Buchs wehrt sich für die Zollstelle

Aufgrund von Sparmassnahmen sieht der Bund vor, Zollstellen zu schliessen. Darunter befindet sich auch jene in Buchs. Dies könnte vor allem Auswirkungen für die lokale Wirtschaft sowie den Güterverkehr der SBB haben.

Melanie Steiger
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Der Warenzoll in Buchs soll auf Anfang 2017 geschlossen werden. (Bild: Heini Schwendener)

Der Warenzoll in Buchs soll auf Anfang 2017 geschlossen werden. (Bild: Heini Schwendener)

BUCHS. Der Bund möchte bei der Zollverwaltung 52 Stellen streichen, um sieben Millionen Franken im Personalbereich zu sparen. Betroffen ist unter anderen auch die Zollstelle in Buchs mit fünf Arbeitsplätzen. Diese soll nach Meinung des Bundesrates gänzlich geschlossen werden. Die Eidgenössische Zollverwaltung hat sich dabei laut eigenen Angaben auf Zollstellen konzentriert, bei welchen wenig Verkehr herrsche und Umwege zumutbar seien. Die Schliessung ist erst nach der Abstimmung im Parlament im Dezember 2016 über das Budget 2017 geplant.

Schreiben an Bundesrätin

Gegen die Schliessung der Zollstelle in Buchs wehrt sich die Stadt Buchs in einem Schreiben an Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Darin betont Stadtpräsident Daniel Gut, wie wichtig die Zollstelle in Buchs sei: «Neben dem Beitrag zur Sicherheit des Landes durch seinen täglichen Kampf gegen Betäubungsmittel, gefährliche Güter und für den Markenschutz leistet der Zoll auch einen wirkungsvollen Beitrag zur Attraktivität des Werkplatzes.» Zudem würde durch die Schliessung in der lokalen Wirtschaft eine weitere Mehrbelastung neben dem aktuellen Wechselkurs des Euro entstehen.

Wirtschaft Buchs, die Vereinigung der Wirtschaftstreibenden in der Stadt, klärt momentan noch ab, welche Firmen in der Region davon betroffen wären. Dann will auch sie sich für den Erhalt der Zollstelle einsetzen.

Über 530 000 Abwicklungen

Zahlen belegen, dass die Zollstelle in Buchs im Vergleich zu jenen in Au, Schaanwald, Kriessern, Oberriet und Diepoldsau die effektivste der Region ist. Mit über 530 000 Abwicklungen pro Jahr weist sie mehr als doppelt so viele wie Schaanwald auf – diese liegt mit 210 000 an zweiter Stelle. Auch bei den Ein- und Ausfuhren (142 000 beziehungsweise 394 000) liegt Buchs an der Spitze. Bei den Einnahmen weist Schaanwald jährlich 188 Millionen aus, Buchs liegt hier mit 98 Millionen an zweiter Stelle.

«Elektronisch» entlastet

Zollkreisdirektor Fredy Bucher sieht es anders als der Buchser Stadtpräsident: «Die Auswirkungen in der Region werden gering ausfallen. Denn die Verzollung im Lastwagenverkehr läuft heute grösstenteils elektronisch ab.» Mit Hilfe der Elektronik könne der Spediteur die Ware direkt am Ziel abliefern, ohne am Zoll warten zu müssen. Die Zollgebühren erfasse das Büro in St. Gallen durch die elektronische Anmeldung. Dadurch würden die verbleibenden Zollstellen im Rheintal entlastet. Was sich allenfalls ändern werde, seien die längeren Wege für die Kontrolle der Verzollung.

Für Privatpersonen ändere sich nichts. «Diese können weiterhin ihre Ware über die Box am Bahnhof anmelden», erläutert Fredy Bucher. Das einzige Problem, welches noch gelöst werden müsse, sei der Güterverkehr der Bahn. «In Buchs werden täglich um die 30 Güterwagen von den SBB angemeldet. Damit diese Waren auch künftig die Grenze in Buchs überqueren können, suchen wir noch nach Lösungen», führt der Zolldirektor aus.

LKW-Transporte statt per Bahn?

Eine grosse Erleichterung stellte die Zollstelle in Buchs für die Eggenberger Recycling AG dar. Im vergangenen Jahr sandte sie 165 Eisenbahnwagen von Buchs nach Österreich und Italien. «In Zukunft wäre dann entweder die Zollstelle in Schaanwald oder St. Margrethen für diese Exporte zuständig. Es wäre für uns ein erheblicher zusätzlicher Aufwand, die Bahnwagen dort zu verzollen», erläutert Geschäftsführer Sascha Quaderer. Bei einer Schliessung der Zollstelle vor Ort würde die Firma Transporte mit LKWs in Betracht ziehen. «Aus unserer Sicht würde eine Schliessung der Zollstelle in Buchs die Umwelt durch die mögliche Verlagerung von der Schiene auf den LKW den Güterbahnhof Buchs eindeutig schwächen», argumentiert Quaderer.

Der Verband schweizerischer Speditions- und Logistikunternehmen (Spedlogswiss) sieht in der Reduktion der Anzahl Zollstellen einen negativen Einfluss auf ihre Branche und Kunden. 90 Prozent der 33 Millionen Zollanmeldungen würden schweizweit durch Verzollungsprofis abgewickelt. Die DHL, die einen Stützpunkt in Buchs hat, ist Mitglied bei diesem Verband. Jedoch sei es noch zu früh, Einschätzungen über die Auswirkungen einer Schliessung der Zollstelle Buchs abzugeben, heisst es auf Anfrage.