BUCHS: «Glück muss man sich erarbeiten»

Dilovan Yaslak leitete kurz nach der Lehre die Kebap-Restaurants Troya in Buchs und Schaan. Während viele Betriebe in der Region schliessen, schwirrt ihm nach einer Konzeptänderung schon die nächste Idee für einen Laden im Kopf herum.

Mengia Albertin
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Dilovan Yaslak im neuen Lokal «Vibes» – das ehemalige «Troya» – in Schaan. (Bild: Mengia Albertin)

Dilovan Yaslak im neuen Lokal «Vibes» – das ehemalige «Troya» – in Schaan. (Bild: Mengia Albertin)

Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Die zwei Gastronomiebetriebe des Vaters übernehmen, Kochen, Bedienen, Entscheidungen treffen, Budgets planen, Einkaufen, Bestellen, doppelt so alte Mitarbeiter führen, neue Leute einstellen, Rückschläge einstecken – das alles stets mit einem freundlichen Lächeln und auch am Wochenende. Nicht jeder wäre dem gewachsen, schon gar nicht mit 20 Jahren. Darin unterscheidet sich der Liechtensteiner Dilovan Yaslak von vielen seiner Kollegen: Er übernahm nach der Lehre die «Troyas» Buchs und Schaan als Geschäftsführer. «Meine Mutter hat mir immer gesagt: Dilo, du brauchst eine Lehre», erzählt er. Nach der Oberstufe absolvierte Yaslak also eine Ausbildung zum Informatiker. Das sei ihm mit der Zeit zu langweilig geworden. «Schon seit ich denken kann, war ich immer mit meinem Vater in seinen Betrieben», sagt Yaslak. «Wir haben nie zusammen Fussball gespielt, wie das andere mit ihren Vätern machen. Aber wir waren in den Restaurants zusammen unterwegs.» Für den 22-Jährigen war seit jeher klar, dass er ebenfalls Restaurants leiten möchte. Könnte er noch einmal wählen, würde er statt in die Lehre direkt ins Geschäft einsteigen.

Einer der Jüngsten in der Wirteklasse

Schon während der Lehrzeit arbeitete Dilovan Yaslak mal mittags, abends oder an den Wochenenden im «Troya» in Buchs oder in Schaan mit. Nach Abschluss der Lehre seines Sohnes entschied sich sein Vater, Hasan Yaslak, eine Auszeit zu nehmen. Ein halbes Jahr arbeitete er seinen Sohn ein. Dilovan Yaslak machte nebenbei das Wirtepatent. «Es war gut, dass ich vieles schon kannte», sagt Yaslak. «Im dreimonatigen Kurs lernte ich alles zu Hygiene, Lebensmittel und Buchhaltung.» Er gehörte damals zu den Jüngsten der Klasse. Nach der Einarbeitungszeit und dem Erhalt des Wirtepatents, wurde der damals 20-Jährige offizieller Geschäftsführer der «Troyas» Buchs und Schaan und ist für doppelt so alte Mitarbeiter zuständig. Sein Vater machte sich zu dieser Zeit auf nach Brasilien. Angst hatte Dilovan Yaslak nicht, aber grossen Respekt – vielleicht sei er sogar etwas blauäugig gewesen.

Die ersten Monate klappten gut, waren aber schwierig. «Viele dachten zu Beginn, dass ich keine Ahnung habe, was ich mache und mir ohnehin alles ‹geschenkt› wurde. Das bekam ich zu spüren.»

Die Lieferanten waren erst mal verwundert, wenn der junge Geschäftsführer das Telefon abhob, die Gäste waren ebenfalls irritiert. Einige Mitarbeiter befolgten seine Anweisungen nicht und machten die Dinge so, wie sie es für richtig hielten. «Ich habe einfach immer alles wiederholt, bis ich ihnen dermassen auf die Nerven ging, dass sie es dann endlich so machten, wie ich es sagte. Es war schwierig, gleichzeitig streng und authentisch zu sein. Niemals wollte ich mich aufspielen.»

Selbstverständlich seien ihm Fehler unterlaufen. Zum Beispiel wurden zu viele Esswaren bestellt. Während er zu Beginn unsicher gewesen sei, geht es nach nun knapp drei Jahren geordneter vonstatten. «In der Gastronomie muss man einfach damit um- gehen können, dass man es nicht jedem recht machen kann.» Nie habe sein Vater ihm das Gefühl gegeben, dass etwas nicht funktionieren könne.

Hasan Yaslak war streng, hat ihm aber stets das Gefühl gegeben, dass er es gut macht. «Er sagte mir ausserdem immer: Wenn du aus der Küche nach vorne kommst, ist das deine Bühne, du bist freundlich, begrüsst und verabschiedest alle Gäste – auch wenn sie dir nicht antworten. In der Küche kannst du dann wütend und frustriert sein.» Das mag sich simpel anhören, es wird aber sicherlich nicht jedem liegen, sieben Tage die Woche respektvoll, doch bestimmt bei jeder Art von Mensch zu bleiben. Das Wirten und der Umgang mit unterschiedlichsten Charakteren liegt Dilovan Yaslak vielleicht einfach im Blut. «Mein Vater kann und konnte mit Kunden aller Art sehr gut umgehen. Ich glaube, darum geht es unseren Geschäften gut.»

Neue Ideen suchen und umsetzen

Während immer mehr Restaurants und Imbissbuden der Region ihre Tore ungewollt schliessen müssen, scheint dies bei Dilovan Yaslak nicht der Fall zu sein: Als sein Vater vor Kurzem das «Troya» in Buchs wieder übernommen hat, wurde das Schaaner «Troya» im Juni umgebaut und erstrahlt nun unter dem neuen Namen «Vibes». Auch das Konzept ist nicht mehr dasselbe. Seit Juni werden im «Vibes» in moderner, heller Einrichtung nebst Burger mit Schweizer Fleisch und ausgeklügeltem Burgerbrötchen von der Bäckerei Wanger individuelle Kebaps, Dürüms und selbst zusammenstellbare «Bowls» verkauft.

Ideen für die Rezepte und Einrichtungen sammelt Dilovan Yaslak im Internet. Über soziale Netzwerke erfährt er die «Foodtrends». Stundenlang tüftelt Yaslak dann in der Küche an zukünftigen Standard-Rezepten. «Das Essen muss in erster Linie mir schmecken, dann denke ich, dass es sich gut verkaufen wird. Auch meine Kollegen probieren und geben ihre Meinung ab.» In seinen Ferien fotografiert Yaslak Einrichtungen von Gastronomiebetrieben und bringt seine Ideen dann schliesslich zusammen.

Für Yaslak gibt es kaum eine Trennung von Freizeit und Arbeit. Die Leichtigkeit und der Spass scheinen ihm nicht abhanden zu kommen. Leidenschaftlich erzählt er von seinem neuen Projekt in Schaan, welches in Buchs sogar erweitert werden soll. «In unserer Region gibt es zu wenig modernes, feines Essen in lockerer Atmosphäre», ist er sich sicher. «Und ehrlich gesagt, esse sogar ich nicht mehr so viel Kebap, ich hatte eindeutig genug davon», lacht er. Als junger Gastronom ist er sich die heutige Schnelligkeit und rasch wechselnden Trends gewohnt. Daran müsse man sich anpassen können.

Durch seinen Weg ist Dilovan Yaslak in kurzer Zeit erwachsen geworden. Im Privaten sei dem hingegen noch nicht so. «Ein bisschen Kind muss man immer bleiben.» In den Ausgang ist er nie gross gegangen, Alkohol mag er nicht besonders – vor allem nicht das Arbeiten mit einem Kater. Seine Kollegen sieht er, wenn sie zu ihm Essen kommen oder in den Semesterferien bei ihm arbeiten. Dass die Geschäfte laufen, dahinter stecke harte Arbeit. «Das Glück muss man sich erarbeiten», sagt Dilovan Yaslak.