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BUCHS: Gelebte Tradition stärkt die Wurzeln

Während die «Türgga-Usschellete» in der Region fast gänzlich an den Nagel gehängt wurde, blieb Buchs dieser Tradition treu. Seit 1998 wird die «Hültschete» unter der Ägide des Ortsbürgerbundes aufrechterhalten.
Heidy Beyeler
Die «Usschellete» bringt Generationen zusammen.

Die «Usschellete» bringt Generationen zusammen.

Heidy Beyeler

redaktion@wundo.ch

Früher, als fast in jedem Haushalt noch der eigene Türgga auf einem Pflanzplätz angebaut wurde, ging es während der Erntezeit strub zu und her. Die Maiskolben wurden zum Trocknen meist auf dem Dachboden zusammengebunden aufgehängt. Damals hatte Ribelmais im Werdenberg eine grosse Bedeutung und war deshalb ein kostbares Gut, dem man vor allem bei magerer Ernte besonders Sorge trug.

In Buchs blieb man der «Usschellete» treu – auch als der Landwirtschaftsbetrieb des Altersheims und mit ihm das Ökonomiegebäude einem Neubau weichen musste. So freute es Hans Junginger, Präsident Ortsbürgerbund Buchs, besonders, dass wiederum viele Bürger und Bürgerinnen an diesem gesellschaftlichen Anlass am Freitagabend tatkräftig mitmachten. In zwei Stunden wurden schätzungsweise eine Tonne Maiskolben bis auf zwei, drei Blätter entblättert. Mit den übrigen Blättern wurden jeweils zwei Kolben miteinander verknotet. Eine Arbeit, die offensichtlich den Männern vorbehalten bleibt, ebenso wie das Aufhängen der Kolben zum Trocknen – oben unter dem Dach des Werkhofs. Das Entblättern wird gemeinsam von Frauen, Kindern und Männern an die Hand genommen. Alles geht Hand in Hand, bis alle Maiskolben hängen. Dort bleiben sie bis nächstes Jahr zur erneuten «Usschellete».

Ein Fest, das einst auch der Kuppelei diente

Bevor die Kolben am Freitagabend aufgehängt werden konnten, wurden all jene Ribelmais-Kolben, die im Vorjahr zum Trocknen unter dem Dach aufgehängt worden waren, heruntergenommen. Diese werden nun diese Woche zum Mahlen zur Mühle gebracht. Später übernimmt Beck Frick, Buchs, das Maismehl, welches er zu feinen Maisbroten verarbeitet.

Heuer war ein gutes Jahr für das Gedeihen des Ribelmais. Gesunde, grosse perlweisse Kolben kamen unter den Blättern zum Vorschein. Eine Augenweide für alle, die bei der «Usschellete» mitwirkten.

Früher hatte natürlich die «Usschellete» oder «d’Schluchete», wie die Gamser zu sagen pflegten, neben dem gesellschaftlichen und geselligen Abend noch einen anderen, wichtigen Aspekt. Die «Hültschete» kam einem kleinen Fest gleich, bei dem auch Kuppeleien zwischen jungen, heiratsfähigen Burschen und Mädchen arrangiert wurden. Dazu wurden denn auch die entsprechenden Personen zur «Türgga-Usschellete» eingeladen. Es wurde jeweils getanzt, gescherzt und getrunken bis in die späte Nacht hinein.

Während der Arbeit, die von drei Musikanten musikalisch angeregt wurde, tauschten auch in der Neuzeit die fleissigen Leute die neusten Neuigkeiten untereinander aus. Nach getaner Arbeit gab es eine verführerische Stärkung mit Maisbrot, Birnenbrot, Dörrbirnen, Käse inklusive Bloderchäs und Trauben.

Die Tradition geht aber über die Maiskolben und das Werdenberg hinaus weiter. Die unzähligen Blätter wurden zum Schluss feinsäuberlich zusammengewischt und in einen Big-Bag verpackt. Diese werden kommenden Freitag von Mitgliedern der Gruppe Kramsach 2000 aus dem Tirol abgeholt. Daraus werden Kostüme hergestellt, die für die Gestalten am Perchtenlauf – einem alpenländischen Brauch – genäht werden. Schönperchten und Schiechperchten treiben zwischen Weihnachten und anfangs Januar ihr Unwesen, um den Winter beziehungsweise die bösen Geister des Winters zu vertreiben. Neben den Prachtsgewändern – für die je rund 18000 Maisblätter gebraucht werden, tragen die urtümlichen Gestalten auch furchterregende Masken.

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