BUCHS: Fit werden für die Regelklasse

Bereits das zweite Jahr findet der Intensivkurs Deutsch als Zweitsprache statt. Ziel des Unterrichts ist ein Übertritt in die dem Alter entsprechende Regelklasse. Die Kosten für den Kurs trägt die Stadt Buchs.

Mengia Albertin
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Mengia Albertin

mengia.albertin@wundo.ch

Der Morgen beginnt aktiv im «Intensivkurs Deutsch als Zweitsprache» – kurz IK DAZ – im Oberstufenzentrum Flös in Buchs: Die Schüler aus Eritrea, Afghanistan und Griechenland tanzen eine Choreografie zu einem deutschen Popsong. Dann werden aus einzelnen Buchstaben gemeinsam deutsche Wörter und Sätze zusammengesetzt. Bei Fehlern helfen die sechs Schüler einander. Bei Verständnisproblemen unterhalten sie sich in der Landessprache. Es wirkt erstmals fast wie ein Rätselraten. Ist das Wort zusammengesetzt, raunen dann aber Ahs und Ohs durch die kleine Klasse.

Der Jüngste ist zehn Jahre, die Älteste ist sechzehn Jahre alt. Schritt für Schritt soll die deutsche Sprache erlernt werden. Die Fremdsprache soll soweit sitzen, dass die fremdsprachigen Schülerinnen und Schüler sich in einer Regelklasse zurechtfinden und effizient mitarbeiten können. «Als vor gut eineinhalb Jahren die Zahl der Flüchtlinge in die Höhe schoss, musste eine ­Lösung für Schüler und Lehrer her», sagt Beat Hidber, Schulleiter des Oberstufenzentrums Flös. «Wenn die fremdsprachigen Kinder einfach in die Realklassen eingeteilt werden, kommt man weder dem Schüler noch dem Lehrer entgegen. Es darf nicht vergessen gehen, dass sich die älteren Schüler auf die Berufswahl vorbereiten, die sehr wichtig ist.» Ein Schüler sollte nicht stumm in der Klasse sitzen. Damit profitiere er nichts vom Unterricht. Ein Lehrer kann diese Arbeit alleine nicht leisten, geschweige denn ­jedem Schüler gerecht werden. «Die Spannbreite ist einfach zu gross.» Mit der IK DAZ soll die sprachliche Hürde angegangen werden. Der Kurs findet in diesem Jahr das zweite Mal statt. Er dauert maximal ein Jahr. Bei sehr guten Leistungen Einzelner aber auch kürzer.

Wie Markus Kaufmann, Stadtschreiber von Buchs, informiert, trägt die Stadt die Kosten für den IK DAZ. Den Kurs empfindet Beat Hidber bis jetzt als gewinnbringend und nützlich. «Wir besprechen die Situation in der Klasse, aber auch mit den Lehrpersonen. Dies hilft uns, jederzeit kleinere Korrekturen anzubringen».

Unterschiedliches Vorwissen und Geschichten

Neben Deutsch werden Mathematik und «Natur, Mensch und Umwelt» unterrichtet. Dabei steht die Kultur des neuen Landes und Wohnorts im Fokus. Die Schüler machten mit den beiden Klassenlehrern eine Tour durch Buchs, Fotos der einzelnen Stationen hängen zur Orientierung noch im Schulzimmer: Die Migros, eine Bank, die rosarote Kirche, das Schulhaus, die Bahnhofstrasse, das Oberstufenzentrum. Mit dem täglichen Unterricht lernen die Schülerinnen und Schüler einen weiteren wichtigen Punkt, wie die Klassenlehrerin Christiane Oehler erzählt: die Regeln des neuen Schulsystems. «Die Kinder und Jugendlichen müssen wissen, dass die Schulaufgaben gemacht werden müssen, der Unterricht rechtzeitig beginnt, sie in der Schule gerade sitzen sollten und weitere Regeln, die hierzulande wichtig sind.»

Die schulische Vorbildung, welche die Kinder und Jugendlichen mitbringen, ist sehr unterschiedlich. Einige von ihnen mussten mit ihrer Ankunft in der Schweiz ein komplett neues Alphabet erlernen. «Wir wissen von den einzelnen Schülern nicht, was sie schon erlebt haben und wie sie sich hier fühlen», sagt der Schulleiter. «Es ist sehr anspruchsvoll, allen gerecht zu werden. Es gibt aber sehr viele wirklich sehr schöne Erlebnisse», sagt Oehler. «Zum Beispiel rief mich eine Schülerin mitten in den vergangenen Ferien an und fragte, wann die Schule wieder weitergehe.»

Sie selbst sei selber schon als «Sprachlose» in Ländern gereist und konnte sich nicht verständigen. «Dieses Gefühl ist nicht schön, man ist dann rasch aus- geschlossen.» Für die ehema- lige Sprachlehrerin war dies mit eine Motivation, die Aufgabe als DAZ-Lehrperson zu übernehmen.

In der Klasse wird es nach dem lauten Start mucksmäuschenstill. Zu Beginn des Schuljahres arbeiten noch alle mit den gleichen Arbeitsblättern. Schon bald ändert sich dies: Einige lernen schnell, andere brauchen etwas mehr Zeit. Darum werden nach den ersten Wochen die Aufgaben angepasst.