BUCHS: Nicht nur Sache der Gemeinde

Fredi Bühler ist mit Asylsuchenden unterwegs. Einerseits kann er den Männern so eine gewisse Tagesstruktur bieten, andererseits lernen sie vom gesprächigen Rentner auch Sprache und Handwerk kennen.

Heidy Beyeler
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Fredi Bühler legt auch selber Hand an bei der Bekämpfung der invasiven Neophyten.

Fredi Bühler legt auch selber Hand an bei der Bekämpfung der invasiven Neophyten.

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch

Ahmad, Dawod und Moradi – drei Asylsuchende – durchforsten zusammen mit dem Grabser Rentner Fredi Bühler den Waldstreifen zwischen dem Werdenberger Binnenkanal und der Autobahn im Kampf gegen schädliche Neophyten. Dabei stiess die Arbeitsgruppe unter anderem auf Kanadische Goldrute, Sommerflieder und auf das drüsige Springkraut.

Im persönlichen Gespräch vor Ort erklärt Bühler: «Wenn wir schon vor Ort sind, befreien wir auch heimische Pflanzen wie etwa das Waldgeissblatt von Überwucherungen und somit vor dem Erstickungstod. Da entdeckt man beispielsweise unter dem Gestrüpp einen Pfaffenhütchenstrauch oder den Wolligen Schneeball auf einem grösseren Plätz›, der von Goldruten und Lianen überwuchert ist.» So findet ­Bühler, der mit Idealismus bestückt und seiner tüchtigen ­Gruppe unterwegs ist, auch wertvolle Pflanzen, die zur vielseitigen Biodiversität beitragen.

Asylbewerber erhalten ein «Sackgeld» für ihren Einsatz

In der Regel sind es Naturschutzvereine, Gemeinden und Orts­gemeinden, die Förster und weitere Organisationen, die sich für die Bekämpfung von Neophyten einsetzen. Am Binnenkanal ar­beitet Bühler und seine Crew im Auftrag der Forstgemeinschaft Grabus. Die Truppe macht den unerwünschten Pflanzen und invasiven Neophyten den Garaus. Dafür erhalten die Asylbewerber für ihre Dienstleistung von der Stadt Buchs ein Entgelt von drei Franken pro Stunde. «Das ist eine kleine Zulage, die als Wertschätzung gegenüber den Asyl­suchenden und zur Integration dient», sagt Ronny Heeb vom ­Sozialamt der Stadt Buchs.

Problematisch sind nur wenige der «Einwanderer»

Biodiversität bedeutet biologische Vielfalt. Dazu gehören Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen ebenso wie Öko­system Landschaft und natürlich auch die Menschen. Wo viele ­verschiedene Organismen zusammen vorkommen, ist die Biodiversität gross, was als wichtiger Indikator für eine gesunde Umwelt zu deuten ist. Aber, unter den schätzungsweise rund 350 bis 550 gebietsfremden Arten, die sich seit der Entdeckung Amerikas im Jahr 1492 in Europa und der Schweiz etabliert haben, sind laut Biologe Erwin Jörg meistens völlig harmlose Neophyten. Durch die «Einwanderer» habe sich unsere Biodiversität ganz schön entwickelt. «Zurzeit gelten in der Schweiz 41 Arten als nachweislich schädliche invasive Neophyten und 17 Arten als potenziell schädliche invasive Neophyten», schreibt Jörg auf www.neophyt.ch .

Das bedeute, dass in der Schweiz nur etwa zehn Prozent der vorkommenden Neophyten problematisch sind. Einige wenige der ‹zugewanderten› Pflanzen verhalten sich allerdings recht ­rabiat. Sie verwildern, breiten sich stark aus und verdrängen dabei die einheimische Flora. Darunter gibt es auch solche, die gefährlich für die Gesundheit der Menschen und Tiere sind. Andere Pflanzen können gar Bachufer destabilisieren oder Bauten schädigen. Deshalb bezeichnet man diese Pflanzen als invasive Neophyten.