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BUCHS: Publikum den Spiegel vorgesetzt

Vor 14 Jahren stand das Duo «schön & gut» zum ersten Mal auf der Fabriggli-Bühne. Am Samstag kehrten Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter dorthin zurück, um ihr fünftes Stück, «Mary», vorzuführen.
Julia Kaufmann
Ralf Schlatter und Anna-Katharina Rickert überzeugten als Duo «schön & gut» am Samstag im Fabriggli. (Bild: Nils Vollmar)

Ralf Schlatter und Anna-Katharina Rickert überzeugten als Duo «schön & gut» am Samstag im Fabriggli. (Bild: Nils Vollmar)

Julia Kaufmann

redaktion@wundo.ch

Das fünfte Programm des Duos «schön & gut» ist gewohnt politisch, kritisch sowie poetisch. Anna-Katharina Rickert und Ralf Schlatter, die für ihre präzise Wortwahl bereits bekannt sind, präsentierten «Mary» am vergangenen Samstag im Werdenberger Kleintheater Fabriggli. Die Erwartungen der Besucher waren hoch, das Theater bis auf den letzten Platz ausverkauft und das Gelächter während der Vorstellung nahm keinen Abbruch.

Dass das Duo im vergangenen Jahr den Schweizer Kleinkunstpreis gewann, wurde einmal mehr zu Recht bestätigt: Auf beeindruckende Weise schlüpften Rickert und Schlatter in unterschiedlichste Rollen und erzählten so die Einbürgerungsgeschichte der Lettin Agneta, die sich in Grosshöchstetten einbürgern will. Fehlende Scheuklappen vor den Augen und eine ordentliche Portion Gesellschaftskritik liessen von Beginn an erahnen, dass der Verlauf des Kabaretts nicht dem eines Märchens gleicht und, auch wenn sie noch so bitter ist, die Wahrheit schonungslos ausgesprochen wird.

Geld regiert die Welt

«Wir vertreten eine Haltung, die wir auch laut aussprechen. Weil sich unsere Dialoge aber auf Bühnen abspielen, haben wir somit auch die Freiheit, unsere Meinung mittels der Figuren kundzutun», sagte Ralf Schlatter. Das Duo wolle seinen Zuschauern damit aber keine Nachricht auf die Stirn drücken, ihnen aber dennoch den Spiegel vorhalten. Wenn Rickert und Schlatter dies tun, kommt die Schweiz in einigen Belangen nicht sonderlich gut weg: «In der Schweiz braucht man nie zu frieren, weil man isolierter nicht sein kann», oder «die Schweiz glaubt, Geld heilt alle Wunden» und «die Knete geht drauf, um den Arsch der Pharma zu stopfen», wobei sich letztere Aussage auf die Machenschaften der Pharmaindustrie, konkret Hoffmann-La Roche, bezog.

Präzision als Zutat für Erfolgsrezept

Zudem wurde vor allem anhand der Geschichte über Agneta aus Lettland die Flüchtlingspolitik unter die Lupe genommen und indirekt dem Einbürgerungsverfahren Willkür unterstellt. Denn Agneta lebte seit zwölf Jahren in der Schweiz und war sehr bemüht, sowohl die Sprache als auch das politische System des Landes zu lernen. Obwohl sie etwas Mühe hatte, die sieben Mitglieder des Bundesrats aufzuzählen, und statt Leuthard stets Gotthard sagte, glaubte Herr Schön, der entgegen seinem Heimatland den Rücken kehren wollte, an ihre Einbürgerung. Doch Schön hatte die Rechnung ohne den Gemeindepräsidenten Kellenberger gemacht: Dieser glaubte, seine Agneta gehe fremd, weshalb er ihr einen Diebstahl andichtete und ihr der Schweizer Pass verwehrt wurde. Doch Frau Gut, die unerwartet ebenfalls im Stück auftauchte, stellte dem Kellenberger eine Falle und so hiess es am Schluss: Ende gut, alles gut.

Rund eineinhalb Jahre hat es gedauert, bis das Kabarett unter der Regie von Roland Sutter fertiggestellt war. Eine intensive Zeit, wie Schlatter bemerkte. Denn Wort für Wort wurde einzeln diskutiert: «Zuerst haben wir uns das Ganze angeschaut, anschliessend sind wir immer mehr ins Detail gegangen. Einzelne Szenen wurden unter die Luppe genommen und schliesslich haben Anna-Katharina und ich gar über Kleinigkeiten wie ein schlichtes ‹und› diskutiert.» Mit ihrem Erfolgsstück werden Rickert und Schlatter noch bis mindestens 2019 auf Tournee sein. Gespielt haben sie das Kabarett bisher auch schon unzählige Male. Daher ist von Nervosität keine Spur mehr, wie Schlatter erklärt: «Nervös sind wir lediglich noch vor ganz besonderen Auftritten. Da wir uns im Fabriggli aber dermassen wohlfühlen, gab es keinen Anlass, nervös zu sein.» Vielmehr sei es eine Herausforderung, jedes Mal aufs Neue eine Spielfreude zu entwickeln und sich selbst zuzuhören, obwohl man die Sätze schon Tausende Male gesagt hat. Nichtsdestotrotz sei es für das Duo aber das Grösste, gemeinsam auf der Bühne stehen zu können.

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