht, freilich nicht in der unterirdischen Parkgarage.

Gondelbahn hinauf zum Schloss

Für sehr viel Gesprächsstoff wird wohl Haltinners Idee einer Gondelbahn vom Marktplatz zum Schloss hinauf sorgen. Zur Begründung seines visionärsten Elements von «Pendant» sagt der Architekt: «Für die Renovation des Schlosses wurde sehr viel Geld ausgegeben. Doch der Ertrag, den der Betrieb erzielt, ist viel zu gering.» Die Veranstaltungen und das Bistro hätten mehr Besucher, wenn etwa das Schloss besser erreichbar wäre, insbesondere für ältere Leute oder Touristen, die nicht allzu viel Zeit haben. Für Haltinner, der auch schon die Idee eines Liftes auf Grabser Seite hinauf zum Schloss hatte, ist eine geräuschlos über den See schwebende 6er- oder 8er-Gondel naheliegend.

Er verbindet damit eine weitere Hoffnung: «Vielleicht bewegt dieser Gedanke ja auch den Einbau einer Liftanlage im Schloss selber.» Gute Beispiele von Schlössern mit nachträglich eingebautem Lift gebe es ja zur Genüge.

Die «Bergstation» könnte diskret in die Schlossmauer integriert werden. Als glückliche Fügung bezeichnet Haltinner, dass die Gondelbahn nicht direkt über den Häusern des Städli schweben würde, sondern genau über dem «Freiraum» zwischen dem Schlangenhaus und dem Holzerstübli.

Warum hat sich der Buchser Architekt mit seiner Vision nicht an die Stadt und deren Planer gewandt? «Die Erfahrung lehrt mich, dass meine Ideen nach drei bis vier Monaten mit einem Dreizeiler verdankt werden und danach in einer Schublade verschwinden.» Darum suche er die breite Öffentlichkeit, so Haltinner. In der Hoffnung, dass auch eine breite Diskussion über seine Vision entfacht wird. Der W&O wartet gespannt auf Leserbriefe.