BUCHS: Hunderte von Rabenkrähen

Die Szenerie erinnert an den Hitchcock-Film «Die Vögel», spielt sich aber in der Stadt ab. Nacht für Nacht suchen sich Schwärme von Rabenkrähen und Dohlen ihren Schlafplatz auf hohen Bäumen in Buchs.

Katharina Rutz
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Hier versammeln sich die Rabenvögel auf ihren Schlafbäumen auf dem Buchser Chez-Fritz Areal. (Bild: Thomas Schweizer)

Hier versammeln sich die Rabenvögel auf ihren Schlafbäumen auf dem Buchser Chez-Fritz Areal. (Bild: Thomas Schweizer)

Katharina Rutz

Sie baden im Rhein und sammeln sich danach auf dem obersten Draht der Hochspannungsleitung zwischen der Buchser Kehrichtverbrennungsanlage und der Grenze zu Sevelen. Es sind Hunderte von Rabenkrähen. Laut den Beobachtungen von Edith Altenburger und Heidi Aemisegger vom November sammeln sich pro Mast bis zu 130 Vögel (im Werdenberger & Obertoggenburger vom 2. Dezember 2016). Insgesamt müssen es gegen tausend Raben sein. Sie alle suchen sich bei Dämmerung ihren Schlafplatz, gerne in grossen Schwärmen. Diesen Winter bevorzugen sie offenbar die hohen Bäume in der Stadt Buchs.

«Die Raben schlafen auf den hohen Bäumen auf dem Areal Chez Fritz, entlang der Autobahn, an der Technikumstrasse oder beim alten Postgebäude», sagt Edith Altenburger, Obfrau Natur- und Vogelschutz des Ornithologischen Vereins Buchs. «Wahrscheinlich wechseln sie ihre Schlafplätze ab, wieso, weiss man nicht.» So sind die Raben in der Innenstadt in den letzten Tagen bereits wieder verschwunden.

Gemeinsame Schlafplätze für alle

Das Verhalten, sich in Schwärmen zusammenzufinden und gemeinsam zu übernachten, ist aber für Rabenvögel normal. Rabenkrähen leben entweder als Brutpaar in einem Revier oder in einem Schwarm aus Nichtbrütern und Jungvögeln. Die Schlafplätze suchen sie aber dennoch gemeinsam auf. Nur wenn sie brüten, bleiben auch die Reviervögel bei ihrem Nest.

Diesen Winter lassen sich in der Stadt Buchs besonders viele Rabenkrähen beobachten. «Ich kann mich nicht erinnern, dass es je so viele waren», sagt Markus Kaufmann, Stadtschreiber von Buchs. Diese hinterlassen aber auch ihren Kot. Bei der Stadt Buchs ging deswegen aber erst eine einzige Reklamation ein. «Wir klärten dann ab, ob irgendwo Essensreste die Vögel anlocken», sagt Kaufmann. Dabei entfernten Mitarbeiter des Werkhofs aber lediglich einige Brotresten, die wohl tatsächlich für die Vögel vor allem an der Bahnhofstrasse ausgelegt worden waren. «Die Vögel sollten aber auf keinen Fall gefüttert werden, dies würde sie noch mehr anziehen», betont Markus Kaufmann. Weitere Massnahmen seien bei Rabenvögeln in der Stadt schwierig oder unmöglich umzusetzen.

Die Jagd auf Raben ist sehr schwierig

Eine intensivere Jagd dezimiere die Rabenvögel kaum, schreibt auch die Vogelwarte Sempach in ihrem Merkblatt «Elstern und Rabenkrähen im Siedlungsraum». Die Jagd sei sehr aufwendig, weil die Vögel dank ihrer hohen Intelligenz die Jäger und deren Fahrzeuge nach kurzer Zeit individuell erkennen und rechtzeitig das Weite suchen. Im Siedlungsraum sei die Jagd aufgrund von Sicherheitsüberlegungen untersagt, heisst es dort weiter. Reviere von ausfallenden Brutpaaren werden aus der grossen Reserve der Schwärme zudem sofort wieder besetzt.

Der Rabenbestand ist ansteigend

Seit Anfang der 1990er-Jahre steigen die Elster- und Rabenkrähenbestände in der Schweiz deutlich an. «Die heutige Landwirtschaft begünstigt dies, da auf den abgeernteten Feldern immer noch viel zu fressen für die Rabenvögel zurückbleibt», sagt Edith Altenburger. Aber auch den Siedlungsraum haben die Raben immer mehr entdeckt. So finden sie auch in Buchs Brutplätze und genügend Nahrung. Laut Edith Altenburger gibt es im Gebiet Ceres und in den dortigen Auenwäldern seit Jahren viele Krähen. Da dort nun die Renaturierung des Binnenkanals viel Bautätigkeit und Zuschauer mit sich bringt, könnten sie sich dort gestört fühlen, vermutet Altenburger. Mit Sicherheit sagen könne man dies jedoch nicht.