BUCHS: Koryphäe der Wortspielerei

Am Samstagabend kündigte Hedy Sutter im Fabriggli den Auftritt von Kilian Ziegler und Samuel Blatter als ein kulturelles Highlight an. Wie recht sie hatte: Es war ein überaus vergnüglicher, erheiternder Abend.

Heidy Beyeler
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Kilian Ziegler ist aus dem Strauchelzoo ausgebrochen; er hat seinen eigenen Weg gefunden. (Bild: Heidy Beyeler)

Kilian Ziegler ist aus dem Strauchelzoo ausgebrochen; er hat seinen eigenen Weg gefunden. (Bild: Heidy Beyeler)

Schon der Titel des Slam-Kabaretts «Ausbruch aus dem Strauchelzoo» deutete auf spitzfindige Pointen hin. Das Programm erlebte seinen Auftakt Ende Oktober 2016 an der Premiere in Olten. Slam Poet Kilian Ziegler und Samuel Blatter verblüffen mit Sprachwitz, Humor und sprachlicher Gewandtheit. Ziegler versteht es brillant, mit «Tippfehlern», Buchstaben verwechseln oder ganze Silben austauschen den Sätzen eine ganz andere Bedeutung zu verleihen. Beispiel: Wenn er mit einer Grippe im Bett liegt, ist das doch etwas anderes, als wenn er mit einer Gruppe im Bett läge. Es sind seine Wortspiele und schlagfertige Art, mit denen er Nähe zum Publikum schafft und die Zuschauer umgarnt, indem er selber über seine Fehler strauchelt. Und so sagt er denn auch: «Das Leben ist kein Spaziergang, das Leben ist kein Zuckerschlecken, das Leben ist ein Strauchelzoo – und wir sitzen alle da drin. Willkommen im Strauchelzoo.»

«Ein Soziologe ist wie ein Stalker mit Diplom»

Mit Humor und Tiefgang macht er komische, zum Teil ironische und sarkastische Wortspielereien und erzeugt auf seine Art Pointen. Durch die Wechselwirkung mit dem Publikum, seine Bühnenpräsenz und den Poetry Slam erheitert er die Zuhörer und Zuschauer in grossem Masse. Dazu kommt seine Mimik, sein verschmitztes – teils hämisches Lächeln – kurz bevor er zur Pointe ansetzt. Mimik und Sprache fordern die Gäste heraus, immer bei der Sache zu bleiben, damit man ja nichts verpasst, schon gar nicht die gut gesetzten Pointen. Diese zeugen von einer unheimlichen Beobachtungsgabe des Künstlers und zeichnen auf, dass der Künstler bereits aus dem Strauchelzoo ausgebrochen ist, um das durchschnittliche Leben zu verlassen und das Leben mit einer Portion Optimismus anzureichern, damit er über sich selber und seine Fehler lachen kann. «Soziologen nehmen die Gesellschaft ganz genau unter die Lupe.»

Mit subtiler Manipulation werden wir hin zum Durchschnittsmenschen geführt – via Statistiken, Werbung und Supermärkten», sagt Ziegler, bevor er seinen «poetischsten, formvollendetsten und literarischsten Satz, den ich je geschrieben habe» ankündigte. Er räuspert sich, holt tief Luft und zitiert: «Ich, ich mag normale Märkte – das ‹märkte› ich schon früh.» Ziegler lachte kräftig über seinen gelungen Satz – das Publikum eher nicht. Auch das gehört zum Programm und war eine Pointe. Er hat Soziologie studiert und bezeichnet Soziologen als Stalker mit Diplom.

Das Zusammenspiel von Slam Poet Kilian Ziegler und Pianist Samuel Blatter gab diesem Abend eine besondere Note. Die Mischung von Poetry Slam und Kabarett – gespickt mit gesellschaftskritischen Beobachtungen des Durchschnitts – regen zum Nachdenken an – auch über einen möglichen Ausbruch aus dem Strauchelzoo. Samuel Blatter unterstützte diese Überlegungen mit seinem eigenen Musikgenre und den verbalen Einschüben, die ebenfalls zu gelungenen Pointen führen und die Besucher im Fabriggli erheitern.