BUCHS: Grosser Aufmarsch

In der reformierten Kirche Buchs wurde am Sonntag «gegospelt». In Scharen kamen die Zuhörer zum Konzert von «Gospel im Werdenberg». Der interreligiöse Anlass war sehr familiär.

Pius Bamert
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«Mega» eindrücklich: Der Chor «Gospel im Werdenberg» in voller Grösse. (Bild: Pius Bamert)

«Mega» eindrücklich: Der Chor «Gospel im Werdenberg» in voller Grösse. (Bild: Pius Bamert)

Pius Bamert

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Friedrich Wilhelm Nietzsche schrieb das Zitat «Gott ist tot, und wir haben ihn getötet». Sicher traf diese Aussage an diesem Abend nicht zu. «We have come to praise the Lord – Wir sind gekommen, um Gott zu preisen». Mit diesem Song eröffnete «Gospel im ­Werdenberg» den sehr religiösen ­Liederkreis. War es jetzt ein Gottesdienst oder ein Konzert? Vielleicht beides.

Ein Mitmach-Konzert für die ganze Familie

Der Chor wurde 2012 von Irene Stäheli, Kirchenmusikerin mit Weiterbildung im Jazz, ins Leben gerufen. Sie ist Projektleiterin, schreibt Chorarrangements und spielt Klavier an Proben und Konzerten. In diesem Chor treffen sich Menschen verschiedenster Altersstufen und verschiedenster Konfessionen während dreier Monate und finden sich im Singen von Gospelsongs verschiedenster Stilrichtungen. Das Repertoire reicht von der süffigen Gospelballade (We are The reason) über den Swahili-Song (Baba Yetu) bis zum Contemporary-Gospel aus Dänemark (I will praise Him – Hans Christian Jochimsen) oder dem Easy Shuffle aus Amerika (I Smile – Kirk Franklin) oder im Hip-Hop-Style (My Desire – Kirk Franklin).

Zweimal jährlich findet ein Projekt statt. Der ständig wachsende Chor lebt unter anderem von der inspirierenden Leitung des jungen Dirigenten Simon Griesinger. Mit viel Humor und Kompetenz führt er die Sängerinnen und Sänger zur Konzertreife. Simon Griesinger ist in Walenstadt aufgewachsen. Er studierte an der ZHDK Musiklehrer für Gymnasialstufe und schloss diesen Sommer sein Masterstudium erfolgreich ab. Er ist selber ein erfahrener Band­musiker mit der Gitarre und profilierter Militärtrompeter und Sänger. Er versteht es, den jedes Mal neu zusammengesetzten Projektchor zu begeistern und in drei Monaten zu einer erstaunlichen Konzertreife zu führen.

Fünf Minuten vor dem Auftritt. Die Kirche ist randvoll, letzte Ankommende suchen sich noch irgendwo eine Sitzgelegenheit. «We have come to prais the Lord» klingt’s von der Kirchentüre. Beeindruckend, der Einmarsch der rund 85 Sängerinnen und Sänger.

Gospel stammt aus der Sklavenzeit

Die Band überzeugt durch ihr swingendes Eintauchen in diese jazzige Musik. Am Piano spielt Irene Stäheli. Andy Schwendener arbeitet am Schlagzeug. Bass zupft Christoph Senn, Claudio Cantieni die Gitarre. Simon Griesinger hält als Bandleader das «Ganze» zusammen. «I will praise him», «Throug this door», «You are the reason». Es sind viele Titel, die auch Liebhabern des Gospel und Spirituals nicht unbedingt bekannt sind. Wie zum Beispiel «Baba Yetu», ein Swahili-Song: «Baba yetu, yetu uliye Mbinguni yetu, yetu amina – Vater unser, der du bist im Himmel. Amen». Ursprünglich stammen ja die Gospel- und Negro-Spirituals aus der Sklavenzeit. In den Spirituals sangen die Arbeiter auf den Baumwollplantagen der USA ihre Not hinaus – drückten so ihre Hoffnung aus, dass Gott im Himmel einen Ausgleich für die er­littene Ungerechtigkeit schaffen wird. «Man darf mega mitmachen», so Simon Griesiger. Und es wurde mitgemacht, gelobt und geklatscht. Nach einigen bejubelten Zugaben zogen die Beteiligten singend aus der Kirche. Fazit: Ein interreligiöser Anlass, sehr fa­miliär, fast eine verschworene Gemeinschaft und die einhellige Meinung: «Mega war’s, Praise the Lord!»

Auch das Konzert vom Samstag in der evangelischen Kirche Grabs war sehr gut besucht.