BUCHS: Treffpunkt für Rock, Pop und mehr

Das Programm des Werdenberger Kleintheaters Fabriggli überzeugt in den nächsten Monaten mit einer Vielzahl an interessanten Konzerten. Ein neuer «Musikchef» bringt wieder Schwung in die Sparte.

Armando Bianco
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Gut gefüllte Reihen soll es auch künftig häufiger geben: Das Werdenberger Kleintheater Fabriggli war am Wochenende ein Treffpunkt für Konzertfreunde, im Bild der Auftritt der einheimischen Band The Pearlbreakers. (Bild: Julia Kaufmann)

Gut gefüllte Reihen soll es auch künftig häufiger geben: Das Werdenberger Kleintheater Fabriggli war am Wochenende ein Treffpunkt für Konzertfreunde, im Bild der Auftritt der einheimischen Band The Pearlbreakers. (Bild: Julia Kaufmann)

Armando Bianco

armando.bianco@wundo.ch

Seit Flavio Strässle das Ressort Musik im Fabriggli im Sommer übernommen hat, weht ein etwas neuer Wind im Werdenberger Kleintheater. Der junge Rüthner will die Buchser Institution musikalisch wieder zu dem machen, was die Kulturstätte einst war: ein Konzertlokal mit Strahlkraft, ein Treffpunkt für Musikfans aller Art. Schweizer Bands, die auf dem Weg nach oben sind, sollen das Fabriggli wieder auf ihren ­Radar nehmen. Da passt es gut, dass er nahtlos von den Vorgängern sauber aufgegleiste Arbeit übernehmen konnte. «Bei uns hängt sowieso alles zusammen, denn ohne Techniker, Grafiker, Beizli-Leute, Reinigung und vieles mehr funktioniert auch in meinem Ressort nichts», relativiert er seine Rolle.

Flavio Strässle bringt Attribute mit, welche im Fabriggli gerne gesehen sind: Motivation, Mut, Beziehungen in der Musikszene, Verhandlungsgeschick. Er hat ein stilistisch offenes Visier und ist sich der Verantwortung bewusst, dass er seinen Job nicht zum eigenen Vergnügen macht. Seine Aufgabe ist eine Gratwanderung zwischen Kommerz und Individualität, mal dem Franken und mal dem Publikum verpflichtet.

Flavio Strässle beobachtet den Markt intensiv und dringt bei der Suche nach Bands auch in ­Nischen vor. Anstatt nur auf ­Augenhöhe mit den Trends zu sein, soll die Musiksparte im Kleintheater wieder Trends vorauseilen und sie frühzeitig er­kennen. «Inhaltlich möchten wir uns von anderen Veranstaltern in Buchs und der Region unter­scheiden. Wir wollen vor allem die Generation zwischen 25 und 40 angehen, dabei das musikalische Spektrum aber auch für jüngere oder ältere Besucher offenhalten», sagt er im Gespräch mit dem W&O. Sein Anspruch ist, den Geschmack des Publikums auch in der Breite zu treffen.

Bekannte Acts und regionale Bands mit Ambitionen

Ein Blick ins Programm zeigt die Vielseitigkeit, mit welcher Flavio Strässle (Pop, Rock, Folk) und ­seine Mitstreiterin Sonja Bossart (Jazz, Klassik World Music) ihre Aufgabe angehen. Gerade erst vor wenigen Tagen war Dada Ante Portas beim einzigen Auftritt in der Ostschweiz zu hören, eröffnet wurde das Konzert von der einheimischen Band The ­Pearlbreakers, was zu gut gefüllten Reihen vor der Bühne führte. «Es entspricht unserer Vorstellung, im Fabriggli auch mit regionalen Bands zusammenzuarbeiten», so Flavio Strässle im Gespräch mit dem W&O. Mit Shem Thomas tritt im Dezember ein Rheintaler Musiker auf, der allerdings schon national bekannt ist, hat er doch 2014 den zweiten Rang bei «The Voice of Switzerland» erreicht. Es ist zu erwarten, dass er eine entsprechende Fanbase zu seinem «Heimspiel» mitbringt.

Einen kleinen Coup hat man auch mit der Verpflichtung von Crimer im März erreicht. Der ­Balgacher wird sein erstes Album, das derzeit noch in Produktion ist, in Buchs mit einer Band vorstellen. Der Synthie-Popper wurde im Frühjahr von SRF 3 zum Best Talent gewählt, mittlerweile wird Crimer in amerikanischen und englischen Metropolen mit seinem 80er-Sound sogar als Heilsbringer aus der Vergangenheit gefeiert. Ein Musiker von Weltruhm erwartet das Publikum, wenn Starpianist Peter Bence aus Ungarn am 27. Februar die Bühne des Kleintheaters betritt. Auf der Plattform Youtube findet sich gar ein Songvideo von ihm, dass über 10 Millionen mal angeklickt wurde. Weitere Bands wie Zibbz, We Invented Paris, Kunz oder B. B. & the Blues Shacks zieren das Musikprogramm bis im Frühling 2018.

Das Publikum würdigt letztlich die Anstrengungen

Gedanklich ist Flavio Strässle bereits bei der Programmgestaltung und Verhandlungen für die zweite Jahreshälfte 2018. Als seine eigene Wunschband bezeichnet er die «kultige Schweizer Hardrockband Shakra, die würde wohl richtig viel Leute bringen». Das Quintett ist in der Schweizer ­Szene und darüber hinaus absolut angesagt. Wenn es an etwas scheitern wird, dann höchstens an einer finanziellen Einigung. An Überzeugungskraft und Hartnäckigkeit fehlt es dem Musikliebhaber und Musiker aus Rüthi mitnichten. Das bestätigt auch die Präsidentin des Vereins Fabriggli, Kathrin Schertler: «Er sprüht vor Ideen und Leidenschaft für sein Ressort.»

Die grösste Genugtuung liegt allerdings in der Hand des Publikums, indem es die Anstrengungen honoriert und das Fabriggli wieder als einen Treffpunkt für Konzerte betrachtet.