BUCHS/BERLIN: Architekturpreis für einen Buchser

Der Student Marco Stadlin hat kürzlich den Schinkelpreis im Fachgebiet Landschaftsarchitektur gewonnen. Die renommierte Auszeichnung wird jährlich vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin verliehen.

Corinne Hanselmann
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Marco Stadlin mit zwei Plakaten seines erfolgreichen Wettbewerbprojektes «Leschij». (Bild: PD)

Marco Stadlin mit zwei Plakaten seines erfolgreichen Wettbewerbprojektes «Leschij». (Bild: PD)

Corinne Hanselmann

corinne.hanselmann@wundo.ch

«Es war eine sehr grosse Überraschung, als der Juroren-Entscheid bekannt gegeben wurde», erzählt Marco Stadlin. Der 28-Jährige, der in Buchs aufgewachsen ist und derzeit an der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) Landschaftsarchitektur studiert, hat gemeinsam mit den Studierenden Sarah Simon aus Freiburg und Dominik Rhyner aus Zürich den Schinkelpreis gewonnen. Diese Ehrung wird jährlich vom Architekten- und Ingenieurverein zu Berlin für den Nachwuchs in Architekturwesen in verschiedenen Fachgebieten vergeben (siehe Kasten).

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass ein Schweizer Studententrio im fernen Berlin an einem Wettbewerb mitmacht? «Die Idee für die Teilnahme am Schinkel-Wettbewerb kam von unserer Mitstudentin Sarah Simon. Sie hält sich laufend auf dem aktuellsten Stand und informiert uns über interessante Projekte und Wettbewerbe, bei welchen wir denken, einen guten Beitrag leisten zu können», so Marco Stadlin. «Dies war zwar nicht das erste Projekt von uns dreien, aber unsere erste gemeinsame Wettbewerbsteilnahme.»

Marco Stadlin lernte ursprünglich Hochbauzeichner. Nach einiger Zeit wagte er bei der Müko Gartgengestaltung AG in Buchs den Einstieg in die «grüne Branche». Dies war eigentlich als «Auszeitjob» gedacht. Doch er ist der Branche bis heute treu geblieben. Nebst dem Studium an der HSR, das Stadlin im kommenden Sommer abschliessen wird, arbeitet er als Freelancer. Sein Ziel ist es, vorzugsweise an der Oslo School of Architecture and Design in Norwegen, noch einen weiterführenden Master zu absolvieren.

Einen Grünzug durch ein Stadtquartier entwickeln

Beim diesjährigen Wettbewerb musste in der Sparte Landschaftsarchitektur für ein bestimmtes Gebiet in Berlin ein Grünzug entwickelt werden. Auf dem Gebiet gibt es unter anderem Grünraum und ehemalige militärische Bauten, und es ist die Entwicklung eines neuen Stadtquartiers mit 1000 bis 2500 Wohnungen geplant. Stadlins Team hat ein Projekt mit dem Namen «Leschij» abgeliefert. «Die Kernidee unseres Entwurfes war es, einen Ort zu gestalten, welcher einerseits Homogenität ausstrahlt und so Ruhe und Einheitlichkeit vermittelt und andererseits vielfältig für Mensch und Tier ist. Sei dies in seiner Nutzungsvielfalt oder im ökologischen Sinne als filternde Schicht in Bezug auf das Stadtklima oder den Lebensraum von Tieren», erklärt der Student.

Der Umgang mit dem vorhandenen Bestand sei in der Planung ein wichtiger Aspekt gewesen. So haben die drei Schweizer in den Pflanzungen nur einheimische Gehölze und Stauden, die auf dem Gebiet bereits vorkommen, verwendet. Ebenso ordneten sie die existierenden Kleingartenanlagen neu an und schufen eine grössere Anzahl Parzellen. «Das stetige Wachstum der Bevölkerung stellte uns vor die Herausforderung, eine Anlage zu gestalten, welche den Bedürfnissen der jetzigen und kommenden Zeit entspricht», begründet Marco Stadlin die Planung. «Unserer Meinung nach sind Wald und Wiese immer noch mächtige Gestaltungsmittel und sehr wichtige und durchaus benötigte Elemente im städtischen Raum.» So sei auch der Waldgeist «Leschij» aus der slavischen Mythologie ein passender und akkurater Begleiter und Namensgeber des Projektes.

Lob für Konsequenz und für stimmige Visualisierungen

Auf die Frage, warum der Jury wohl das Projekt «Leschij» am besten gefiel, antwortet Marco Stadlin: «Die Jury war sehr gross und dementsprechend waren auch die Gespräche mit den Juroren sehr vielfältig. Ich denke, was alle gleich sahen, war der Mut, nicht immer alles, was abgerissen wird, neu zu verorten, so wie es in der Schweiz zum Beispiel üblich ist, sondern der Natur und der Erholungsnutzung für den Menschen ihre Wichtigkeit zuzusprechen und konsequent zu gestalten.» Diese Konsequenz sei gelobt worden. Die drei HSR-Studenten trennten Natur, Siedlung und Nutzflächen strikt voneinander und liessen trotzdem eine gewisse Überlagerung zu. Auch die Visualisierungen, die einheitliche Plangrafik und die stimmungsvollen Grundrisse hätten sicher einen Beitrag zum Entscheid der Jury geleistet, ist Stadlin überzeugt.

«Wir glaubten es erst richtig, als wir den Kopf erhielten»

«Wir haben es lange Zeit nicht richtig glauben können, dass wir gewonnen haben», gibt Marco Stadlin zu. Es handle sich schliesslich doch um einen namhaften Wettbewerb, bei dem sehr gute Teams antreten. «Erst als wir Mitte März im Flugzeug nach Berlin sassen, um an der Preisverleihung teilzunehmen, und wir dann den bronzenen Kopf von Karl-Friedrich Schinkel als Auszeichnung in den Händen hielten, wurde es uns richtig bewusst.» Die Feier mit den anderen Preisträgern sei ein wahnsinnig toller Moment gewesen. Nebst dem Bronzekopf erhielten die Sieger ein Diplom und ein Preisgeld, welches einen Teil der Ausgaben für die Begehungs- und Studienreise nach Berlin und die Pläne und den Druck deckt.

In der Schweiz wurde das Trio am «Rappi-Tag» geehrt. Dies ist eine Tagung des Instituts für Landschaft und Freiraum, an der sich Grössen und Neueinsteiger der Landschaftsarchitekturbranche treffen. «Dies war das Highlight und ein sehr schöner Abschluss dieser Erfolgs- und Leidensgeschichte.» Aufgrund der einjährigen Praktika in unterschiedlichen Ländern –Sarah Simon in Dubai, Dominik Rhyner in Zürich und Marco Stadlin in San Francisco– sind die drei Studenten unterschiedlich vernetzt und treffen an internationalen Wettbewerben immer wieder bekannte Gesichter. «Das ist eine schöne Möglichkeit, Kontakte zu pflegen, unabhängig davon, ob wir einen Preis gewinnen oder nicht», so der Buchser. «Die Zusammenarbeit während dieses Projekts war grossartig. Es gab viele Reibungspunkte, doch auch viele schöne Momente.» Das Trio will auch in Zukunft noch einige Wettbewerbe bestreiten.