BUCHS: Mit kleinen Schritten zum Stiefel

Die Leserzahlen nehmen zu, der Bekanntheitsgrad auch. Das vor einem Jahr gegründete Postermagazin «Onepage» findet Anklang und ist auf gutem Wege. Aber es finanziert sich noch nicht selber.

Alexandra Gächter
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Doris Büchel bei der Lancierung des Postermagazins «Onepage» Nr. 5 in der «Traube» Buchs. (Bild: Ingo Rasp)

Doris Büchel bei der Lancierung des Postermagazins «Onepage» Nr. 5 in der «Traube» Buchs. (Bild: Ingo Rasp)

Alexandra Gächter

Vor Jahrzehnten war es das Chefbüro einer Spinnerei in Buchs. Nun sitzt Doris Büchel, frei­schaffende Autorin und Herausgeberin von «Onepage», hier. Das Büro – oder Bureau, wie aussen am Schild zu lesen ist – hat niedrige Türen und alte Möbel, bietet aber viel Raum. Für Ideen, Gedanken, Kreativität und zwei alte Schreibmaschinen. Eine schreibt kursiv in Blau. Ein bisschen retro, ein bisschen einzigartig, ein bisschen wie das Postermagazin «Onepage».

«Zweites Jahr ist ein ­Meilenstein»

Das Aussergewöhnliche an Doris Büchels Magazin ist, dass es nur aus einer Seite besteht. «‹One­page› ist sehr reduziert. Es gibt einen Text und ein Gedicht, geschrieben von herausragenden Autoren, visuell umgesetzt von ausgewählten Grafikern», sagt Doris Büchel. Der Text könne ein Essay sein, ein Plädoyer, ein Mani­fest, eine Reportage, ein Porträt. In einer mit Informationen überfluteten Welt, in der man durch Werbung erschlagen und durch Buchstaben erdrückt wird, täte diese Reduzierung gut.

«Bei ‹Onepage› geht es um die Achtsamkeit. Oft fehlt die Zeit, Texte zu lesen. Sie werden überflogen, liegen gelassen, weggeworfen», so Büchel. Aber gehaltvolle Texte sollen die gleiche Wertschätzung erhalten wie ein Bild, das man mehrmals ansieht oder Musik, die man sich mehrmals anhört. Deshalb sei «Onepage» eine gefaltete A1-Seite, die wie eine Wandzeitung oder ein Poster an die Wand geklebt wird und immer wieder Beachtung ­findet. Bei den Lesern findet das Postermagazin ebenfalls Beachtung. Die Zahl der Abonnementen wächst. «Es geht in kleinen Schritten vorwärts. Nach meinem Geschmack geht es allerdings ein bisschen zu langsam, denn ich bin motiviert und stecke viel ­Leidenschaft in das Projekt», so Büchel. Nach einem Jahr und fünf Ausgaben zieht sie dennoch ein positives Fazit: «Es läuft anständig. Ich habe Abonnenten aus der Region, aber auch aus Zürich oder Berlin. Dass ich nach einem Jahr ein zweites anhängen darf, ist für mich bereits ein Meilenstein. Ich bin also glücklich.»

Neue Leserinnen und Leser zu ge­winnen, ist eine Herausforderung. Auf diese ist sie jedoch angewiesen, denn das Ziel ist, dass sich das Magazin nur durch die Abonnenten finanziert. Momentan finanziere sich das Magazin durch die Leserschaft, aber auch dank der Unterstützung von Stiftungen und Privatpersonen. Die Herausgeberin und ihr Redaktions­kollege, Grafiker und Künstler Adrian Scherrer, arbeiten gratis. «Das ist normal bei einem Start-up, soll aber nicht so bleiben», sagt Doris Büchel. Die Autoren, Lyriker und Grafiker, welche für das Magazin schreiben und es gestalten, arbeiten nicht gratis. «Ich zahle faire Löhne. Das war mir von Anfang an wichtig. Qualität hat ihren Preis.» Aus diesem Grund lege sie ihr Postermagazin nicht einfach gratis irgendwo auf, um es bekannt zu machen. «Wie ich die Menschen erreichen kann, die Papier mögen, Geschichten, Design und das Nonkonforme, damit beschäftige ich mich fast Tag und Nacht», sagt Doris Büchel. Momentan wird mit Mund-zu-Mund-Propaganda und Social Media geworben. Die gleich­namige Internetseite soll «Onepage» ebenfalls bekannter machen und Abos generieren.

Interessierter Verleger aus Italien

«Die kleinen Schritte», wie Doris Büchel sagt, werden derweil in Richtung Süden unternommen. «Onepage» wird nämlich unter Umständen bald auch in Italien vertrieben. Entsprechende Verhandlungen laufen bereits. Selbstverständlich würde «Onepage» auf Italienisch übersetzt. Oder besser gesagt: Das erste «Onepage», das in Italien erscheint, wird für die hiesige ­Leserschaft auf Deutsch übersetzt. Denn geplant ist, dass ein italienischer Starautor den Text schreibt.

Und das Design? Azzurro, also blau wie das Meer oder das Dress der italienischen Fussballmannschaft? Die Schrift? Italic, also kursiv? Wenn ja, könnte Doris Büchels alte Schreibmaschine Italiens ­Leserschaft erfreuen.