BUCHS: «Spinnen sind mir ans Herz gewachsen»

Wenn Cindy Dort beim Anblick von Spinnen schreit, dann ist es höchstens ein Freudenschrei oder ein «Die-will-ich-haben-Ausruf». Die haarigen Achtbeiner haben es der Buchserin angetan. Zusammen mit ihrem Mann besitzt sie derzeit sieben Vogelspinnen.

Alexandra Gächter
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Eine der Vogelspinnen der Familie Dort. Vor über einem Jahr hatten sie Hunderte solcher Spinnen. (Bild: Alexandra Gächter)

Eine der Vogelspinnen der Familie Dort. Vor über einem Jahr hatten sie Hunderte solcher Spinnen. (Bild: Alexandra Gächter)

Alexandra Gächter

alexandra.gaechter@wundo.ch

Vor Einbrechern mussten sich Cindy und Danino Dort nie fürchten. Eher umgekehrt. Bis zu 600 Spinnen, 20 Schlangen und einige Skorpione beherbergte die Familie Dort in ihrer Wohnung. Das war vor eineinhalb Jahren. Nach dem Umzug hatten sie in der neuen Wohnung nicht mehr so viel Platz, und so trennten sie sich von den Skorpionen, der Königspython und den diversen Nattern. Auch die meisten Spinnen mussten die beiden Buchser weggeben. Heute wohnen «nur» noch eine Riesenvogelspinne, eine Bodenvogelspinne und fünf Baumvogelspinnen unter einem Dach mit den Dorts. Sechs handzahme Kronengeckos machen die Familie komplett. Obwohl sie viel weniger Tiere haben als früher, war das Umziehen damals nicht einfach.

Grundsätzlich seien sie nicht verpflichtet, dem Vermieter zu melden, dass sie Spinnen halten. Diese gelten nämlich nicht als Kleintiere. Die Dorts waren jedoch offen und sagten jeweils von Anfang an, wer alles mit in die Wohnung zieht. «Jeder dritte Vermieter hat uns seine Wohnung verweigert», erinnert sich Cindy Dort. «Einer hat sogar einfach das Telefon aufgehängt, als ich unsere Tiere erwähnte.»

500 Franken monatlich für Unterhalt

Die Liebe zu den ungewöhnlichen Haustieren basiert auf der Tierhaarallergie von Danino Dort. Normale Haustiere wie Katzen oder Hunde kamen für ihn nicht in Frage, und so kaufte er sich vor einigen Jahren seine erste Schlange. Cindy Dort war früher kein Schlangenfan, freundete sich aber bald mit den Tieren an. Am meisten fasziniert ist sie von Spinnen. Und so kauften die beiden gleich mehrere davon. «Spinnen sind sehr eindrückliche Tiere. Sie gestalten ihren Lebensraum im Terrarium selber, bauen ihr eigenes ‹Haus›, mit dem sie ihr Fressen fangen», sagt Cindy Dort. Selbstverständlich sind Spinnen keine Kuscheltiere. «Streicheleinheiten mögen sie nicht. Aber das spielt keine Rolle, ich mag sie, weil sie schön sind. Meine Spinnen sind mir ans Herz gewachsen.»

Cindy Dorts Lieblingsspinne war violett und kostete 20 Franken, ist aber leider schon verstorben. An Messen und Börsen müsse sie sich jeweils zurückhalten. «Die vielen schönen Spinnen, das ist schon verlockend», sagt sie. Bis nach Hamburg fährt das Ehepaar, um exotische Tiere zu bestaunen oder sich mit Experten auszutauschen. «An Börsen müssen wir uns jeweils ein Budget setzen, damit es nicht zu Spontaneinkäufen kommt», so Dort. Junge Spinnen gäbe es bereits ab fünf Franken, ausgewachsene würden um die 30 bis 120 Franken, sehr seltene Exemplare bis zu 500 Franken kosten. Hinzu kommen Kosten für Futter, Strom und Unterhalt. Als die Dorts 600 Spinnen besassen, betrugen diese Kosten 500 Franken monatlich. Auch der Zeitaufwand darf nicht unterschätzt werden. Alle zwei Wochen wurden die Spinnen mit lebendigen Insekten gefüttert. «Wir verbrachten jeweils einen halben Tag damit, jedes Terrarium einzeln zu öffnen und die Heuschrecken hineinzuwerfen.»

Einige Tiere entwischten

Früher haben Cindy und Danino Dort sogar Spinnen gezüchtet. «Das war eine Riesenarbeit.» Sie warteten, bis das Weibchen paarungsbereit war. Es zeigte dies mit dem Klopfen der Beine an. Das Männchen musste für den Paarungsakt gekauft werden. «Auslehnen wie bei anderen Tierarten geht nicht, da die Weibchen die Männchen nach dem Paaren fressen.» Aus dem Kokon schlüpften mehrere Hundert kleine Spinnen. Weil sie so klein waren, entwischten etliche. «Ja, die eine oder andere habe ich mit dem Staubsauger eingesaugt», sagt Cindy Dort. Auch ihre Königspython ist einmal abgehauen. «Wir fanden sie zusammen­gerollt in unserem Kehrichtsack», sagt Cindy Dort.

Für die verbliebenen Spinnen mussten sie kleine Terrarien basteln. Foto- oder Haribo-Boxen haben den beiden dabei gute Dienste erwiesen. «Man muss halt erfinderisch sein.» Insgesamt 70 Terrarien hatten sie, denn die meisten Spinnen sind Einzelgänger. Dreimal in der Woche wurden die kleinen Spinnen mit Heimchen gefüttert. Nach zweimaligem Nachwuchs gaben die Dorts das Züchten auf. Nun sind ihnen sieben Vogelspinnen verblieben, wovon zwei erwachsen sind. «Diese werde ich behalten», ist Dort überzeugt.